Mercedes SLS AMG GT Final Edition

Letzte Ausfahrt mit dem Flügeltürer

Mercedes SLS AMG GT Final Edition, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 13 Bilder

Mit dem Mercedes SLS AMG geht ein großer Sauger in den Ruhestand. Wir sagen der Final Edition des Flügeltürers bei einer Ausfahrt Ade.

Ein letztes Mal das Brabbeln hören und sich von den rhythmischen Vibrationen des V8-Saugers die gepeinigte Petrolhead-Seele massieren lassen. Einmal noch dem Downsizing mit 6,2 schwäbischen Maß zuprosten. CO2 hin oder her, mit jedem großen Saugmotor, der geht, verliert die Autowelt ein Stück Charakter und Faszination.

Man kommt ins Philosophieren, wenn AMG uns einen SLS auf den Hof stellt – und sagt: Das ist der letzte Mercedes SLS AMG! Dabei war er doch ursprünglich der Erste: der erste von AMG komplett neu konstruierte Sportwagen. Jetzt ist schon nach vier Jahren Bauzeit Schluss, gekillt von kommenden Abgasnormen und einer, sagen wir, nicht uneingeschränkten Liebe der Mercedes-Oberen zu seinem Design. Der Mercedes SLS AMG ist eben ein bulliger Monolith, kein optischer Feingeist, sondern ein Testosteron-Brecher, wie ihn sonst nur die Amis in ihren besten Tagen gebaut hätten.

Die letzten 350 Mercedes SLS AMG

Der Neue steht ja schon in den Startlöchern: günstiger, athletischer, laderbeatmet und sparsamer. Sein Name ist GT. Das muss hier reichen, denn heute ist ein anderer GT dran: der Mercedes SLS als Final Edition. Wobei das Finale noch 350 Stück lang läuft – etwas Geld möchte man in Affalterbach auf die letzten SLS-Tage schon noch mitnehmen.

Letzte Ausfahrt Fasanenhof: Von dort geht es über einen zweispurigen Zubringer direkt auf die A 8 nach München. Das dreispurige, bis zum Aichelberg größtenteils freie Autobahnstück ist wie gemacht für den Langschnauzer. Lange, schnelle Kurven und gut einsehbare Geraden, auf denen die 591 PS des Mercedes SLS AMG rotzig brüllend mit dem Asphalt vereinen und aus den Tiefen seines Drehmoments schürfen kann.

Die Stadt bewundert den Mercedes SLS AMG

Das ist unser Ziel, doch zuvor holt er sich noch die verdiente Bewunderung in der Stuttgarter City ab. Im Bankenviertel am Pariser Platz darf sich der mattgraue Bolide noch mal als Star fühlen. Die Anzugträger strahlen und parken dafür sogar kurz ihre Highheelbestückte Freundin an der Laterne. Genervt schüttelt sie den Kopf – wobei, vielleicht war es auch der Spoiler. So ein Vesperbrett am Heck zu tragen, ist immer ein Balanceakt zwischen echtem Kult und großer Peinlichkeit.

Stille beim Publikum, der SLS hat seinen 6,2-Liter angeworfen, die Pflastersteine beben im Takt der Zündfolge und wecken damit wohl das halbe Viertel vom verdienten Feierabendnickerchen. Die pure Verbrenner-Freude bollert da aus den beiden Endrohren, und die Flügeltüren schließen mit einem satten Klack – Vorsicht, Finger weg!

Stramm wie das Zupacken eines Schwarzwälder Waldarbeiters rollt der SLS über die städtischen Gullydeckel und Straßenbahnschienen. Die weichste Dämpferstufe lässt sich in der GT-Version erst gar nicht aktivieren. Die Schnauze schnüffelt gefühlt eine kleine Ewigkeit früher an der Kurve als der Fahrer. Corvette-Piloten kennen das; so amerikanisch – im positiven Sinne –, wie der SLS klingt und cruist, hätte er schon zur Daimler-Chrysler- Ära ins Portfolio gehört. Dann wäre er vermutlich ein paar Jahre länger gelaufen.

Spielen wie ein junger Hund

Schon bei der ersten Autobahnauffahrt wedelt das Heckteil zart, aber glücklich. SLS der Graue will spielen wie ein junger Hund, er ist ja auch erst vier. Wobei der Vierbeiner eher eine deutsche Dogge als ein kleiner Jagdhund ist. Die Wuseligkeit von zackigem Geläuf engt ihn in seiner fahrdynamischen Entfaltung ein. Er mag die Weite der Bahn, wo er, wenn's geht, auf einen Gasstoß hin auch mal sein Heck auf einen eigenen Überholkreis schickt.

Dann brüllt der V8 los, der Pilot grunzt zufrieden, und die Tachonadel spurtet über die Ziffern. Es bleibt kaum noch ein Auto, das dem SLS GT bei seinem Ritt in den Nachthimmel folgen könnte. Und der V8-Sauger bollert zum Abschied leise Servus – oder Ade, wie der Schwabe sagt.

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Technische Daten
Mercedes SLS AMG GT GT FINAL EDITION
Grundpreis 225.505 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4638 x 1939 x 1262 mm
KofferraumvolumenVDA 176 l
Hubraum / Motor 6208 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 435 kW / 591 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Verbrauch 13,2 l/100 km
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