Lancia Y

Kleinwagen und Komfort passen nicht immer zusammen? Der neue Lancia Ypsilon soll diese These nun endgültig widerlegen. Ein erster Fahrbericht.

Es klingt nach der Ausstattungsliste der aufstrebenden automobilen Mittelklasse. Doch die Rede ist hier von einem Kleinwagen: Zwei-Zonen-Klimaanlage, ESP, Bremsassistent, Einparkhilfe, Tempomat, Fahrersitz mit Höhenverstellung und mit justierbarer Lordosenstütze, Bordcomputer, automatisch einschaltendes Licht, seitliche Kopfairbags, zweifarbige Ledersitze und eine dazu passend eingefärbte Armaturentafel.

Lancia bietet ab Oktober all diese Features im neuen Ypsilon an, wenn auch nicht alle serienmäßig. Trotzdem: Die Edelmarke im Fiat-Konzern möchte für kleine, aber feine Autos die erste Adresse sein.

Kunden? Keine harten Hip-Hop-Musiker

Für die Klasse eher ungewöhnlich, schmückt sich die dritte Ypsilon-Generation üppig mit Chrom, und das Design erinnert besonders von vorn an den großen Bruder Thesis, ohne jedoch ähnlich staatstragend zu wirken. Im Gegenteil, der Kühlergrill macht den Kleinen stupsnäsig, und die Scheinwerfer komplettieren das freundliche Gesicht zu einem fast idealen Kindchen-Schema. Es werden dann wohl auch nicht harte Hip-Hop-Musiker sein, die das Auto kaufen, sondern die stilorientierten Damen mit Hang zur Kennerschaft verratenden Prada-Tasche.

Sie bekommen zunächst einmal einen erstaunlich variablen Zweitürer. Wer vier Türen möchte, muss sich noch bis Oktober 2004 gedulden. Über zu wenig Platz für Passagiere und Gepäck wird sich niemand beklagen – seit dem ersten Fiat 500 scheinen italienische Kleinwagen innen größer zu sein als außen. Kopffreiheit ist üppig vorhanden, lange Beine finden Platz, und die Vordersitze haben einen weiten Verstellbereich. Selbst im Fond stoßen Sitzriesen mit dem Scheitel nicht ans Dach. Dazu passen die bequemen Sitzplätze mit gut geformten Polstern.

Zur ersten Ausfahrt stand die Motorvariante 1.3 Multijet parat – und damit hochaktuelle Diesel-Common-Rail-Technik mit Mehrfach-Einspritzung. Wer es nicht weiß, wird es kaum erraten, denn die Geräuschdämmung ist gelungen, der Motor brummt wie aus weiter Ferne, auch die Windgeräusche sind kein Thema. Dass der 70-PS-Vierzylinder ein Diesel ist, verrät die leichte Anfahrschwäche.

Preise auf dem Niveau des Vorgängers

Zum laufruhigen Motor passt das Fahrwerk. Seine kommode Abstimmung stünde manch größerem Auto gut zu Gesicht. Die Aufbaubewegungen in Kurven halten sich dennoch in Grenzen. Weniger gefällt die elektrische Servolenkung. Sie stammt wie das Gros der Technik aus dem Fiat Punto und wurde für ihren Einsatz im Ypsilon überarbeitet. Dennoch wirkt sie bei niedrigen Geschwindigkeiten um die Mittellage steif und vermittelt wenig Kontakt zur Straße. Bei höheren Geschwindigkeiten nimmt dieser Effekt ab, zum Einparken verschwindet er mit dem Einschalten des besonders leichtgängigen CityModus nahezu ganz.

Zum Dieselmotor gesellen sich bei der Markteinführung drei Benzinmotoren, die möglicherweise noch durch ein 1,8-Liter-Aggregat mit 96 PS ergänzt werden. Preise stehen derzeit zwar noch nicht fest, sie sollen sich jedoch auf dem Niveau des Vorgängers (ab zirka 12.000 Euro) bewegen, von dem im Durchschnitt 5.400 Einheiten pro Jahr verkauft wurden.

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