Lamborghini Diablo Roadster VT

Der Teufel in Gestalt des Lamborghini Diablo Roadster verführt nicht zur Sünde, sondern zu althergebrachten Sitten. Ein Cabrio braucht nicht allzu viel Luftzug im Cockpit, wenn es 530 PS leistet und 335 km/h schnell ist.

Die natürliche Botschaft eines Cabriolets ist grün, aber nicht von parteipolitischen Öko-Waschprogrammen verfärbt. Das Grün der Cabrios schimmert wie eine Melodie des Musicals „My Fair Lady“ oder das lorbeerumkränzte British Racing Green durch die Karossen.

Schließlich hatte Carl Benz das erste Automobil nur deswegen mit einer äußerst luftigen Karosserie erfunden, um reisende Menschen von engen, miefigen Zwängen der Eisenbahn- und Kutschen-Abteile zu erlösen. Alle Cabrios sind der Natur eng verbunden. Alle Cabrios? Mitnichten. Ein einziger Roadster wehrt sich hartnäckig dagegen, wegen seines zu öffnenden Daches als Schönwetter-Fahrzeug abgestempelt zu werden.

Dies gelingt dem Lamborghini nur, weil er erstens ein Diablo und damit der letzte majestätische Bulle der Branche ist und zweitens kein wirklicher Roadster. Ab dem Modelljahrgang 1999 leistet der 5,7 Liter- V12 nun 530 PS, seine Mittelmotor- Position mit einer Unnachgiebigkeit verteidigend, die dem Wappentier der Sturheit, des Esels, würdig wäre. Und die Typenbezeichnung Roadster verherrlicht die puristische Idee eines klapprigen Klappverdecks bloß in der Theorie.

In der Realität erweist sich der hochtrabende britische Modellname als gekaufter Adelstitel, hinter dem sich ein in Wagenfarbe lackiertes festes Dach verbirgt, eine Art Kunststoff- Toupet. Dementsprechend wird das Verdeck nicht aufgeklappt, sondern das Dach abgehoben und hinten auf der Motorhaube fixiert. Der praktische Nutzen, dem mit 335 km/h Höchstgeschwindigkeit schnellsten Seriensportwagen der Welt quasi den Skalp abzuziehen, offenbart sich bereits im Stand. Bei offenem Dach wird aus gequälter Einund Aussteigen-Gymnastik eine lässige Bewegung.

Auch sonst stört der offene Spalt zwischen Windschutzscheibe und der zum Überrollbügel verstärkten B-Säule niemand, nicht einmal die anerkannten Spaltmaß- Fetischisten des neuen Lamborghini-Besitzers Audi. Der Diablo Roadster ist auch dann wetterunabhängig, wenn die Motorhaube das Dach wie einen Rückenpanzer trägt. Er schafft sein eigenes Klima, indem er sich von Sonne, Regen, Wind einfach abkoppelt. Die Sonne erscheint als goldener Himmelsanhänger, dessen Strahlen Lambo-Piloten mit ihren Macho-Brillen abdunkeln.

Der Wind ist ein Pfeifen an den Kanten von Windschutzscheibe und B-Säule, das mit der Musik aus der Anlage konkurriert. Der Luftzug zischt als ICE über die Köpfe. Regen und dunklen Wolken fährt der Lamborghini Diablo Roadster, der laut Werk von null auf 100 km/h in vier Sekunden beschleunigt und den stehenden Kilometer in 20,5 Sekunden absolviert, einfach davon.

Sonnenbrille, Kappe und Jacke genügen, sich gegen jeden äußeren Einfluß auch dann zu wappnen, wenn das Dach nicht über den Köpfen, sondern auf der Motorhaube sitzt. Das spezifische Klima entsteht nicht durch Knopfdruck. Auf Knopfdruck strömt lediglich frische oder warme Luft aus den Öffnungen der Klimaanlage, auf Knopfdruck spielt die Musik. Werden moderne Automobile immer mehr zu hochtechnisierten Fortbewegungssystemen, bleibt der Lamborghini eine Maschine mit durchaus menschlichen, nämlich unvollkommenen Zügen. Das rechteckige Cabrio-Loch ist weniger ein Zugang zur Atmosphäre, sondern vielmehr eine indirekte, trotzdem gut funktionierende Verbindung zum Maschinenraum. Dadurch weht ausschließlich Diabolisches nach innen: Lärm und Hitze, vom Verbrennungsmotor stetig erzeugt, um die Passagiere ebenso auf Trab zu halten wie die vier angetriebenen Räder. Mittelmotor-Supersportwagen waren in den sechziger Jahren ungläubig bestaunte Science Fiction, in den siebziger Jahren real gewordene Zukunft, in den achtziger Jahren die Autos für die Wochen voller Sonntage. Kaum wird der Zukunftscode Jahr 2000 Wirklichkeit, ist der letzte in einer Kleinserie von rund 250 Stück pro Jahr hergestellte Mittelmotor-Supersportwagen, eben der Diablo, ein Anachronismus.

Das erste Taschengeld von Audi wurde konsequenterweise dazu verwendet, den Rohdiamanten so zu schleifen, daß er noch mehr funkelt.

Eine verbesserte Bremsanlage, neue Elektronik-Komponenten, höherwertige Zulieferteile, übersichtlichere Instrumente lassen den Diablo nach der ersten sinnvollen Modellpflege seit dem Debüt 1990 hell strahlen wie die neuen Frontscheinwerfer unter einer Plexiglas-Abdeckung anstatt der bisherigen Klappen. Nichts davon verwässert ihn und seine Philosophie, Vortrieb und Geschwindigkeit nicht durch aeroydnamisches Säuseln, luftgefedertes Gleiten, High Tech-gedämpftes Schnurren zu verniedlichen. Der Diablo ist sein eigener Sturm, sein eigenes Donnergrollen und Gewitter. Er brüllt und stampft, wenn er mit einem Kampfgewicht von 1625 Kilogramm gegen Luftwiderstand, Massenträgheit und Rollwiderstand anfährt wie ein wilder Stier, immerhin mit einem beruhigend wirkenden Allradantrieb. Und er protestiert zornig vibrierend, werden ihm Zügel in Form einer Geschwindigkeitsbeschränkung oder dichten Verkehrs auferlegt.

Der Genuß des Offenfahrens, diese oft lyrische Fortbewegung entlang intensiver Empfindungen, wird im Diablo Roadster durch den Genuß des Lamborghini-Fahrens entzaubert. Der Fahrtwind kann nicht an gegen die Luft für das Gemisch und die Luft zur Kühlung von Wasser, Öl und Bremsen, die in und durch und aus dem Lambo rauscht. Geräusche von draußen gehen unter in der Klangwolke des Motors. Ist also alles beim Teufel, was Cabriolets emporhebt in Licht und Frische? Nicht ganz. Denn der Diablo Roadster läßt sich nicht nur oben öffnen, sondern auch seitlich.

Seine Flügeltüren beeindrucken durch adlerhafte Dimensionen, und in diesen Schwingen stecken veritable Seitenscheiben. Werden die ganz versenkt, dann zieht es auch im Lamborghini, zwar nicht von hinten, sondern von rechts nach links und hauptsächlich auf die Hände am Lenkrad.

Wer noch mehr und genauso durchatmen will wie der Motor, muß nur Gas geben bis 7000/min.

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Technische Daten
Lamborghini Diablo VT Roadster
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4460 x 2040 x 1110 mm
KofferraumvolumenVDA 140 l
Hubraum / Motor 5707 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 362 kW / 492 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 325 km/h
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