Lexus LS 460

All inclusive

Foto: Reinhard Schmid 22 Bilder

Der Lexus LS 460 ist Toyotas Antwort auf die neue Mercedes S-Klasse. Das auf Komfort getrimmte Oberklasse-Auto steckt voller Technik-Innovationen bis hin zum voll funktionsfähigen Spurhaltesystem.

Aufgeben ist für Japaner undenkbar. Darum halten Toyota und die noble Tochtermarke Lexus nicht nur am Engagement in der Formel 1 fest, sondern auch an der Präsenz in der deutsch dominierten Luxusklasse.

Insgesamt 600 000 zufriedene Lexus- Kunden weltweit können nicht irren, glauben sie: Die Märkte außerhalb der USA müssten doch erkennen, dass der LS eine Alternative zu S-Klasse, Siebener und A8 ist. Würden allein die zahlreichen Innovationen zählen, wäre die neue Limousine auf jeden Fall mehr als eine Überlegung wert. Das Design des Neuen ist frischer geworden und hat gegenüber den Vorgängern an Profil gewonnen. Das erkennen mittlerweile auch die deutschen Konkurrenten an. Natürlich orientiert sich Lexus weiterhin an den konservativen Werten der Oberklasse, interpretiert sie aber auf eigene Art und Weise. Komfort und Gediegenheit dominieren den äußeren Auftritt. Der Radstand des gut fünf Meter langen Autos beträgt 2,97 Meter, Mitte 2007 wird eine Langversion mit zwölf Zentimeter mehr Achsabstand nachgereicht. Das Interieur wirkt weniger mutig.

Es hat nichts von der hemmungslosen Innovationsfreude, wie sie japanische HiFi-Anlagen zur Schau stellen. Kompensiert wird das durch ein Höchstmaß an Behaglichkeit und detailverliebter Hochwertigkeit. Zwölffach justierbare Ledersitze vorn, als Extra vielfach verstell-, heiz- und belüftbare Einzelsitze hinten, Vierzonen-Klimaautomatik, Navigation und High-End-Audio (Mark Levinson mit 19 Lautsprechern und Rear-seat-Entertainment) zeugen vom selbstgesetzten hohen Anspruch. Wer in den LS steigt, muss sich nicht mit den Neuerungen der deutschen Konkurrenten herumplagen: Der Wählhebel sitzt auf der Mittelkonsole und nicht an der Lenksäule, Komfort- und Fahrdynamikfunktionen lassen sich über simple Tastschalter regeln, und das Navigationssystem wird via Touchscreen bedient.

Dass jedoch Fehler in puncto Ergonomie gemacht wurden, hat mit der japanischen Denkweise zu tun: Es geht zuvörderst um die Funktion, nicht um die übergeordnete Idee. Darum findet sich keine wie auch immer geartete Bedienführung: Die Gestalter beließen es bei wirr platzierten Schaltern. Rund 40 davon verteilen sich zwischen Lenkrad, Instrumententräger und Mittelkonsole. Für den LS 460 spricht in jedem Fall seine zukunftsträchtige Technik.

So verfügt der 4,6-Liter-V8 über eine Zweifacheinspritzung (Spotlight). Sie sorgt für eine fülligere Drehmomentkurve, ein wenig Sparpotenzial mag das System auch haben. Aber der vom Hersteller angegebene Mix-Verbrauch von 11,1 L/100 km ist sicher zu niedrig – der von auto motor und sport gefahrene Testwagen kam nie unter 12,5 L/100 km.

Die Höchstleistung von 380 PS liegt erst bei 6400/min an; dennoch wirkt der 493 Nm kräftige Motor elastisch und souverän. Wie bei keinem anderen Oberklasse-Auto wurde Geräuschminimierung betrieben – der bis 7000/min drehende Motor ist nur bei starkem Hochbeschleunigen zu hören.

Sogar Wind-, Abroll- und sonstige Geräusche sind kaum wahrnehmbar. Dank der Achtstufen-Automatik vollziehen sich die Gangwechsel ohne merklichen Schaltruck. Manuelle Eingriffe ins Schaltgeschehen sind über den zierlichen Wählhebel möglich; Paddles oder Tasten am Lenkrad gibt es angesichts der prognostizierten Fahrer-Erwartung nicht. Die Kraft geht zur Hinterachse, binnen 5,7 Sekunden soll der LS aus dem Stand auf Tempo 100 sein. Die Höchstgeschwindigkeit liegt, wie bei der Konkurrenz, bei 250 km/h. Das mit einem hohen Alu-Anteil ausgeführte Multilenker-Fahrwerk mit regelbaren Dämpfern gibt sich unkompliziert, neutral und allenfalls sehr sanft untersteuernd.

Die Luftfederung ist indes zu weich ausgelegt – selbst in der Sport-Stufe. In schnellen Kurven regelt das elektronische Stabilitätssystem (bei Lexus als Gesamtsystem VDIM genannt) sehr restriktiv, es bremst vor allem vorn und bringt das Auto zum Untersteuern. VDIM lässt sich nur bis zu einem Tempo von 55 km/h abschalten – um beispielsweise auf nasser Wiese den Hängerbetrieb zu erleichtern. 18-Zoll-Räder gehören zur Serienausstattung, 19er-Pneus gibt’s optional. Mutig waren die Entwickler bei Lenkung und Bremse: Der LS 460 ist der erste Große mit elektromechanischer Lenkung. Um die hohen Stellkräfte generieren zu können, bekam der Lexus ein elektrisches Bordnetz, das dafür 46 Volt zur Verfügung stellt.

Und die Bremse wird elektrohydraulisch betätigt – hier folgt Lexus dem Beispiel der umstrittenen Mercedes SBC-Bremse. Grund dafür ist die Mitte 2007 erwartete, allradgetriebene Hybrid-Version LS 600h, die – wie alle Hybrid – ein solches Bremssystem braucht. Nur dieses Auto wird übrigens LED-Abbiegeleuchten haben, der LS 460 hat Bi-Xenonlampen mit aktivem Kurvenlicht.

Serie im Neuen sind weiterhin die elektrische Parkbremse und die Brake- Hold-Funktion: Über eine Lenkradtaste aktiviert, ermöglicht sie, das im D-Modus befindliche Auto ohne Tritt aufs Bremspedal an der Ampel zu halten. Auch viele andere Komfort- und Assistenzsysteme machen das Leben leichter. So verfügt der LS 460 über eine automatische Einparkfunktion, die einfacher ausgelegt ist als im Toyota Prius: Hier muss lediglich per Fingerdruck im Touchscreen-Display die gewünschte Parkfläche markiert werden, eine umständliche Programmierung ist nicht notwendig. Anschließend rollt das Fahrzeug selbsttätig in die Parklücke. Faszinierend ist der im LS erstmals realisierte Spurhalteassistent (LKA): In Kombination mit der Sensorik des Abstandsradars hält er das Auto verblüffend sicher in der Spur.

Ein großes Plus des Lexus ist seine üppige Sicherheitsausstattung – allen voran das Precrash-System (PCS), das auf die Gefahren vor und hinter dem Auto reagiert: Droht ein Aufprall, werden Bremsen und weitere Bestandteile der VDIM-Stabilitätsregelung in Alarmbereitschaft versetzt. Außerdem wird die Lenkübersetzung reduziert, um schneller ausweichen zu können. Einer besseren Agilität des Fahrzeugs dient die Veränderung der Dämpferhärte. Das optionale Advanced Precrash-System sorgt darüber hinaus für zwei Bremseingriffe, die in der zweiten Stufe das Niveau eines starken Verzögerungsvorgangs erreichen.

Mit seinem überaus prall geschnürten, elektronisch vernetzten Paket an Assistenz- und Sicherheitsfeatures wird der Lexus LS 460 zum Vorreiter einer neuen All-inclusive-Ära. Die Konkurrenz wird viel zu tun haben, um hier entsprechend nachzuziehen.

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Technische Daten
Lexus LS 460
Grundpreis 86.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5030 x 1875 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 565 l
Hubraum / Motor 4608 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 280 kW / 381 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,1 l/100 km
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