Maybach

Fahren und fahren lassen

Beim Maybach 57 und 62 bleibt kaum ein Autofahrer-Wunsch offen – nur gleichzeitig den Luxus hinterm Lenkrad und auf den Liegensitzen zu genießen, ist unmöglich. Ein Fahr- und Gefahren-worden-Bericht.

Die Proportionen sind klassisch, lange Motorhaube, kurzes Heck. Und weil der Maybach 62 nicht einfach nur ein verlängerter 57 ist, sondern auch eine differente Dachlinie präsentiert, wird der eher peinliche Eindruck amerikanischer Stretch-Limos gekonnt vermieden.

Der Innenraum zeigt handwerklich beste Verarbeitung edelster Materialien in Vollendung. Und obwohl der Maybach eine Fülle von Ausstattungsfeatures bietet, blieb die Bedienung übersichtlich und logisch. Dass die Instrumente praktisch unverändert von der S-Klasse übernommen wurden, will allerdings nicht so recht ins Edel-Ambiente passen.

Welchen Maybach hättens den gern?

Maybach 57 oder 62? Prinzipiell ist der Maybach 57 (359.600 Euro) eine Luxuslimousine konventionellen Charakters: geräumig, komfortabel, leise und stark. Den letzten und entscheidenden Schritt zu einer Art der Fortbewegung, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat, geht erst der Maybach 62 (417.600 Euro). Da will man gar nicht mehr selber fahren, sondern nur noch den exzeptionellen Luxus des Fonds genießen.

Die hinteren Sitze lassen sich leise summend in eine Liegeposition fahren. Die Liegesessel bieten eine Bequemlichkeit, die schlicht einzigartig ist. Zwei extrem starke Klimaanlagen sorgen fast unmerklich für die gewünschte Temperatur.

Die Landschaft zieht vorbei, es herrscht Stille. Der Fahrtwind säuselt nur dezent, der Motor gibt nur bei voller Beschleunigung ein leises Grummeln von sich. Das Tempo wird allein durch den zusätzlichen Fond-Tacho im Dachhimmel visualisiert.

Mächtiger Maybach: V12, 550 PS, 900 Nm

Der Maybach schiebt mächtig an, kein Wunder bei 550 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment. Dennoch kommt nicht der Eindruck brutaler Kraft auf, weil der Leistungseinsatz des 5,5 Liter großen Zwölfzylinder-Biturbo-Motors so sanft wie bei einer Turbine erfolgt. Beschleunigung wird zur Nebensache. Man tritt aufs Gas und erreicht im Handumdrehen die gewünschte Geschwindigkeit.

Mit rund 2,8 Tonnen ist der lange Maybach noch nicht einmal außergewöhnlich schwer. Trotzdem wird die Masse natürlich spürbar – vor allem in schnellen Kurven. Da neigt sich der Riese majestätisch zur Seite. Die Lenkung spricht etwas behäbig an, was natürlich gewollt ist. Denn so überträgt sich nicht jede kleine Lenkbewegung des Chauffeurs auf die Herrschaften im Champagner-Séparée.

Der Fahrkomfort ist schlicht Weltspitze. Sanft wiegend macht der Maybach den Zustand der Straße bedeutungslos. Das Abrollgeräusch der mächtigen 275/50 R 19-Reifen ist auf ein Minimum reduziert, nur auf wirklich holprigen Straßen wird deutlich, dass die Räder Fahrbahnkontakt haben.

Bisher haben rund 1.000 Kunden die Ingenieureskunst des Maybach mit einer festen Bestellung honoriert. Für alle, die noch unentschlossen sind, gilt die Empfehlung: warten bis zum Januar 2003. Dann wird der neue Rolls-Royce vorgestellt.

Technische Daten
Maybach 57 5.5 V12 Maybach 62 5.5 V12
Grundpreis 390.201 € 458.150 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5728 x 1980 x 1572 mm 6165 x 1980 x 1573 mm
KofferraumvolumenVDA 605 l 605 l
Hubraum / Motor 5513 cm³ / 12-Zylinder 5513 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 405 kW / 550 PS bei 5250 U/min 405 kW / 550 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
Verbrauch 15,9 l/100 km 16,0 l/100 km
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