Mazda MX-5

Pust-Objekt

Foto: Hardy Mutschler 12 Bilder

Jahrelang flirteten der Mazda MX-5 und Motor Klassik-Redakteur Sebastian Renz nur miteinander. Jetzt haben sich die beiden durchgerungen, es ernsthaft miteinander zu versuchen. Am Frühlingsstart gehen sie zum ersten Mal auf Tour.

Was haben wir uns gegenseitig umschwirrt. Jedes Frühjahr ein kurzer Flirt zwischen dem Mazda MX-5 und mir. Ein paar Mal gipfelt das Begehren in einer Probefahrt. Doch es wird nie etwas mit uns. Doch Anfang März 2007 kehrt die Leidenschaft zurück.

Die besten Autos gibt’s um die Ecke

Der Mazda und ich, wir wollen es nun doch miteinander versuchen. Bisher bin ich nie mehr als 10, 15 Kilometer am Stück mit einem MX-5 gefahren. Danach war ich meist unterwältigt, weil alle Tester und Besitzer ihn mit Lobeshymnen überschütteten, ich ihn aber nie komplett umwerfend fand. Mein Fehler, denke ich – und beschließe, dass ich ihn jetzt mögen werde.

Als Mitgift habe ich mich auf eine Summe ganz erheblich unter 3.000 Euro festgelegt. Ich schaue einigen Murks an und will schon fast aufgeben. Da finde ich ein Angebot im Nachbarort. Wäre der gut, dann würde meine Theorie bestätigt, dass es die besten Autos gleich um die Ecke gibt und nicht erst in Bad Salzuflen. Wie zur Besichtigung meines Volvo könnte ich zur Probefahrt des Mazda mit der Stadtbahn fahren.

Kein Concours-Gewinner, aber immer noch knackig

Es ist ein magischer Moment, wenn man ein Auto, für das man sich interessiert, zum ersten Mal erblickt. Baujahr 12/1992, gut 193.000 Kilometer, zweite Hand, Garagenwagen, mit Heckträger, Windschott, achtfach aluberädert, Radio/Cassette, unverbastelt. Aber mit einem Riss in der Plastikheckscheibe und angehendem Lochfraß im Auspuff. Bei der Probefahrt muckt der Wagen nicht unwirsch, fährt sich trotz seines Alters und der Kilometer noch erfreulich knusprig.

Natürlich ist er nicht makellos, sicher gibt es deutlich bessere MX-5. Aber kaum zu dem Preis, auf den wir uns einigen. Der ist niedrig genug, dass es mir noch nicht so furchtbar weh tut, ihn mir zu leisten. Die Haftpflicht stuft den Roadster mit Typklasse 13 so erfreulich niedrig ein wie einen neuen Fiat Panda. Die Steuer ist machbar – eine Euro2-Umrüstung aber auch.

Der erste Tag im neuen Roadster

Den ersten Tag möchte ich mein erfülltes Traumauto nur für mich haben, mit ihm allein über meine Lieblingsstraßen streifen, ein bisschen zittern, ob auch alles funktioniert, mich mit ihm vertraut machen – und vor allem offen fahren. Als ich an der ersten Tankstelle halte, reißt der Himmel auf. Heftig wärmt die Sonne nicht, doch für heute muss es reichen. Ich ratsche die Heckscheibe auf und klappe das Dach nach hinten.

Und dann kommt sie doch beim Fahren: die Enttäuschung. Hatte ich schon immer Recht – der MX-5 und ich, das klappt einfach nicht? Warum rockt der Roadster alle anderen, aber nicht mich? Ich will ihn so gern mögen. Also fahre ich tapfer weiter. Ich weiß doch, wie gern ich offen reise, drei Cabrios hatte ich schon – und immer wollte ich einen Roadster.

Nach 50 Kilometern erkenne ich, dass mir der MX-5 nicht auf Anhieb schmeckt. Wie das Rauchen muss man ihn sich angewöhnen, um ihm zu verfallen. Dazu reicht bei mir eine kurze Probefahrt nicht. Während der nächsten 150 Kilometer raufen wir uns zusammen. Gangwechsel – zunächst schroff und hakelig – gelingen geschmeidiger und schneller. Die Schärfe der Lenkung lerne ich zu beherrschen, schneide immer zielsicherere Kurvenradien.

Die Leichtigkeit des drastischen Fahrens fördert der 1,6-Liter-Motor. Sein Drehmomentmaximum kommt spät, aber ungewaltig. Dafür dreht er gern.

Motorisierung passt perfekt

Wie erfreulich, dass er es mit 115 PS gut sein lässt. Damit motorisiert er den MX-5 vollendet. Jedes PS mehr würde nur den Fahrfluss stören, weil es sich nicht mehr elektronisch unkontrolliert zügeln ließe. Ein Hubraum-Plus hätte weniger Schaltarbeit zur Folge, und das wäre nun wirklich ein Drama.

Puristische Ausstattung

Wie auch eine umfangreichere Ausstattung. Ja, die Außenspiegel lassen sich verstellen, aber nur von Hand und nicht von innen. Das Verdeck klappt selbstverständlich nicht automatisch. Nur die Fensterheber sind überflüssigerweise elektrifiziert. So bleibt der MX-5 pur und schlank. Das Ergreifende am Cockpit ist seine Schlichtheit. Nichts lässt sich verstellen, nur damit man eben etwas zum Verstellen hat. Statt dessen passt alles auf Anhieb. Sogar die Fahrposition - auch ohne Höhenregulierung von Lenkrad und Sitzen.

Als der halbe Nachmittag verfahren ist, weiß ich, dass es klappen wird mit dem Mazda und mir. Für verwinkelte Sträßchen gibt es kaum etwas Besseres als den frühen MX-5, der sich großartiger über den Asphalt wirbeln lässt als jedes Auto, das ich zuvor besaß.

Zwar auf das Wesentliche reduziert, vermeidet es der Japaner dennoch, den Fahrer zu quälen. Das mögen windgegerbte Traditions- Roadsterfahrer als schwer wiegende Charakterschwäche auslegen. Sollen sie halt. Dafür nervt der MX-5 nicht im Alltag.

Ich fahre bis weit in den Abend mit meinem MX-5 übers Land. Selbst als es abkühlt, bleibt das Dach offen. Denn die Heizung brodelt mit dem Ehrgeiz eines Vulkans, speit Heißluftstürme in den Fußraum, dass es mir schon in der niedrigsten Lüftungsstufe fast die Gummisohlen von den Pumas schmilzt.

Klappscheinwerfer nur bei der ersten Generation

Als die Dämmerung einsetzt, klappen die Scheinwerfer auf. Nur die erste MX-5-Generation trägt Schlafaugen, und sie allein sind schon ein Grund, sich für die frühen Modelle zu entscheiden. Sie stehen hart im Fahrtwind und auch deutlich im Sichtfeld. Aber sie lassen die Motorhaube noch länger, die Sitzposition noch niedriger und den Mazda noch roadsteriger wirken. An diesem Abend des Frühlinganfangs komme ich erst spät nach Hause. Der MX-5 kühlt tickernd auf dem Stellplatz ab. Ich ziehe ihm vom Fahrersitz aus das Dach über und flätze mich noch ein bisschen im Auto. Voller Freude, dass ich mir den Jugendtraum doch jetzt und erst jetzt gekauft habe. Hätte ich ihn mir früher erfüllt, ich hätte ihn vielleicht nicht so leidenschaftlich genossen. Wahre Liebe wartet.

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Technische Daten
Mazda MX-5 1.6
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3975 x 1675 x 1675 mm
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
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