McLaren 650S Spider im Fahrbericht

McDrive wird erwachsen

McLaren 650S Spider, Frontansicht, Kurvenfahrt Foto: Rossen Gargolov 20 Bilder

Der McLaren 650S Spider basiert auf dem bekannten 12C Spider. Doch wehe, einer stempelt den 650 PS starken Mittelmotor-Sportler mit Klappdach lapidar als Facelift ab. Warum der Flügeltürer mehr als nur eine Modellpflege ist, zeigt die erste Ausfahrt.

Roadster-Fahrer haben meist einen Lieblingsknopf: jenen, der ihrem Frischluftautomobil das Verdeck herunterreißt. Im McLaren 650S Spider aber wird ein anderes Bedienelement zum Superstar. Der schüchtern in der Carbon-Mittelkonsole links neben der Warnblinktaste eingebettete Kippschalter dirigiert mit der Glasheckscheibe, die hier unabhängig vom Klappdach geöffnet werden kann, auch die Klanggewalt des Mittelmotors.

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Impression McLaren 650S Spider
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Mittelmotor-Sportler mit 650 PS

Das glauben Sie nicht? Flügeltür auf und rein in die serienmäßigen Sportschalensitze, die mit tiefer Sitzposition im Alltag jedermann ein bisschen das Gefühl vermitteln, Jenson Button zu sein. Startknopf drücken, M838T bellt wie ein Wachhund auf. Hinter der kryptischen Kennung versteckt sich der aus dem 12C Spider bekannte V8-Biturbo. Dank neuer Kolben, Zylinderköpfe und Auslassventile sowie anderer Ventilsteuerzeiten klettert die Leistung des McLaren 650S Spider von 625 auf 650 PS.

Wer den McLaren 650S Spider als 12C-Facelift tituliert, fängt sich den Unmut der Automotive-Abteilung des britischen Formel-1-Rennstalls ein. Während das 75 Kilo leichte Chassis aus Carbon unter der Karosserie unangetastet blieb, schärften die McLaren-Entwickler die Gesichtszüge. Das Design der Frontschürze und der LED-Scheinwerfer ähnelt dem des Supersportlers P1, während der dreiteilige Heckstoßfänger an das GT3-Rennfahrzeug erinnert. Durch die Karosseriemodifikationen wirkt der 650S optisch nicht nur erwachsener, er soll zudem laut McLaren bei 241 km/h 24 Prozent mehr Abtrieb generieren.

Klick, der anfangs erwähnte Schalter hat seinen großen Auftritt. Leise summend senkt sich die Heckscheibe direkt hinter dem Nacken des Piloten, während das Dach geschlossen bleibt. Obwohl der Mix aus metallischem Röhren und Turbo-Zischen schon mit geschlossenen Scheiben im Cockpit sehr präsent ist, hallt nun bei jedem Gasstoß ein V8-Echo durch den Innenraum. Die Akustik macht so manchen Konzertsaal neidisch.
Erster Gang, los geht’s. Im Vergleich mit dem 12C hängt der Neuling etwas direkter am Gas. Das Turboloch unterhalb von 3.000/min ist kleiner geworden, ganz verschwunden ist es auch im McLaren 650S Spider nicht.

Doch diese leichte Schwäche ist vergessen, sobald der Flügeltürer mit raunendem V8-Beat seine Launch Control vorspannt. Bremse lösen, Vollgas! Im Usain-Bolt-Stil schnellt der Hecktriebler vom Fleck. Schlupf an der Antriebsachse? Als wir diese Frage in Gedanken mit „nicht spürbar“ abhaken, zeigt das mitgeführte GPS-Messgerät bereits 3,1 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h an. Im Tiefflug jagt der McLaren nach 8,7 Sekunden über die 200-km/h-Marke. Das neu kalibrierte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zappt sich währenddessen mit schnelleren Schaltzeiten durch die Gänge. Seine eigene Werksangabe auf Tempo 300 unterbietet der McLaren 650S Spider in 26,0 s sogar um eine halbe Sekunde.

Heftiges Turbo-Fauchen beim McLaren 650S Spider

Nicht vergessen – während wir uns der Höchstgeschwindigkeit von 329 km/h nähern, ist die Heckscheibe noch so offen wie der Ausgang der Fußball-WM. Auch da wird’s Freudentränen geben, im McLaren 650S Spider ist es bereits so weit. Der V8-Biturbo faucht wie ein hungriges Raubtier in die mit Alcantara und Carbon veredelte Cockpitkanzel. Abgasendrohre und Gehörgang scheinen unmittelbar miteinander verbunden zu sein. Das Konzertrepertoire des 199 Kilo schweren Twin Turbo umfasst übrigens auch feinstes Abblaszwitschern bei Gaspedal-Lupfern.

Wie schon im 12C können auch im McLaren 650S Spider die Fahrprogramme über zwei Drehregler konfiguriert werden. Jeweils drei Modi stehen für die Abstimmung des Antriebsstrangs sowie des elektronisch geregelten Fahrwerks, das ohne herkömmliche Stabis und mechanische Sperre auskommt, zur Wahl. Normal, Sport oder Track? Wir wählen den Rennstreckenmodus.

Die Rückmeldung der leichtgängigen Lenkung wird nun noch direkter um die Mittellage, während das im Normalmodus alltagstauglich federnde Fahrwerk seine Kennlinie strafft. Insgesamt wurde der McLaren 650S Spider mit härteren Federraten ausgelegt. Während der 12C im Grenzbereich tendenziell gutmütig untersteuerte, lenkt der 650S präziser ein und reagiert bei deaktiviertem ESP auf Lastwechsel mit leicht eindrehendem Heck. Ein Heckschreck alter Schule ist er dadurch noch lange nicht. Kaum ein Mittelmotor-Sportler lässt sich am Limit so spielerisch dirigieren, zumal bei aktiviertem ESP die Traktionskontrolle mit feinen Bremseingriffen (Brake Steer) am kurveninneren Hinterrad den 650S auf der Ideallinie hält.

Wir bremsen auf 30 km/h runter und öffnen das Dach elektrisch in rund 17 Sekunden. Zwei Minuten später schließen sich die Carbon-Teile des Klappdachs wieder. Trotz lauschiger Frühlingsnacht genießen wir die V8-Akustik lieber wieder ohne Windgeräusche. Wie schon gesagt, der Superstar unter den Schaltern im McLaren 650S Spider war schnell gefunden: Klick, Klappdach geschlossen, Heckscheibe geöffnet.

Technische Daten
McLaren 650S Spider
Grundpreis 255.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4512 x 1908 x 1203 mm
KofferraumvolumenVDA 144 l
Hubraum / Motor 3799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 478 kW / 650 PS bei 7250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 329 km/h
Verbrauch 11,7 l/100 km
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