Land Rover 90 V8 (1987), Range Rover I LSEi 4.2 (1994)

Britische V8-Geländewagen im Vergleich

Land-Rover-90-V8-und-Range-Rover-I-V8-im-Fahrbericht Foto: Arturo Rivas 30 Bilder

Vier angetriebene Räder sind sinnvoll, wenn der Winter anklopft, ein V8 gefällt obendrein. Also: Defender oder Range Rover? Eine Ausfahrt im Land Rover 90 und Range Rover soll Klarheit bringen.

Sie verlangen nach einem Bekenntnis. Nach einer klaren Ansage ohne Wenn und Aber. Defender. Punkt. Oder Range Rover. Der eine so rustikal wie ein selbst gezimmertes Baumhaus, der andere so fein wie eine Loge im Theater. Nein, ein Dazwischen gibt es nicht, kann es nicht geben, darf es nicht geben – und das, obwohl beide uns doch dank Allradantrieb, viel Bodenfreiheit, Reduktionsgetriebe und verschränkungsfreudiger Starrachsen ein ähnliches Gefühl vermitteln – nämlich das von absoluter Überlegenheit.

Land-Rover-90-V8-und-Range-Rover-I-V8-im-Fahrbericht Foto: Arturo Rivas
Diese beiden bremst so schnell nichts. Dank Reduktionsgetrieben und Sperren werden beide zu echten Offroad-Helden.

Wir sehnen uns in ihnen förmlich nach einem Erdrutsch, der auf der Fahrt zum täglichen Einkauf den Weg versperrt. Um sich dann darüber zu freuen, dass diese beiden Autos solch ein Hindernis wohl nicht einmal bemerken. Da muss sich schon mehr in den Weg stellen, um einen Defender oder Range Rover zu bremsen.

Land Rover 90: Vorläufer des Defender

Ein Waldweg oberhalb des Donautals wird von diesen beiden Geländewagen dann auch erwartungsgemäß mit größtmöglicher Verachtung gestraft. „Die Transamazonica befindet sich leider nun einmal am anderen Ende der Welt“, schmunzelt Land-Rover-Spezialist Urs Stiegler aus Beuron-Neidingen (www.landypoint.com), dem diese beiden Autos gehören und dem das Fahren erst dann so richtig Spaß bereitet, wenn kein Asphalt mehr in Sicht ist. Immerhin sähe es hier jetzt im Herbst ein bisschen so aus wie in Schottland.

„Genau genommen handelt es sich allerdings um keinen Defender, sondern noch um einen Land Rover 90“, erklärt Stiegler, während er mir den Schlüssel zu dem weißen Ungetüm Jahrgang 1987 reicht, das den Range gleich um über 20 Zentimeter überragt. Als Nachfolger der Serie III habe Land Rover dem Modell ab 1983 eine große Modellpflege verpasst, so der Fachmann. Der geglättete Bug und Schraubenfedern mit Stoßdämpfern anstelle der antiquierten Blattfedern seien dabei nur zwei von vielen Änderungen. „Die Zahl 90 bezieht sich auf den kurzen Radstand in Zoll im Vergleich zur Langversion 110, während der Name Defender erst 1989 eingeführt wurde.“ In seinen Grundwerten handele es sich um das gleiche Auto.

Gewöhnungsbedürftiges Interieur im V8-Landy

Während Urs Stiegler mühelos im feinen Range Platz nimmt und im Dickicht verschwindet, brauche ich etwas länger, um den hohen Land Rover 90 zu erklimmen. Und mich irgendwie mit ihm zu arrangieren. Der Innenraum – ein Hochsitz mit kurzen Lehnen, ein nach links versetztes Riesenlenkrad knapp vor der Brust, eine breit bauende Mittelkonsole und eine Blechtür, welche die linke Körperseite ziemlich plan presst. Die beste Position für den linken Arm wäre, ihn aus dem Fenster hängen zu lassen. Eine passende Sitzhaltung im Angesicht der wasserdichten Instrumente? Wohl eher Glückssache. Was natürlich auch am viel zu kleinen Verstellbereich des kargen Gestühls liegt.

Land-Rover-90-V8-Motor Foto: Arturo Rivas
3,5-Liter und V8 klingen im ersten Moment zwar stark, wirklich viel Power spürt man im Landy jedoch nicht.

Der 3,5-Liter-V8 springt mit etwas Gas sofort an, klingt dabei wie ein metallisch schnaubender Wasserbüffel. Der linke Fuß ringt die Kupplung zu Boden, während der rechte Arm mit dem Einrücken des ersten Gangs eine Weile lang beschäftigt ist. Der ellenlange Schalthebel ginge im Notfall auch als Gehhilfe durch, aber so weit kommt es natürlich nicht. Weil sich der kurze Landy mit einem Ruck in Bewegung setzt – und gleich darauf die zweite Gangstufe einfordert, obwohl beide Hände bereits genug am Lenkrad zu tun haben, damit das Auto überhaupt geradeaus fährt.

Land Rover mit Flummi-Fahrwerk

Die Kombination aus kurzem Radstand und üppig dimensionierten Reifen im Format 255/85-16 benötige etwas Gewöhnung, hatte Urs Stiegler vorab noch erklärt. Dass das Auto bei Bodenwellen schon mal wie ein Flummi hüpft und das unnachgiebige Fahrwerk dann bisweilen heftige Rückenschläge austeilt, nein, das hatte er wohl vergessen zu erwähnen. Kurven jedoch kann er, der kurze Landy. Weil seine Lenkung überaus direkt agiert.

Von bärenstarker V8-Power hingegen ist wenig zu spüren, von den ursprünglich vorhandenen 134 PS verdunsten einige wohl schon in den Tiefen des Antriebsstrangs. Was uns heute jedoch egal ist, weil der Typ 90 als Erster der Baureihe permanent alle vier Räder antreibt. Dazu ein zusätzliches Verteilergetriebe und ein sperrbares Zentraldifferenzial, ja, genau so gehört es sich für einen Geländewagen, der es – wie in diesem Fall – seinem Fahrer nie wirklich leicht macht, und dennoch mit großer Leichtigkeit bis in jeden Winkel dieser Welt marschiert. Garantiert.

Range-Rover-I-V8-im-Interieur Foto: Arturo Rivas
Feines Leder und Wurzelholz im Range Rover Interieur sorgen für ein luxuriöses Ambiente.

Luxusambiente im Range Rover

Kurze Pause, Autotausch – und eine neue Rolle für den Fahrer: Lord statt Abenteurer. Der elitäre Charakter des Range Rover, in diesem Fall ein später Serie I (Baujahr 1994), vernebelt sofort die Sinne. Hier steht die Krönung im damaligen Land-Rover-Programm, als komplett ausgestatteter LSEi mit noch mehr Luxus (Luftfederung), noch mehr Länge (plus 23 Zentimeter) und noch mehr Hubraum für den alten V8 (4,2 anstelle von bisher 3,9 Liter). Sobald sich die tresorartige Tür geschlossen hat, spielen die Widrigkeiten der Welt dort draußen in dieser mit Holz und Leder ausgeschlagenen und klimatisierten Lounge keine Rolle mehr.

Gleich mehrere Stellmotoren bewegen den bequemen Sitz in die optimale Position, während der rechte Arm lässig auf einer höhenverstellbaren Lehne kauert. Zwischendurch bleibt Zeit, sich an die neue Fahrposition zu gewöhnen. Die niedrige Gürtellinie, die schmalen A-, B- und C-Säulen und die riesigen Fensterflächen gestatten einen herrschaftlichen Rundumblick, lassen ein Gefühl von Enge gar nicht erst aufkommen.

Müheloses Gleiten dank Luftfederung

Leise meldet sich der Achtzylinder zur Stelle, so, als wolle er auf keinen Fall dieses sinnliche Luxusambiente stören. Mühelos schiebt er das Auto an, nur bei Kick-down faucht er los, setzt den über zwei Tonnen schweren Luxusliner sogar ziemlich vehement in Bewegung. Am Lenkrad bleibt dabei auch auf dem Waldweg das Gefühl, über eine Autobahn zu gleiten, weil die Luftfederung selbst hinterhältigste Bodenwellen oder Querrinnen niederbügelt. Mangels ernsthafter Hürden müssen heute weder das Reduktionsgetriebe noch die Niveauregulierung aktiviert werden. Sollte mitten im Dschungel oder an einem staubigen Ende der Welt ein Luxushotel stehen – dies wäre das richtige Auto dafür.

Zurück ins Donautal, ein paar Kilometer Landstraße, breit und ausgebaut. Hier demonstriert der Range erst recht jene entspannte Gelassenheit, die ihn zu einem perfekten Reisewagen stempelt. Müheloses Gleiten ist seine Paradedisziplin, sein Federungskomfort war lange Zeit für andere Geländewagen unerreichbar, während der tapfere Land Rover 90 sich in dieser Welt schon immer ein wenig fremd gefühlt hat. Ein Vorwurf? Nein. Genau so soll es sein.

Fazit

Mir fällt die Wahl am Ende doch relativ leicht, da ich in nächster Zeit keinen Trip durch Afrika plane. Obwohl – der Range wäre dazu durchaus in der Lage, aber er passt eben auch besser in meinen Alltag – auch wenn ich dafür auf den Coolness-Faktor des Land Rover 90 V8 verzichten muss. Leider.

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