Jaguar XKR Cabrio

R-Füllung

Foto: Charlie Magee 12 Bilder

Wenn Jaguar in den PS-Topf greift, trägt das Resultat den Kennbuchstaben R. Jetzt trifft es den XK: erste Ausfahrt mit dem Jaguar XKR, unter dessen Haube ein aufgeladener V8-Motor mit 416 PS steckt.

Manchmal sagen Bilder nicht einmal die halbe Wahrheit. Beim neuen XK ist das so.

Erst wenn man ihn in echt sieht, draußen im wirklichen Leben also, erlebt man ihn von seiner schönsten Seite – so wie bei Kate Moss zum Beispiel, nur umgekehrt. Jaguar wäre gut beraten, auf Fotos zu verzichten und den neuen Sprössling potenziellen Kunden nur in freier Wildbahn vorzuführen, etwa im Rahmen von Jaguar-Safaris. Denn gelingt es erst mal, den XK auf der Pirsch zu erspähen, dann wird das Biest schon eher zur Beauty. Auf den Familienzuwachs namens XKR trifft das noch mehr zu. Die wohl proportionierten Formen und straffen Rundungen sind die gleichen, aber Alu-Maschen im Grill, dazu Kühlluftöffnungen vor den Vorderrädern und in der Haube geben dem Ganzen jenen Schuss Aggressivität, den der XK ohne R noch vermissen lässt. Und dass hier keineswegs leere Versprechungen gemacht werden, offenbart der Blick auf das Datenblatt: Statt 298 PS lauern im XKR 416 PS.

Wer nun aber gleich den Schweiß legendärer Raubtiere aus dem Jaguar- Stall wittert, der ist freilich auf der falschen Fährte. Frühe E-Type oder gar D-Type waren von anderem Kaliber. Die XKR-Muskeln sind kein englisches Steak: Was hier aufgetischt wird, ist weder roh, noch trieft Blut aus den Seiten – das jüngste Kraftfutter des Hauses kommt well-done, inklusive Kresse und feiner Sauce. „Unser Ziel war es, den ausgewogenen Charakter des XK beizubehalten, aber alles auf mindestens 130 Prozent zu steigern“, erläutert Jaguar-Chefingenieur Mike Cross die XKR-Philosophie. Mit anderen Worten: Der 2+2-Sitzer sollte nicht zu einem martialischen Sportgerät gezüchtet werden, sondern den traditionellen GT-Prinzipien treu bleiben – schnell und sportlich, aber auch mühelos und auf langen Fahretappen bekömmlich. Mehrere hundert Kilometer, die auto motor und sport mit dem XKR schon mal abspulen konnte, belegen: Mike Cross übertreibt nicht. Auch in der RVersion bleibt XK ein XK, wenngleich mit erweitertem Horizont. Die Mehr- Leistung von 118 PS trübt weder die Harmonie des Ganzen, noch drängt sie einen zu sportlichen Fahraktivitäten.

Man ist auf gelassene Weise schnell. Und man genießt jenen klassischen GTKomfort, der nichts mit Ohrensessel und Pantoffeln zu tun hat, sondern mit allgemeinem Wohlbefinden, mit dem Vertrauen in die dynamischen Qualitäten des Autos, mit spielerischer Dynamik.

Erstaunlich, wie das Fahrwerk trotz Straffung und der optionalen 20-Zoll- Räder (Serie: 19 Zoll) die Fahrbahnstöße wegsteckt, ohne dass dies die sportlichen Talente trüben würde. Und die sind keineswegs unterentwickelt: Den XKR kann man in Kurven noch exakter platzieren als den XK, und weil die Front dem eingeschlagenen Kurs bereitwilliger folgt, genügen sparsamere Lenkbewegungen.

Dank zweistufiger (abschaltbarer) Sicherheitselektronik darf in engeren Radien zudem mit dem Gaspedal nachgeholfen werden – ein Manöver, das der Jaguar ebenso gelassen über sich ergehen lässt wie spätes Bremsen am Kurveneingang. In solchen Momenten erreicht der XKR dann durchaus Sportwagenniveau. Er isoliert nicht vom Geschehen, sondern bezieht den Fahrer ein, was in diesem Genre ja auch Sinn der Sache ist.

Passend dazu der 4,2 Liter große V8, der bei niedrigen Drehzahlen mit metallischem Trommeln auf sich aufmerksam macht. Fast verschwunden hingegen das Jaulen des Kompressors, das dem Vorgänger beim Gasgeben stets die Akustik einer betagten Trambahn verlieh. Mittels mechanischer Laderunterstützung bringt es die altgediente Jaguar-Maschine hier auf 560 Nm Drehmoment und legt schon unten herum stürmisch los. Da macht es auch gar nichts, dass jenseits von 6000/min nicht mehr viel zu holen ist – mit dem für diese Klasse hopfenleichten XKR (Coupé/Cabrio: 1770/1785 kg) wird der Kompressor-V8 auch so spielend fertig. Ein Mercedes SL 55 AMG jedenfalls dürfte dem Jaguar kaum davonfahren. Um die Wahl der Übersetzungen kümmert sich weiterhin die aus dem XK bekannte Sechsgangautomatik. Jaguar verspricht die kürzesten Schaltzeiten der Branche – durchaus glaubhaft und besonders nützlich, wenn man die manuelle Paddelschaltung bemüht.

Das ist in Anbetracht der tadellosen Automatikfunktion zwar nicht nötig, aber durchaus reizvoll, zumal beim Herunterschalten. Dann gibt die Software nämlich herzhaft Zwischengas. Unter dem Blech geht die Wandlung vom XK zum XKR mit einer technischen Rundumbehandlung einher. Die Federraten wurden erhöht, die adaptiven Dämpfer neu abgestimmt, desgleichen die Servotronic-Lenkung sowie ESP und ASR. Die vorderen Bremsen verfügen über größere Scheiben, und beim Cabrio kommt Daten eine Strebe zwischen den hinteren Stoßdämpferdomen zum Einsatz. Zudem beschert eine verbesserte Beatmung mit doppeltem Luftsammler dem aufgeladenen V8 einen Leistungszuwachs von 21 PS gegenüber dem Vormodell. Unverändert hingegen die steife, ganz aus Aluminium gefertigte Rohkarosserie, aber auch im Innenraum tut sich so gut wie nichts.

Der Unterschied beschränkt sich auf diverse R-Embleme und etwas stärker konturierte Sitze. Wer altenglischen Stil erwartet, wird folglich enttäuscht sein: Das XKR-Interieur erinnert eher an die Lounge einer Airline als an das Herrenzimmer von Lord Kitchener. Leider ist es auch – dem Touchscreensystem sei’s geklagt – nicht besonders bedienungsfreundlich. Diesbezüglich kann man Jaguar eigentlich nur eines raten: einstampfen und neu machen. Zwiespältig auch der Blick in die Preisliste. 94 990 Euro kostet das Coupé, 102 990 das Cabrio – immerhin 13 490 Euro mehr als die normalen XK-Versionen, womit sich das Cabrio ziemlich genau auf dem Niveau eines Mercedes SL 500 (103 240 Euro) mit 388 PS bewegt.

Man kann es auch anders sehen: Ein offener XKR macht optisch kaum weniger her als der Aston Martin DB9 Volante, ist aber schon für rund 60 000 Euro weniger zu haben.

Technische Daten
Jaguar XKR Cabrio
Grundpreis 107.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4791 x 1893 x 1329 mm
KofferraumvolumenVDA 283 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 306 kW / 416 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 12,5 l/100 km
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