Kia Cee'd Sportswagon, Toyota Auris Touring Sports

Kompakte im Voll-Format

Kia Cee´d, Toyota Auris Foto: Dino Eisele 19 Bilder

Toyota reagiert auf die Bedürfnisse in der Kompaktklasse und stellt dem Auris mit dem Touring Sports eine Kombiversion zur Seite. Kann er sich gegen den Kia Cee’d Sportswagon durchsetzen? Test der knapp 130 PS starken Dieselvarianten.

Wie gefragt eine Kombiversion bei Deutschlands Käufern in der Kompaktklasse ist, zeigen die Neuzulassungen von Toyota Auris und Kia Cee’d im ersten Halbjahr. Während der Toyota Auris 8.792 Abnehmer fand, kam der Kia Cee’d auf 9.837 Zulassungen, wovon jedoch fast die Hälfte auf den Sportswagon genannten Kombi entfallen. Den Toyota Auris gab es hingegen bislang nur als Limousine.


Toyota Auris Touring Sports mit 530 Litern Stauvolumen

Doch seit kurzem bietet ihn Toyota auch als Touring Sports an. Bei einem gegenüber der Limousine unveränderten Radstand fällt der hintere Überhang des Toyota Auris Touring Sports um 28,5 Zentimeter länger aus. Das schafft Platz für ein klassengerechtes Stauvolumen von 530 Litern unter dem Sichtschutz-Rollo, das zum einfacheren Beladen sowohl in Richtung Rückbank als auch nach oben geschoben werden kann.

Zudem lassen sich die Rücksitzlehnen des Toyota Auris Touring Sports wahlweise vom Gepäckraum aus entriegeln und flachlegen. Für eine durchgehend ebene Fläche von der niedrigen Ladekante bis hinter die Vordersitze muss der höhenverstellbare Gepäckraumboden – bei der gefahrenen, ab Ausstattungslinie Life lieferbaren Dieselversion (ab 24.550 Euro) serienmäßig – in der oberen Position liegen. Ein Trennnetz gehört ebenfalls zur Basisausstattung des Toyota Auris Touring Sports, so dass das maximale Stauvolumen von 1.658 Litern bis unters Dach bedenkenlos ausgenutzt werden kann. Nur die Zuladung fällt mit 470 Kilogramm nicht sehr üppig aus.

Der Kia Cee’d Sportswagon darf mit 534 Kilo spürbar mehr einpacken, wobei sich das Ladevolumen des geringfügig kürzeren Kia mit 528 bis 1.642 Liter kaum unterscheidet. Spezielle Kombi-Extras wie Trennnetz oder ein System zur Unterteilung sind ab der Ausstattungslinie Vision (22.190 Euro) an Bord, das gefahrene Modell war ein Sondermodell auf Basis des Edition 7 (20.890 Euro). Unter dem Ladeboden nehmen unterschiedlich dimensionierte Fächer Kleinkram auf. Beim Vorklappen der Rücksitzlehne des Kia Cee’d Sportswagon steigt die Ladefläche nach vorn leicht an. Damit sie komplett eben ist, müssen vorher auch die Sitzflächen vorgeklappt werden, wobei dazu die hinteren Kopfstützen nicht entfernt werden müssen.

Kia legt mehr Wert auf Materialien und Verarbeitung

Dabei fällt auf, dass Kia mehr Wert auf Materialien und Verarbeitung legt – nicht nur im Gepäckraum. Auch im mit großen Ablagen bestückten Innenraum tragen Oberflächen häufiger weicheren Kunststoff als im Toyota Auris Touring Sports. Beim Toyota beschränken sich die hochwertigeren Materialien vorwiegend auf die Bereiche, die man ständig anfasst.

Unterschiede zeigen sich auch beim Raumgefühl. Im Toyota Auris Touring Sports mit seiner hohen Fensterlinie türmt sich das Cockpit wie eine Schrankwand vor dem Fahrer auf, während Instrumente und Bedienung wie im Kia Cee’d Sportswagon kaum Anlass für Kritik liefern. Vorn nehmen die Passagiere auf straff-bequemen Sitzen Platz. Im Fond entsteht durch die etwas flach geneigte Lehne eine unbequeme Sitzhaltung.

In der zweiten Reihe des Kia Cee’d sitzen die Insassen aufrechter und genießen geringfügig mehr Bewegungsfreiheit. Auf den vorderen, etwas schwach konturierten Sitzen geht es hinter der flachen Frontscheibe ebenfalls luftiger zu.

Kaum dieseltypisches Nageln

Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, erwacht unter der Haube ein 1,6-Liter weitgehend ohne dieseltypisches Nageln. Kultivierte Umgangsformen zählen zu den Stärken des 128 PS leistenden Vierzylinders, der ab 1.900 U/min ein maximales Drehmoment von 260 Nm liefert – genug, um eher selten zum exakt geführten Schalthebel des passend abgestuften Sechsganggetriebes greifen zu müssen.

Mehr als zügiges Gleiten liegt dem Cee’d dagegen nicht – selbst auf Landstraßen. Die in ihrer Servounterstützung einstellbare Lenkung liefert nur wenig Rückmeldung, und die Dämpferabstimmung hat auf geflicktem Asphalt Mühe, die deutlichen Vertikalbewegungen der Karosserie zu beruhigen. Immerhin verkneift sich der Kia Cee’d Sportswagon Knarz- und Poltergeräusche, doch mehr als einen durchschnittlichen Federungs- und Abrollkomfort hat er nicht zu bieten.

Beides gilt im Großen und Ganzen auch für den Toyota Auris Touring Sports, doch da sich Fahrwerk und Lenkung bei ihm einen Tick straffer anfühlen, verursachen Stöße weniger Unruhe, und flottes Kurvenfahren bereitet mehr Vergnügen als mit dem Kia Cee’d Sportswagon. Weil zudem die Bremsen des Auris etwas kräftiger zupacken und er den Sprint auf Tempo 100 eine knappe Sekunde zügiger absolviert, sind Dynamiker mit ihm besser bedient.

Toyota mit mehr Drehmoment bei niedrigerer Drehzahl

Mit 124 PS ist der Toyota-Turbodiesel  schöpft seine Kraft aus zwei Liter Hubraum und stellt deutlich mehr Drehmoment (310 Nm) bei niedrigerer Drehzahl (1.600 U/min) bereit. Allerdings begleitet er jedes Anlassen (Start-Stopp ist Serie) mit hörbarem Nageln. Dass er den Kia Cee’d Sportswagon bei der Elastizität nicht distanzieren kann, liegt an der längeren Übersetzung in den oberen Gängen. In Stufe sechs dreht sich die Kurbelwelle bei Tempo 100 nur 1.600 Mal pro Minute. Das niedrige Drehzahlniveau wirkt sich positiv auf den Verbrauch aus.

Im Fahrbericht begnügt sich der Toyota Auris Touring Sports mit 6,4 L/100 km, der Kia Cee’d Sportswagon benötigt im Schnitt 6,6 Liter. Abgesehen vom etwas höheren Spritkonsum hat der Kia bei den Kosten jedoch durchweg die besseren Karten. Die günstigeren Fixkosten resultieren aus der geringeren Kfz-Steuer und der niedrigeren Typklasseneinstufung bei Haftpflicht und Teilkasko.

Für den Kia Cee’d Sportswagon ist zwar ebenfalls mindestens ein Mal im Jahr ein Wartungsbesuch in der Werkstatt vorgeschrieben, doch die Kilometergrenze liegt mit 30.000 km doppelt so hoch wie beim Auris. Und über drei Jahre Fahrzeuggarantie können Cee’d-Kunden nur lächeln – Kia ermöglicht sieben Jahre sorgenfreies Fahren. Bleibt der Preis. Selbst ohne den Sondermodell-Bonus unterbietet der Cee’d den Auris um mehr als 2.000 Euro – ohne schlechter ausgestattet zu sein. Doch ohne die Trümpfe im Kostenkapitel läge der Kia in der Gesamtwertung auch nicht vor dem Toyota.

Fazit

Der neue Toyota Auris Touring Sports und der Kia Cee’d Sportswagon sind gleichwertige Gegner. Der Toyota punktet mit kräftigerem Diesel und dynamischeren Fahrwerk, der komfortorientierte Kia mit hochwertigem Ambiente. Die Eigenschaftswertung endet unentschieden, über die Kosten geht der günstigere Kia Cee’d Sportswagon als Sieger hervor.

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Technische Daten
Toyota Auris Touring Sports 2.0 D-4D Life Kia Cee’d Sportwagon 1.6 CRDi 128 Edition 7
Grundpreis 24.750 € 21.290 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4560 x 1760 x 1475 mm 4505 x 1780 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 530 bis 1658 l 528 bis 1642 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1582 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 91 kW / 124 PS bei 3600 U/min 94 kW / 128 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h 193 km/h
Verbrauch 4,4 l/100 km 4,2 l/100 km
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