Mc Laren GT, Exterieur Beadyeye
Mc Laren GT, Exterieur
Mc Laren GT, Exterieur
Mc Laren GT, Exterieur
Mc Laren GT, Exterieur 18 Bilder

McLaren GT

Sauschnelles No-Bullshit-Auto

Mit 620 PS im Kohlefaserchassis, zwei Kofferräumen plus schmeichelnden Zutaten könnte der McLaren GT Kontinente durchmessen – oder erleichtert seinem Piloten einfach nur den täglichen Pendelstress.

Fast wie bestellt: bevor die McLaren-Testfahrt beginnt, rollt nebenan ein Bentley Continental GT aus der Einfahrt. Am Steuer ein properer Endsechziger mit Strohhut. Gelegenheit, sich mal Gedanken zum Thema GT zu machen. Gran Turismo, Gran Tourer: In der automobilen Tradition starke Typen, die gern mal über die lange Distanz gehen, ihre Passagiere mit Komfort in hochwertigem Ambiente verwöhnen. Highspeed-Salons tapeziert mit dickem Leder, furniert mit reichlich Holz plus metallenem Zierrat und in der Regel mit Motor vorn und Kofferraum hinten.

Nichts dagegen einzuwenden? Och, schon, dachten sich die umtriebigen Jungs bei McLaren. Von patinierter Historie weitgehend unbelastet interpretieren sie das GT-Thema nach ihrem Geschmack. Vor allem auf ihrer eigenen technischen Grundlage. Also Kohlefaser-Monocoque und 620 PS stärker Biturbo-V8-Mittelmotor mit vier Litern Hubraum. Klingt jetzt eher nach Curbs rasieren, Limits ausloten und Kurven radieren als nach einem relaxten Trip an die Côte oder gar dem Durchmessen ganzer Kontinente ohne unbotmäßige Beschwer. Kein Problem sagen die Briten und versprechen ein ganz neues Touring-Gefühl. Weg mit den schweren Nasenbären, die höchstens mit massig Leistung geradeaus powern. Her mit einem leichten, agilen Kumpel für jeden Tag, auch für die Distanz.

Mit 4,70 Metern länger als seine Geschwister bietet er sogar zwei Kofferräume. Einen konzepttypischen mit 150 Litern vorn, einen ebenfalls gut nutzbaren mit 420 Litern hinten. Problem: normalerweise grillt die Abwärme des Motors und der Auspuffanlage das Gepäck so richtig schön durch. Also modifizierten sie den Ansaugtrakt über dem Motor um etwas Ladehöhe zu gewinnen, verbesserten dafür die Isolation und installierten eine Art Luftkühlung, um Wärme zwischen Motor und dem Ladeboden abzuführen. Egal, ob Golfausrüstung, Businesstrolleys oder was sonst mitmuss, der GT packt es unter die speziell gegen Sonneneinstrahlung und Schall isolierte Scheibe der großen Heckklappe. Weitere Iso-Maßnahmen an der Karosserie sowie speziell für den GT entwickelte Pirelli P Zero-Reifen senken ebenfalls das Geräuschniveau im Innenraum. Auch der Motor hilft, besser seine Auspuffanlage, die den GT dank Klappensteuerung auf Wunsch durch die Gegend flüstern lassen kann. Oder im Sportmodus angreifen.

Mehr Bodenfreiheit, trotzdem asphaltintimes Handling

Mc Laren GT, Exterieur
Beadyeye

Womit wir beim Fahren sind. Auch wenn er GT heißt, komfortabel federt, Gepäck wegsteckt und dank seiner etwas größeren Bodenfreiheit samt optionalem schaltbarem Frontlift nicht mehr so schnell mit dem Unterboden oder der Nase Asphalt schürft: er bleibt ein echter McLaren. Sein Vierliter schiebt kräftig an, surft ab 3.000/min auf 95 Prozent seines maximalen Drehmoments, legt aber trotzdem obenraus bis 7.250/min nochmal sportiv nach. Trotz der für einfachere Fahrbarkeit und gleichmäßigere Kraftentfaltung modifizierten Lader bleibt der hypnotisch turbopfeifende V8 drehfreudig, unterstützt vom schnell schaltenden Siebengang-Doppelkuppler. Im Normalfall unauffällig, hält es im Sportmodus manchmal die niedrigen Gänge eine Tick zu lang. Ergo: ran an die präzise klickende Metallwippe und selbst schalten. Klappt perfekt.

So wie die Linienwahl dank der sehr direkten Lenkung und des neutralen Handlings. Ohne störendes Untersteuern lenkt der dank des Karbonchassis enorm steife GT ein, querbeschleunigt wie mit dem Asphalt verzahnt. Bei zu viel Engagement mäßigt ihn die Elektronik, die im Sportmodus jedoch wieder mehr Bewegung zulässt. Der GT ist in dieser Abstimmung enorm leichtfüßig und schnell, ohne den Fahrer spürbar zu fordern. Im Gegenteil, dieser ist ruckzuck eins mit dem kräftigen Mittelmotor-Sportler, swingt ihn federleicht durch Wechselkurven, wundert sich über den höllischen Grip, in schnellen Ecken und verliert die Angst vor Strecken mit ungepflegten Oberflächen, denn die Adaptivdämpfern regeln innerhalb von Millisekunden, verbinden Bodenhaftung mit Karosseriekontrolle.

Nochmal zur Erinnerung: hier sind 620 PS, 630 Newtonmeter bei nur 1.530 Kilogramm am Start. Trotzdem fährt sich der GT ohne viel Aufwand. Lediglich die optionale Keramikbremse bedarf wegen der hohen Pedalkraft Eingewöhnung. Dadurch erscheint sie zunächst stumpf, agiert tatsächlich aber kräftig und feinfühlig dosierbar, gern auch bis spät in die Kurve hinein. Geradeaus fahren kann der GT natürlich auch. Problemloser Geradeauslauf und 326 km/h Höchstgeschwindigkeit garantieren ihm eine ziemlich einsame Führungsrolle auf der Autobahn.

Besser als jeder Handschuh: samtweiches Nappaleder

Mc Laren GT, Interieur
Beadyeye

Die ruhig länger dauern darf, denn neben der hervorragenden 1.200 Watt-Anlage von Bowers&Wilkins begeistern die speziell geschnittenen GT-Sitze mit ihrem griffigen, handvernähten Leder sondern auch mit körpergerechter Kontur. Die Ergonomie passt, die Verarbeitung entspricht dem Preislevel der 198.000 Euro-Plus-Klasse, die Bedienung der der übrigen McLaren. Das gilt auch für das neue Infotainmentsystem mit besonders schnellem Prozessor. Alles ist schnell erlernbar, ohne Ablenkung, zielorientiert und damit ebenso Null-Bullshit wie das gesamte Auto.

Wenn man es nicht besser wüsste, die erfrischende Dynamik von Motor und Fahrwerk erinnert an einem echten Supersportler. Schmetterlingsschwärme im Bauch beim Beschleunigen, irres Ranzoomen an Kurven, krasses Durchziehen – der GT kann es. Nur eben breitbandiger, alltagstauglicher, langstreckenfähiger als monothematische Sportstypen. So ein bisschen wie ein Mittelstürmer, der auch Shakespeare kann. Well done McLaren. Also der GT, nicht das Gepäck im Heck. Denn das ist auch am Ende unserer langen Testrunde noch frisch.

Fazit

Die Nische für reisetaugliche Mittelmotorsportler mag klein sein, McLaren füllt sie mit dem neuen GT jedoch überzeugend. Dieser 198.000 Euro teure 620 PS-Biturbo präsentiert sich als hinreißend gemachtes, sauschnelles No-Bullshit-Auto für zwei, das die leisen Töne ebenso lässig beherrscht wie schwindligmachende Dynamik.

Sportwagen Fahrberichte Audi Coupé, VW Corrado, Exterieur Audi Coupé und VW Corrado Noch immer richtig gute Sportcoupés

Früher beliebte Zweitürer, heute erschwingliche Sportler.