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Jeep Grand Cherokee und Volvo XC90

Überarbeitet präsentiert sich der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD und muss im Vergleich mit dem Volvo XC 90 D5 zeigen, wer den Weg zum Steinbruch oder in den Kindergarten leichter nimmt.

Unterwegs zum Möbelladen, zum Supermarkt oder zum Kindergarten, mit maximalem Komfort, einem Laderaum für alle Fälle und der Gewissheit, beim Umweg über den Offroad-Park eine gute Figur zu machen – das kann doch nicht so schwer sein. Zwei, die für solche Touren wie gemacht scheinen, sind der modellgepflegte Jeep Grand Cherokee und der Volvo XC 90. Wobei das Pendel beim Grand Cherokee eindeutig stärker Richtung Offroad ausschlägt, beim Volvo dagegen eher Komfort und Exklusivität im Fokus stehen.

Overland gegen Executive

Zum Vergleich ist der Jeep Grand Cherokee in der Top- Version Overland für 53 990 Euro angetreten. Permanenter Allradantrieb, Reduktionsgetriebe, Bergan- und -abfahrhilfe sowie drei elektronisch geregelte Sperrdifferenziale rüsten ihn perfekt für den ganz groben Geländeausritt. Dazu kommt der 218 PS starke Dreiliter-Common-Rail-Diesel, der abgesehen von einer leichten Anfahrschwäche Kraft in allen Lebenslagen liefert. Seine akustischen Lebensäußerungen sind dezent, die Stimme wird beim Beschleunigen zwar erhoben, aber nie laut. Es wäre auch nicht korrekt zu behaupten, der von Mercedes entwickelte V6 würde seine 510 Newtonmeter Drehmoment aus dem Ärmel schütteln, denn Vibrationen sind dem Motor fremd. Fünf Stufen hält die Automatik parat, und sie erledigt die Schaltarbeit angenehm unauffällig. Auf verwinkelten Landstraßen hält die Box allerdings gelegentlich den falschen Gang parat. Aber in solchen Fällen kann der Fahrer unterstützend eingreifen und manuell die Gänge wechseln.

Ein Sparmobil ist der Grand Cherokee 3.0 CRD freilich nicht. Im Testmittel presst die Einspritzung 13,1 L/100 km durch die Düsen, zurückhaltend bewegt sind es immer noch 9,1 Liter – bei reinem Straßeneinsatz gemessen, denn im Gelände ist leicht das Drei- bis Vierfache möglich. Der Volvo bleibt schon deshalb darunter, weil ganz harte Offroad- Touren definitiv nicht sein Fall sind. Er ist, trockene Fahrbahn und ausreichend Grip an den Vorderrädern vorausgesetzt, als Fronttriebler unterwegs. Erst wenn an der Vorderachse Schlupf auftritt, schaltet die Haldex- Kupplung die Hinterräder zu. Volvo verspricht blitzschnelles Reagieren; eine siebtel Radumdrehung Schlupf soll ausreichen, um den Kraftschluss nach hinten herzustellen.

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Sperrdifferenziale gibt es keine, durchdrehende Räder werden vom ESP eingebremst. Kraft spendet beim XC 90 D5, in der Version Executive mit sieben Sitzen 58 400 Euro teuer, ein quer im Bug eingebauter Fünfzylinder-Reihenmotor. Mit 2,4 Liter Hubraum, 185 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment ist er im direkten Vergleich im Nachteil. Es fehlt an Kraft und Durchzugsvermögen, was hauptsächlich auf der Autobahn als störend empfunden wird. Beim Verbrauch kann er dagegen punkten, denn der Reihenfünfer konsumiert im Mittel 11,8 L/100 km, lässt sich mit leichtem Gasfuß allerdings auch mit acht Litern bewegen.

Dabei irritiert das Laufgeräusch, dessen knurriger Ton vor allem beim Beschleunigen nicht ganz zum Luxus- Ambiente des großen Schweden passen will. Es tritt allerdings auch deswegen so in den Vordergrund, weil der XC 90 kaum Wind- oder Abrollgeräusche produziert und trotz seines knorrigen Fünfzylinders auch keine Vibrationen. Kommen wir zum Interieur der beiden, wobei vor allem Volvo sein Modell auch XL 90 hätte nennen können. Er ist fünf Zentimeter länger als der Jeep und sein Motor quer eingebaut, was in Kombination ein sehr großzügiges Passagier-Abteil ermöglicht. Seine Vordersitze sind äußerst bequem, und ihr Verstellbereich lässt auch Zwei-Meter-Menschen eine angenehme Position finden. Dann geht es in Reihe zwei natürlich etwas beengt zu, aber vier, auf kürzeren Strecken auch fünf durchschnittlich große Erwachsene sitzen sehr kommod.

Im Kofferraum sind noch zwei Notsitze vorrätig, die den XC 90 zur Idealbesetzung machen, wenn es darum geht, die Teilnehmer eines Kindergeburtstages in den Freizeitpark zu expedieren. Die Verarbeitung des Volvo ist tadellos, selbst die Hartplastikteile der Mittelkonsole fallen nicht negativ auf, stehen aber im Kontrast zu den hochwertigen Materialien drumherum. Klar verbesserungswürdig ist die Bedienung – angefangen vom Navigationssystem mit seinen Knöpfen auf der Rückseite einer Lenkradspeiche bis hin zum integrierten Telefon. Ist es aktiviert, lässt sich das Radio kaum noch bedienen, weil beide System die selben Knöpfe nutzen. Außerdem beendet man Gespräche ungewollt, weil die Taste zum Abbrechen unglücklich ins Lenkrad integriert ist.

Auf den ersten Blick wirkt der Jeep überzeugender, denn er bietet für das Telefon eine Sprachbedienung, die Befehle sehr gut erkennt. Trotzdem ist die Eingabe alles andere als ablenkungsfrei, weil viel zu umständlich. Was die Bedienbarkeit angeht, stellt sich der Touchscreen des Jeep als klarer Rückschritt dar. Schuld ist eine Menüstruktur, die allen angelernten Eingabe-Handlungen Hohn spricht. So sind die Radio-Stationsspeicher nicht binnen Sekunden belegt, sondern erst nach vielen Minuten. Immerhin fügt sich das System mit dem hochauflösenden Monitor gut in die hochwertige Umgebung. Die muss sich hinter der des Volvo nicht verstecken, selbst wenn das Sitzleder etwas synthetischer ausfällt und Hartplastik in größerem Umfang zum Einsatz kommt. Fugen und Spaltmaße bieten jedoch kaum Anlass zur Kritik, sieht man von den Verkleidungen der A-Säulen ab. Auch der Sitzkomfort kommt sehr nah an den des Volvo heran, zumindest vorn. In der zweiten Reihe sind die Passagiere jedoch deutlich unbequemer untergebracht.

XC90 ist der bessere Allrounder

Hier fehlt etwas Beinfreiheit, vor allem stört die niedrige Bankhöhe, die stark angewinkelte Beine erzwingt. Auch im Kofferraum ist das Platzangebot weniger großzügig als im Volvo. Zusätzliche Sitze gibt es nicht, der große Cherokee ist ein reiner Fünfsitzer. Im Fahrverhalten ähneln sich beide stärker als beispielsweise einem BMW X5. Dessen Dynamik und Präzision bieten sie nicht, es sind eher träge, gutmütige Gesellen, gedacht für die große Fahrt. Eine messerscharf agierende Lenkung würde da eher stören. Dafür sind die Lenkungen sehr leichtgängig: beim Parken in engen Lücken ein echter Vorteil. Im Jeep poltert es im Gestänge, wenn man ihn durch Schlaglöcher scheucht, die Volvo-Mechanik bleibt dagegen stumm. Überhaupt federt er eine Spur geschmeidiger, hat vor allem auf kurzen Wellen leichte Vorteile, auf denen der Grand Cherokee etwas stuckert. Damit lässt sich leben - anders als mit seinem Bremsfading. Nach der zehnten Folgebremsung verlängert sich der Anhalteweg um eine Wagenlänge.

Volvo zeigt, wie es besser geht. Der XC 90 besticht zudem durch Assistenzsysteme (Toter-Winkel-Überwachung für 620 Euro, automatischer Notruf bei Unfall für 1580 Euro), die ihn sicherheitstechnisch immerhin optional auf das Niveau von Oberklasse-Limousinen heben. Vergleichbares hat der Jeep nicht zu bieten. Auch deswegen hat er in diesem Test das Nachsehen. Er ist selbst im aktuellen Trimm mehr Geländewagen als SUV. Beim XC 90 ist es genau anders herum. Trotz seines etwas zahnlosen Motors ist er der bessere Allrounder.

Technische Daten

Volvo XC90 D5 7-Sitzer Executive Jeep Grand Cherokee 3.0 V6 Multijet 4x4 Overland
Grundpreis 58.910 € 55.490 €
Außenmaße 4807 x 1898 x 1784 mm 4750 x 1870 x 1740 mm
Kofferraumvolumen 249 bis 1837 l 978 bis 1909 l
Hubraum / Motor 2400 cm³ / 5-Zylinder 2987 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 136 kW / 185 PS bei 4000 U/min 160 kW / 218 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 200 km/h
0-100 km/h 11,6 s 9,2 s
Verbrauch 8,5 l/100 km 10,3 l/100 km
Testverbrauch 11,8 l/100 km
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