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Lancia Delta

Prima Donna

Als Grenzgänger zwischen Kompakt- und Mittelklasse sucht der Lancia Delta seinen eigenen Stil und eine bessere Zukunft für die Traditionsmarke.

Warum ausgerechnet Delta? Der Name des neuen Lancia stiftet eher Verwirrung als Klarheit. Denn mit dem kantig-knackigen Kompaktwagen und Rallye-Weltmeister der achtziger Jahre hat er offenbar wenig im Sinn. Nach hauseigener Logik tritt der extravagant gestylte Viertürer nämlich die Nachfolge der größeren Stufenheck-Modelle Prisma, Dedra und Lybra an, aber mit dem ruhmreichen Namen seines kleinen Bruders. Und mit einem Crossover-Konzept, in dem „der Biss eines Sportwagens, der Komfort einer Limousine und die Variabilität eines Kombis“ zusammenfinden sollen. Alles klar?

Der Delta hält sich nicht an gängige Normen

Fest steht zumindest, dass die darbende Edelmarke von Fiat ein klares Profil und einen echten Hingucker braucht, um wieder wahr- und ernstgenommen zu werden. Dazu passt, dass die Designer des hauseigenen Centro Stile eher einen Charakterdarsteller als einen Schönling geschaffen haben: Vor allem das pummelige Heck und die lange Nase – ein Tribut an den Fußgängerschutz – dürften eher polarisieren als begeistern. „Doch wenn es keine Unterschiede gibt, gibt es nur Gleichgültigkeit“, lautet das Lancia-Credo.

Auch sonst hält sich der Delta nicht an gängige Normen. Obwohl er auf dem Fiat Bravo basiert, hat er zehn Zentimeter mehr Radstand und gehört mit 4,52 Meter Länge bereits zur Mittelklasse. In Verbindung mit der großen Außenbreite und Höhe entsteht ein üppiges Raumangebot, das nur für die Köpfe der Hinterbänkler etwas knapp bemessen ist. Dafür können sie Lehnenneigung und Position der asymmetrisch geteilten Rücksitze individuell verstellen und die Beinfreiheit auf das Niveau gehobener Limousinen bringen.

Selbst in der hintersten Stellung bleiben noch 380 Liter Kofferraum, nach Umklappen der Bank wächst das Volumen auf beachtliche 1.400 Liter. Die kleine Heckklappe und die hohe Ladekante zeigen allerdings neben der schlechten Übersicht nach hinten, dass die Funktionalität eher der Form folgt statt umgekehrt. Ansonsten findet man sich im Delta schnell zurecht; Bedienung und Sitzposition können ebenso überzeugen wie die Materialauswahl und die gute Serienausstattung.

Basismodell ab 19.990 Euro

Klimaanlage, sieben Airbags, CD-Radio mit MP3-Player sowie LED-Tagfahrlicht sind schon im knapp kalkulierten Basismodell 1.4 T-Jet Argento (120 PS) für 19.990 Euro an Bord. Gegen Aufpreis gibt es die Versionen Oro und Platino sowie feine Extras wie Panorama-Schiebedach, Zweifarblackierung oder Leder von Poltrona Frau. Besonders stolz ist man bei Lancia aber auf moderne Technik-Optionen von der halbautomatischen Einparkhilfe über den aktiven Spurhalte-Assistenten bis hin zu adaptiven Dämpfern.

Im Sport-Modus reduzieren sie zwar unliebsames Nachschwingen und verbessern so die Fahrsicherheit, machen die Federung aber spürbar härter. Dabei gefiel der Delta bei ersten Testfahrten rund um Turin gerade mit seinem guten Fahr- und Geräuschkomfort sowie dem agilen Handling – trotz leichter Antriebseinflüsse in der Lenkung und Traktionsproblemen bei den starken Motoren. Zusätzliche Sicherheit bietet ein erweitertes ESP namens „Absolute Handling System“, das beim Anfahren am Berg hilft und wie ein elektronisches Sperrdifferenzial wirkt.

Zumindest der neue Diesel mit Biturbo-Aufladung kann diese Unterstützung gut brauchen, denn der bärenstarke 1,9-Liter-Vierventiler lässt stramme 190 PS und 400 Nm Drehmoment auf die Vorderräder los. Die beiden Lader sind harmonisch abgestimmt und sorgen bereits im Drehzahlkeller für mächtigen, gleichförmigen Druck. Dabei soll der Vierzylinder im Schnitt nur 5,7 L/100 km konsumieren und die kommende Euro 5-Abgasnorm erfüllen.

Die ersten 50 Autos mit kostenlosem Rückgaberecht

Außerdem will Lancia mit flankierenden Maßnahmen dem Delta zu einem guten Start Mitte September verhelfen. Das Service-Intervall steigt auf 35.000 Kilometer, die Basisgarantie von zwei auf fünf Jahre (nur bei Finanzierung), und Frühbucher im Internet können die ersten 50 Autos drei Monate lang mit kostenlosem Rückgaberecht fahren. Doch wer will sich schon von einem Auto trennen, in dem auch Richard Gere durch Werbespots fährt.

Technische Daten

Lancia Delta 1.4 T-Jet 16v Oro
Grundpreis 22.250 €
Außenmaße 4520 x 1797 x 1497 mm
Kofferraumvolumen 380 bis 1190 l
Hubraum / Motor 1368 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 88 kW / 120 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
Verbrauch 6,3 l/100 km
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