KTM X-Bow

Ultimative Kart-Show

Foto: Achim Hartmann 24 Bilder

Aus dem österreichischen Graz fällt ein Guerillero über das deutsche Kurvendickicht her: Der KTM X-Bow, ein zweisitziges Kart mit Straßenzulassung, ist verdammt nahe am Fahrverhalten eines Formel-Rennwagens.

Kokelnde Kurven? So wie uns der KTM X-Bow eingeheizt hat, müsste er ein Asphalt-Inferno hinterlassen haben. Doch der Blick zurück durch die Spiegel zeigt nur grau melierte Reifenspuren. Heiß gefahren bedeutet hier das körperliche Erleben von leuchtenden Wangen, dampfenden Achseln und glühenden Waden. Das reale Tempo dürfte dagegen kaum über dem eines scharf bewegten Porsche Carrera S gelegen haben. Um das Potenzial des X-Bow (X steht für Cross) auszureizen, muss man üben. Beharrlich.

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Sieht wie ein Spielzeug aus, ist aber ein Rennwagen

Vollkontakt-Kampf mit den Elementen. Ohne Ohrenstöpsel droht der Hörsturz, ab 200 km/h will der Wind den Kopf abreißen, ohne Vollvisierhelm zerschießen Fliegen die Horn- und Gesichtshaut. Kein Dach gibt es, keine Frontscheibe, nicht einmal ein Windschild. Das sieht nach Spielzeug aus, ist aber ähnlich ernst zu nehmen wie ein Rennwagen.

Interessenten am 3,7 Meter kurzen Zweisitzer müssen mindestens 24 Jahre alt, wasserdicht, sturmerprobt und bereit sein, die querdynamische Fahrschule zu besuchen. Denn ohne Lehrgang liefert KTM den Kurven-Guerillero nicht aus; er ist im Preis ab 54.562 Euro inbegriffen. Dafür gibt es ein zweisitziges Renn-Kart mit Straßenzulassung. Den Frontspoiler zur Schürze aufgeplustert, die Räder kaum bedeckt, hinten und vorn verschämte Lichter sowie zur Lärmdämmung ein voluminöser Auspuff. Das nutzwertige Feigenblatt liefert KTM gleich mit – den Beifahrersitz.

Zukunftssicherung für den Motorradhersteller KTM

Zu allererst ist der X-Bow eine Zukunftssicherung für den Motorradhersteller KTM – der Businessplan für die Zeit nach dem hauseigenen Biker-Boom. Aus einem Brainstorming entsprang 2005 die erste Idee für ein hirnstürmendes Fahrzeug mit vier Rädern und Zweirad-Charakter, umgesetzt mit Hilfe des Rennwagen-Entwicklers Dallara. Zielgruppe: Schräglagen-Veteranen, Lizenzfahrer, die ein nahezu einsatzfertiges Auto suchen (ab Herbst), und Sportwagen-Puristen.

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Der X-Bow dürfte den Wunsch nach der reinen Leere befriedigen - alles fokussiert sich rund ums Monocoque aus Kohlefaser. Daran angeschraubt die vorderen doppelten Dreiecksquerlenker, dahinter ein Hilfsrahmen für Motor samt hinterer Radaufhängung. Und kein Gramm Alltagskomfort. Keine Klimaanlage, kein Radio, kein Kofferraum. Nicht einmal eine Sitzverstellung; die Recaros sind fest installiert. Stattdessen lassen sich Pedale und Lenkrad justieren.

Sämtliche Fahrhilfen des 21. Jahrhunderts fehlen

Weiter auf der Verzichtsliste stehen ESP, ABS, Servolenkung, ja sogar der Bremskraftverstärker, kurz: Sämtliche Fahrhilfen des 21. Jahrhunderts fehlen. Sicherheitsausstattung? Gibt es in Form von Kohlefaser-Monocoque, Crashbox und Vierpunktgurten. Als manuelle Wegfahrsperre und Einstiegshilfe zugleich dient das abnehmbare Lenkrad.

Einziger Vertrauter in dieser Welt des maximierten Minimalismus ist der Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer. Er stammt von Audi und steckt sonst unter den Fronthauben von TTS sowie S3. Im X-Bow grummelt der Vierzylinder quer vor der Hinterachse und leistet 240 PS; eine Tuningstufe ist in Vorbereitung.

Doch schon bei 310 Nm haben 846 Kilogramm wenig Chance zur Lethargie. Unheilvolles Wastegate-Zischen kündet eine Drehmomentwelle an, die kurz darauf die Massenträgheit wegschwemmt. Die Leistungsgischt spritzt, und nur die Kotflügel verhindern umherfliegende Partikel rund um die angetriebenen Hinterräder. In den unteren der sechs Gänge kassiert der Fahrer bei Vollgas einen tierischen Turbo-Tritt, lässt der KTM Überholte wie schockgefrostet stehen, bevor sie die Abwärme seines Zweiliters wieder auftaut. In Zahlen ausgedrückt: null bis 100 km/h in 4,7 Sekunden, was sich ergreifend anfühlt und trotzdem enttäuscht. Das Werk verspricht sensationelle 3,9 Sekunden.

Auf der Autobahn reicht der Dampf, um die Feinstaubrußer außer Geruchweite zu bringen, nicht aber die mehrzylindrigen Sportwagen-Rivalen; die Luft bremst den zerklüfteten KTM bei hohem Tempo, ebenso die 200 Kilogramm Abtrieb bei 200 km/h. Nach tapferem Anlauf zeigt das Digital-Display geschönte 240 km/h an, und die Straße zerfließt in vibrierende Unschärfe - wie Warp zwei im Raumschiff Enterprise. Anders als der Kopf bleibt die Karosserie ruhig; die in Zug- und Druckstufe verstellbaren Stoßdämpfer arbeiten exzellent. Das vordere Paar liegt quer zur Fahrtrichtung, fast vollständig im Freien - Technik-Exhibitionismus. Der Tanz der Umlenkhebel auf Bodenwellen wirkt hormonbefeuernd wie ein Strip.

Traum jedes Landstraßen-Eiferers

Das Fahrwerk des X-Bow ist erstaunlich nachgiebig abgestimmt, ohne ein Detail der Straßenoberfläche zu verschweigen. Rückmeldung und Federungskomfort - der Traum jedes Landstraßen-Eiferers. Man bremst so spät, wie es die Wadenkraft zulässt, bis die Reifen leicht quieken, aber nicht stehen bleiben; spätestens am Kurveneingang sollte der Druck nachlassen. Im Scheitelpunkt steckt die Lenkung dem Spätbremser die wichtigsten Grip-Infos, und ihm wird klar, was Rennfahrer leisten: Die Fliehkraft nimmt ihn in die Mangel, während der X-Bow unbeeindruckt bleibt - so lange der Gasfuß nicht ängstlich zuckt. Denn dann besinnt sich das Heck seiner Übersteuer-Neigung und rutscht. Nicht schlagartig, aber bestimmt.

Ähnlich wie in einem Lotus Exige S ziehen auch im X-Bow nur erfahrene Drifter eine saubere Linie, während der Übermütige mit dem Mittelmotor-Renner aus der Kurve kreiselt. Reinsetzen, Gas geben, schnell sein? Nicht im X-Bow. Alleine um die Fahrdynamik-Werte eines Porsche Carrera S zu erreichen, will der KTM bereits fein austariert werden. Beim Versuch, in Hockenheim an die Grenze zu gehen, kam die Technik plötzlich an ihre Grenze: Das Sperrdifferenzial gab auf. KTM verweist dabei auf ein Problem der Vorserie, will bereits eine Lösung gefunden haben.

Hoffentlich. Schließlich darf sich der X-Bow nicht nur authentisch nach Formel-Wagen anfühlen, er sollte auch ähnlich belastbar sein. Damit mehr bleibt als der scheibenfreie Blick über Stoßdämpfer und frei schwenkende Räder, das unmittelbare Reagieren auf Anweisungen des Fahrers, die ultimative Wetterfühligkeit. Und die Befriedigung, den Weg ins Querdynamik-Nirvana ohne elektronische Hilfe zu beschreiten.

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Technische Daten
KTM X-Bow 2.0
Grundpreis 54.562 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3738 x 1900 x 1205 mm
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 177 kW / 240 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 7,8 l/100 km
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