Kia Cee’d

Saat-Gut

Foto: Reinhard Schmid 8 Bilder

Mit dem in und für Europa entwickelten Cee’d will Kia das Feld der Golf-Klasse in Zukunft erfolgreicher beackern als bisher. Noch im Januar tritt er seinen Dienst an.

Feinmechanisch exakt klickend dreht sich das Rändelrad der Klimaautomatik, mit definiertem Druckpunkt rastet die Taste der Umluft-Automatik, auf leichten Daumendruck wippen die Knöpfe am Lenkrad. Bedienerotiker bekommen Herzklopfen – und die Konkurrenz große Augen. Der Kia Cee’d überrascht die Konkurrenz aus Europa und Japan gleichermaßen. Nach überstandener Insolvenz legte Kia unter der Ägide von Hyundai seit 1998 beständig zu, steigerte 2005 den Absatz in Deutschland um rund 46 Prozent. Und das könnte so weitergehen.

Spätestens nachdem Kia seine Modelle in Europa nicht nur verkauft, sondern auch in Deutschland entwickelt und in der Slowakei produziert. Schließlich sät man am besten dort, wo man ernten will. Eine Erkenntnis, die dem bisherigen Kompaktklasse-Kia Cerato einen Tritt in den Hintern beschert. Er verfehlte die hohen europäischen Ansprüche, muss nach nur knapp drei Jahren die deutsche Bühne räumen und sich Richtung Asien und USA zurückziehen. Ab Januar tritt der Cee’d an seine Stelle.

Zunächst als viertürige Steilheck- Version, der Kombi folgt im September 2007, der Zweitürer etwas später. Bis auf Details, wie etwa die Arbeit im Windkanal, wurde dieser Kia komplett in Rüsselsheim entwickelt und unter der Leitung von Gregory Guillaume gezeichnet. Klar, sauber, ohne Schnörkel und Sperenzchen. Weder aufgequollener Van-Fladen noch axtbehauener Dynamik-Keil, stattdessen eine runde, stimmige Interpretation des bekannten Vier-Meter-X-Themas.

Guillaume verzichtet auf zeitgenössische Stilelemente wie ausgestellte Radhäuser und Blech-Origami in Form von Sicken und Lichtkanten. Dafür erkennt man mit etwas Fantasie eine Spur Peugeot 307-DNA im Innenraum. Kein Wunder: Kia bekennt, zu Beginn der Cee’d- Entwicklung einen intensiven Blick auf den Franzosen geworfen zu haben. Um sich anschließend VW-Zulieferer zu greifen und tief in deren Teilelagern zu kramen. Erkennbar etwa an Zündschlüssel, Klimareglern oder Deckenlichttasten.

Zudem schmeicheln Softlack-Oberflächen prüfenden Fing gerkuppen ebensowie das griffige Lederlenkrad. Hardcore-Hartplastik erhielt genauso striktes Hausverbot wie großzügige Spaltmaße, windschiefe Passungen oder schludrig geclipste Verkleidungen. Stattdessen genießen Cee’d-Novizen die problemlose Bedienbarkeit als Resultat übersichtlicher Instrumente, großer, eindeutig beschrifteter Tasten und einfacher Menülogik.

Abgesehen vom optionalen Navigationssystem, dem Zulieferer Siemens VDO angesichts der kleinen Anzeigen eigentlich stets eine Lupe beilegen müsste. Deutlich generöser präsentiert sich das Raumangebot vorn wie hinten auf Sitzen, deren Kontur und Polsterung von den einst gern genommenen Korea-Schaumstoffmöbeln so weit entfernt scheint wie Seoul von Rüsselsheim. Im Gegensatz zum Cerato bietet der Cee’d auch Freiraum fürs Gepäck.

Beim Fahrverhalten rückt der Kia den Europäern nun ebenfalls dichter auf die Pelle. Sein neu entwickeltes Fahrwerk mit Multilen- ker-Hinterachse hält intensive Zwiesprache mit dem Fahrer. Speziell mit den 17-Zoll-Rädern, Bestandteil des 1500 Euro teuren Sportpakets. Sie optimieren das Handling, lassen den Cee’d dafür aber hölzern abrollen. Hier zeigen sich die 16-Zöller verbindlicher. Grundsätzlich erweisen sich die Fahreigenschaften als weitgehend neutral, mit einer Tendenz zum Untersteuern.

Und wer sich von der direkten, jedoch nicht hundertprozentig linear arbeitenden elektromechanischen Lenkung in Kurven zu sehr animieren lässt, wird vom elektronischen Stabilitätsprogramm wirksam in die Schranken gewiesen. Es ist bei sämtlichen Cee’d-Versionen ebenso Serie wie sechs Airbags, aktive Kopfstützen und eine Stereoanlage. Weitere Details wie Klimaautomatik, USB-Anschluss und Einparkhilfe sind erst bei den höherwertigen Varianten Serie oder Option.

Unter der Haube stehen zum Start drei Benziner und ein Diesel bereit. Der 1,6 Liter große Vierventiler kommt zunächst mit einem Nachrüst-Partikelfilter, ab Mai ist ein geschlossenes System verfügbar. Der CRDi verteilt seine Kraft nach einer kleinen Anfahrschwäche so paritätisch wie möglich über das Drehzahlband und verkneift sich harte Vibrationen ebenso wie wilde Drehmomentbrandungen.

Verhaltener legt der 1,4 Liter große Basisbenziner los, er gefällt jedoch mit spontanem Ansprechen und einem wie beim Diesel leichtgängigen Fünfganggetriebe. Insgesamt also günstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ernte auf dem Golf-Klasse-Feld. Zumal der Preisunterschied von rund 2000 Euro zum Klassenprimus sowie fünf Jahre Garantie auf das Auto plus zwei weitere für den Antriebsstrang die Saat weiter sprießen lassen dürften.

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Technische Daten
Kia Cee’d 1.4 CVVT LX Basis
Grundpreis 14.430 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4235 x 1790 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 340 bis 1300 l
Hubraum / Motor 1396 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 187 km/h
Verbrauch 6,1 l/100 km
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