Maserati MC 12 Corsa

Rennwagen im Praxistest

Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Alien in der Stadt: Lediglich einer von zwölf Maserati MC 12 Corsa nahm bislang die Zulassungshürden für den normalen Straßenverkehr. Nicht nur die Optik des Mittelmotor-Zweisitzers ist exotisch – auch die Leistung seines V12 mit 700 PS und 740 Nm.

Der Lenkeinschlag wurde für den Einsatz jenseits der Rennstrecke erhöht. Zumindest ein wenig. Dennoch: Stadt heißt Kampf in fremder Disziplin. Zum Abbiegen etwa holt man aus, als hätte man einen Anhänger am Haken. Alles, was den 90-Grad-Knick übersteigt, lässt sich nur mit Zurücksetzen meistern. Wenden wird zum Spektakel: ein Stakkato aus vor, zurück und den hierzu notwendigen Gasstößen. Nur die Vernunft hindert einen daran, die Prozedur per Powerslide abzukürzen. Immerhin fällt das Kurbeln erstaunlich leicht. Den Spruch von der verwässernden Servo-Unterstützung entlarvt die ultrasensitive Lenkung als moderne Legende.

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Impression Maserati MC 12 Corsa
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Rote Ampel, Demutshaltung – die Querstrebe des Überrollkäfigs ragt ins Sichtfeld. Halb liegend, mit stark gekipptem Kopf, beobachtet man die Leuchtsignale. Oder das Umfeld: Am Beifahrer-Sehschlitz laufen zahlreiche Beine vorbei, alle scheinbar ohne Körper. Links baut sich ein Audi A6 Avant wie ein Lkw auf. Eine Kreuzung zuvor glich die Straßenbahn einem Hochhaus. Die Welt aus der Kindperspektive.

Dompteur am Lenkrad

Der Maserati ähnelt einem Tiger: Seine Savanne ist die Rennstrecke, die Stadt dagegen wird für ihn zum Käfig. Nervös laufen die ausufernd breiten Reifen allem nach, was ihre Aufmerksamkeit weckt: Schienen, Spurrillen, Straßenmarkierungen. Das Fahrwerk unterschlägt kein Detail, übermittelt Anregungen als Eignungstest. Nur wer das unvermittelt auskeilende Lenkrad zähmt, wird als Dompteur akzeptiert. Dabei bietet der Bürgerschreck seine Dienste zunächst höflich an. Die Türen öffnen konventionell. Keine Stahlstreben, über die man albern verrenkt gleiten muss.

Dennoch steigt der Novize etwas linkisch ein; zu stark nimmt ihn das gesamte Drumherum in Beschlag – Hosenträgergurte, Hörnchen-Lenkrad nach Formel 1-Art sowie die Mittelkonsole mit einer Unmenge von Hebeln und Reglern. Die wichtigsten Bedienelemente: Not-Aus, Batterieschalter, Startknopf. Jaulend wecken sie den Sechsliter-V12. Dann bebt er, lebt und sägt. Nach außen dank Klappen-Auspuff erstaunlich fein, nach innen hormontreibend derb.

Beim Losfahren stimmen Heulen, Rasseln, Rattern und Keuchen ein – klingt beängstigend nach Motor-Exitus. Doch der Vierventiler ist putzmunter: Seine Kurbelwelle schnalzt scheinbar reibungsfrei ins Drehzahl-Hochgebirge. Und ebenso spontan bleibt sie wieder stehen, sobald man die Zündung unterbricht. Kaum Schwungmasse, kein Nachlaufen. Ein Gourmet-Triebwerk. Und ein Gourmand: Tiefkehliges Gurgeln aus dem Ansaugtrakt verrät den Sprit-Schlemmer. Dafür bietet er auch Vortrieb jenseits aller Bescheidenheit. Der leidenschaftliche MC 12 Corsa kann immer und will immer, ist versessen nach sirrenden Drehzahlen.

Längst haben wir die Stadt verlassen und erschauern beim Beschleunigungsschwall, der den Körper nach jedem Gangwechsel erneut durchspült. Die Leistungsabgabe scheint endlos: bewusstseinsfesselnder Schub von Leerlauf- bis Abregeldrehzahl. Derweil franst links und rechts die Landschaft in der Unschärfe der Wahrnehmung aus – die Welt befindet sich im Schnelldurchlauf, während die Finger per Lenkrad-Paddel das sequenzielle Getriebe durchzappen. Auf Wunsch verpasst die Muskel-Maschine dem Asphalt sogar Brandzeichen.

Sportler fast ohne Limits

Ein Flugplatz bei München. Um unser Beschleunigungserlebnis besorgt, wärmt Haupt kurz vorm Fahrerwechsel die Hinterreifen an – per Burnout. Dabei raucht nicht nur der Gummi: Der beharrliche Drehmoment-Schwall von 740 Nm bringt Bitumen zum Glühen. Keine Traktionskontrolle, die ihn vor diesem Fanal beschützt. Rennstrecken-Ersatz: Ein kurzer Tanz auf heißen Sohlen quer über das Rollfeld lässt die unglaubliche Performance des MC 12 aufblitzen.

Leicht verständlich berichtet das Fahrwerk von der Querbeschleunigung – und doch ist dieses Potenzial für den Verstand schwer zu begreifen; im Corsa trifft pralles Muskelfleisch auf feine Nervenfasern. In der Stadt sind dagegen Nerven wie Drahtseile gefragt – wenn das radikalste Auto, das derzeit in Deutschland ein Nummernschild trägt, unerwartet schnell ans Limit kommt: beim Einparken.

Der Lenkeinschlag wurde für den Einsatz jenseits der Rennstrecke erhöht. Zumindest ein wenig. Dennoch: Stadt heißt Kampf in fremder Disziplin. Zum Abbiegen etwa holt man aus, als hätte man einen Anhänger am Haken. Alles, was den 90-Grad-Knick übersteigt, lässt sich nur mit Zurücksetzen meistern. Wenden wird zum Spektakel: ein Stakkato aus vor, zurück und den hierzu notwendigen Gasstößen. Nur die Vernunft hindert einen daran, die Prozedur per Powerslide abzukürzen. Immerhin fällt das Kurbeln erstaunlich leicht. Den Spruch von der verwässernden Servo-Unterstützung entlarvt die ultrasensitive Lenkung als moderne Legende.

Rote Ampel, Demutshaltung – die Querstrebe des Überrollkäfigs ragt ins Sichtfeld. Halb liegend, mit stark gekipptem Kopf, beobachtet man die Leuchtsignale. Oder das Umfeld: Am Beifahrer-Sehschlitz laufen zahlreiche Beine vorbei, alle scheinbar ohne Körper. Links baut sich ein Audi A6 Avant wie ein Lkw auf. Eine Kreuzung zuvor glich die Straßenbahn einem Hochhaus. Die Welt aus der Kindperspektive.

Dompteur am Lenkrad

Der Maserati ähnelt einem Tiger: Seine Savanne ist die Rennstrecke, die Stadt dagegen wird für ihn zum Käfig. Nervös laufen die ausufernd breiten Reifen allem nach, was ihre Aufmerksamkeit weckt: Schienen, Spurrillen, Straßenmarkierungen. Das Fahrwerk unterschlägt kein Detail, übermittelt Anregungen als Eignungstest. Nur wer das unvermittelt auskeilende Lenkrad zähmt, wird als Dompteur akzeptiert. Dabei bietet der Bürgerschreck seine Dienste zunächst höflich an. Die Türen öffnen konventionell. Keine Stahlstreben, über die man albern verrenkt gleiten muss.

Dennoch steigt der Novize etwas linkisch ein; zu stark nimmt ihn das gesamte Drumherum in Beschlag – Hosenträgergurte, Hörnchen-Lenkrad nach Formel 1-Art sowie die Mittelkonsole mit einer Unmenge von Hebeln und Reglern. Die wichtigsten Bedienelemente: Not-Aus, Batterieschalter, Startknopf. Jaulend wecken sie den Sechsliter-V12. Dann bebt er, lebt und sägt. Nach außen dank Klappen-Auspuff erstaunlich fein, nach innen hormontreibend derb.

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