Maserati MC 12

Schall Italia

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Brüllend startet der Dreizack in der FIA-GT-Serie und liefert jetzt auch eine Straßenversion des Zwölfzylinder-Rennwagens - ein 632 PS starkes und knapp 700.000 Euro teures Stück in kleinster Auflage und mit Ferrari Enzo-Genen.

Man muss Maserati dankbar sein. Dafür, dass sie sich nach 37 Jahren anhaltender Motorsport-Entbehrung die FIA-GT-Serie zur Rückkehr ausgesucht haben. Eine Serie, deren Rennwagen auf Straßenautos basieren. Und die den MC 12 beschert, den Maserati Corse Zwölfzylinder. Er ist mehr als ein Homologationsmodell, mehr als reine Regel-Erfüllung: ein Rennwagen mit augenzwinkernder Berechtigung zum Nummernschild. Aufwühlend, ergreifend, bewegend. Ein Geschenk Maseratis an die Automobilwelt. Es wäre kein italienischer Hersteller, wenn nicht auch die Straßenversion des Rennautos aus sämtlichen Kiemen, Finnen und Einlässen Leidenschaft pressen würde. Trotz carbonartiger Purheit. Doch die technische Basis des MC 12 will so gar nicht zur traditionellen Maserati-Linienführung passen: der Ferrari Enzo Ferrari. Erbarmungslos, distanziert, asketisch. Frank Stephenson, Chefdesigner von Maserati und Ferrari, präparierte den Enzo für das Maserati-Schönheitsideal um. Elegant, aufregend, kultiviert. Auch der Rennwagen muss eben wie ein Maserati aussehen. Jetzt lächelt die Front durchs freundliche Oval, laden Flächen zum Streicheln ein, erhält die Pilotenkanzel ein Gegengewicht: das Heck – so lang, dass das Auge Sekunden benötigt, um es zu umrunden. Stephenson ließ sich von den Gruppe C-Boliden der neunziger inspirieren. Kein schlechtes Vorbild für einen Rennwagen, der der Konkurrenz um die Ohren fahren soll. Auf der Straße wird der MC 12 kaum Spielkameraden finden.

Die wenigen Supersportwagen, die in der 600-PSLiga antreten, sind rar und meist in gekühlten Garagen haltbar eingelagert. Nur 50 Exemplare werden für je knapp 700 000 Euro über den Geldadel dieser Welt verstreut, sechs schaffen es nach Deutschland. Man wird sie nur auf Clubtreffen erleben. Ein MC 12 im Käfig – wie unwohl muss er sich da fühlen. Denn auch die Straßenversion ist ein echtes Renn-Tier. Wenngleich ein hervorragend gezähmtes. Der Maserati fordert keine Vorbereitung von seinem Piloten. Weder monatelange Diät, noch fernöstliche Morgengymnastik. Keine Flügeltüren, unter denen man nur im Limbo-Tanz hindurch passt. Kein Schweller- Massiv, dessen breitbeiniges Überwinden Zerrungen heraufbeschwört. Der Einstieg – fast schon enttäuschend einfach. Selbst Sitzriesen schließt der MC 12 nicht aus – zumindest nicht bei Sonnenschein. Anders als der Enzo kann der Maserati seinen Hut lüften. Zwei Klammern lösen, schon lässt sich der Dach-Mittelteil abnehmen. Leider passt er nicht hinter die Sitze, muss in der Garage warten. Bei zuziehendem Himmel startet die offene Ausfahrt besser nicht. Das Startprocedere ist so simpel wie in einem BMW Einser: Schlüssel ins Schloss, dann den Startknopf in der Mittelkonsole drücken. Kurz jammert der Anlasser, dann prustet der Sechsliter-V12 los, bleibt in einem angenehm-voluminösen Leerlauf-Brabbeln hängen. Knapp unter 1000/min ruht die Nadel des dominanten Drehzahlmessers, das N im Display steht für Neutral – Leerlauf, diesmal der des sequenziellen Getriebes. Der rechte Fuß steht auf der Bremse, die rechte Hand greift nach der Wippe hinter dem Lenkrad. Ein kurzer Fingerschnipp, ein metallisches Klacken, und der erste Gang rastet fernbedient vom automatisierten Schaltgetriebe ein. Bremse lösen, Gas geben, der MC 12 rollt los Nicht dramatisch genug? Alles eine Frage der Gasfuß- Schwere. Wer via Knopfdruck den so genannten Race-Modus der Antriebsschlupfregelung vorwählt und das Gaspedal kraftvoll niedertritt, startet das Vortriebs-Inferno.

Der Motor brüllt los, die 345er-Hinterreifen ringen um Haftung, hissen die weiße Rauchfahne. Im Zügeln der überschäumenden 632 PS (Enzo: 660 PS) liegt die Kunst der schnellen Beschleunigungszeiten. Keine Launch-Control wie im Enzo tritt helfend zur Seite, um Gaszufuhr und Schlupf zu kontrollieren. Der Vortrieb ist ehrerbietend gleichmäßig. In seiner endlosen Elastizität erinnert der V12 an den Maserati-Achtzylinder – nur dass er nahezu die Kraft von zwei V8 besitzt. Weniger als vier Sekunden genügen bis Tempo 100, nach weiteren sechs Sekunden eilt der Tachozeiger über die 200er- Marke. Mit ungebremstem Eifer stürmt der MC 12 weiter, die Landschaft ringsum scheint sich im Rückwärtsgang zu bewegen. Der Schlund saugt die Straße auf, komprimiert sie, kanalisiert sie durch die Leitbleche, jagt sie zum Diffusor wieder hinaus. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten rennt der Maserati nicht stumpf gegen den Wind an – er verbündet sich mit ihm, schöpft ihn im Sinn der Bodenhaftung geschickt aus, holt tief Atem, reichert den Mittelmotor mit Sauerstoff an, kühlt seine Innereien. Und bei geöffnetem Dach die Insassen. Denen wird bei so viel Einsatz warm ums Herz, der Puls steigt parallel zum Tempo des MC 12, die Adrenalinproduktion läuft gegen den Begrenzer. Das Hirn überfordert, die Ohren unter Schock. Schon die Außenstehenden weiden sich am Auspufftrompeten, das an die mächtigen Melodien alter Rennsport-Tage erinnert. Doch was der Ansaugtrakt entlässt, ist schlicht brutal. Seine Öffnung liegt direkt über den Köpfen der Passagiere. Wenn die Drosselklappen bei Vollgas den Weg fürs hochoktanige Gemisch freigeben, dann darf auch der Schall ungefiltert passieren – eine ekstatische Kakophonie aus metallischen Ventiltrieb- Geräuschen bohrt sich direkt in die Gehörgänge. So stimmgewaltig der MC 12 ist, so vehement lenkt er auch ein. Drahtig, feinnervig, verlässlich. Selbst Spurwechsel über 200 km/h sorgen nicht für Schweißausbrüche. Maserati trainierte dem Supersportler die Handlichkeit eines Kompakten an, dabei bewegt man eine SKlasse durch die Kurven – eine Tonne leichter, aber gleich groß. Nur Helden werden die Querbeschleunigung austarieren. Der Weg dahin ist wie Karussell fahren auf dem Kinderspielplatz: auf maximale Umdrehung beschleunigen und den Kopf hinausstrecken. Michael Bartels lenkt den MC 12 durch die FIA-GT-Meisterschaft. Er kennt dieses Zerren am Nacken, den Druck auf den Oberkörper beim Beschleunigen und auf die Arme beim Bremsen. Bestimmt wird er Maserati dafür dankbar sein.

Zur Startseite
Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Luxemburg Wohnmobil-Tour Luxemburg Durch die Ardennen-Region Éislek Skydancer Apero (2019)
CARAVANING
Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze Camping Porto Sole - Titel Campingplatz-Tipp Kroatien Camping Porto Sole
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote