Marcos TSO

Tony-Express

Foto: Frank Herzog 10 Bilder

Bei Marcos weht ein neuer Wind, seitdem der Kanadier Tony Stelliga die Zügel der britischen Sportwagenfirma in Händen hält. In Kürze reitet der Marcos TSO auch auf dem europäischen Festland.

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Aber selbstverständlich habe er leihweise einen Fön. Im Nachhinein betrachtet hätte sich der Rezeptionist der Travelodge in Birmingham diese gute Tat getrost sparen können. Spätestens im dritten Gang bügelt einem der Fahrtwind im Marcos TSO R/T die Fönwelle derart grandios nach hinten, dass sich die Frisurfrage sowieso erledigt hat.

Vorausgesetzt, die Statur geht über eine Körpergröße von 1,80 Meter hinaus, und die beiden Dachhälften der Targa-Konstruktion sind in Leder verpackt im Entenbürzel des Hecks verstaut. Man sitzt also erhobenen Hauptes hart am Wind, während der Blick haarscharf unterm dicken Scheibenrahmen hindurchtaucht.

Die Technik ist "schußsicher"

Bei der Auswahl der technischen Komponenten legt Tony Stelliga, seit 1999 Eigner der britischen Traditionsmarke, gesteigerten Wert auf Großserientechnik - "Bullitt proved“, wie er sagt. Was läge dann also näher, als einen Sechs-Liter-V8 inklusive angepasstem Antriebsstrang aus der aktuellen Corvette zu implantieren. Attraktiv verpackt rückt der wuchtige Achtzylinder hinter die Vorderachse. Das direkt angeflanschte Sechsganggetriebe hat zwar ein Trumm von einem Mitteltunnel zur Folge. Jedoch trägt die Einbaulage dafür Sorge, dass die Gewichtsbalance absolut paritätisch ausfällt.

Ein Marcos kann auch handzahm sein

Auch akustisch schindet der wuchtige V8 immensen Eindruck. Mit tiefem Basston meldet er sich zu Wort, haucht seine heißen Gase aus den in die Karosserieform integrierten Endrohre ins Freie. Bis 3.000 Umdrehungen erhebt er die Stimme absolut nicht über Gebühr, passt sich dem Cruisemodus angenehm an. So handzahm und easy going der Marcos für den Alltag zu gebrauchen ist, so zurückhaltend tritt er zunächst also auch akustisch in Erscheinung. Erst jenseits der 3.000er-Hürde erhöht er die Schlagzahl. Und der Beat wird ebenso grimmig wie der wüste Vorwärtsdrang.

Von jetzt an übergibt Doktor Jeckyll an Mister Hyde

Der TSO wandelt sich zum wilden Tier. 420 PS jonglieren spielerisch mit dem Fahrzeuggewicht von 1.170 Kilogramm. Nun flammt in diesem Biest der Urtrieb auf, ohne jedoch die Manieren über Bord zu werfen. Während sich die ellenlange Front gefräßig durch die englischen Alleen schneidet, sorgt das Sperrdifferenzial auch auf lumpigen B-Roads für eine hervorragende Traktion. Zudem sind die Bilstein-Komponenten bestens aussortiert, um den Hecktriebler auf Kurs zu halten.

Der TSO - agil wie ein Beagle auf der Jagd

An Agilität lässt es die in sich schlüssig gestylte und durchaus gefällige Kunststoff-Flunder ganz und gar nicht mangeln. Messerscharf geht die Lenkung ans Werk. Einen Hauch zu leichtgängig vielleicht, aber überzeugend präzise und mit einem exakten Feedback gesegnet. Der TSO schnüffelt der ihm vorgegebenen Fährte nach wie ein Jagd-Beagle der Hasenspur. Und auch die Bremsen werden dem wilden Treiben gerecht.

Auch die sonstigen inneren Werte gehen in Ordnung

Spiegel und Fenster sind elektrisch betrieben, auch die Türen entriegeln per Knopfdruck. Vier klassische, analoge Rundinstrumente prägen durch ihre zentrale Einbaulage das Erscheinungsbild des großen Instrumententrägers. Und wer den faszinierenden Sound des bärigen V8 tatsächlich übertönen möchte, dem sei die HiFi-Anlage mit Boxengehäusen aus Kohlefaser ans Herz gelegt.

Der Preis ist kein Pappenstiel

An ein großes Herz - weil der Marcos TSO trotz seiner qualitativ überzeugenden Machart und des fahrdynamischen Könnens ein großes Faible für „british handbuilt cars“ fordert. Schließlich ist der Preis von knapp 90.000 Euro kein Pappenstiel. Dafür gibt‘s aber einen übermotorisierten GT mit besten Handlingqualitäten und dank des großen Gepäckabteils auch Langstreckentalenten. Und zur Not kann ja auf den Fön verzichtet werden.

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