Mercedes B-Klasse Electric Drive im Fahrbericht

So dynamisch kann stromern sein

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Kaum ein anderes Modell mit dem Stern ist künftig mit so vielen unterschiedlichen Antriebskonzepten zu haben wie die soeben modernisierte B-Klasse: Jeweils fünf Diesel- und Benzinmotoren, dazu Allrad-, Erdgas- und nun auch Elektro-Antrieb stehen zur Wahl. Der neue Electric Drive ist nach dem nur in geringer Stückzahl produzierten SLS das erste batterieelektrisch-getriebene Großserienmodell von Mercedes.

Anders als BMW mit dem i3 setzt Mercedes bei seiner E-Auto-Premiere auf ein bekannt-bewährtes Modell, wobei die B-Klasse für diesen Einsatz bereits konstruktiv vorbereitet ist. Die Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 28 kWh und einer möglichen Reichweite von über 200 Kilometer steckt im sogenannten Energy Space vor der Hinterachse – dort, wo bei der Erdgasversion die Gastanks untergebracht sind. Im Vergleich zu den konventionell angetriebenen Schwesterversionen ist durch diesen Zwischenraum der Boden hinter den Vordersitzen etwas erhöht, wodurch Mitfahrer im Fond die Knie etwas stärker anwinkeln müssen. Zudem stehen die längsverschiebbare Rückbank und die flach umlegbare Beifahrersitzlehne für den Electic Drive nicht zur Verfügung. Weitere Einschränkungen beim Raumangebot, etwa beim Gepäckabteil (501 Liter), gibt es nicht.

Mercedes B-Klasse Electric Drive bietet reichlich Fahrdynamik

Allerdings sitzen alle Passagiere rund vier Zentimeter höher, weil das Fahrwerk wegen des Zwischenbodens um jenes Maß höher gelegt wurde. So zählen etwa in Wagenfarbe lackierte Blenden an den Radläufen zu den wenigen Details, mit denen sich die beiden B-Klasse-Varianten mit alternativem Antrieb von den konventionell angetriebenen Schwestermodellen unterscheiden.

Neu bei allen Varianten ist die aus den größeren Mercedes-Modellen längst bekannte Option Keyless-Go zum schlüsselfreien Öffnen der Türen und zum Motorstart. Der Electric Drive bleibt nach Drücken des Startknopfs natürlich stumm, nach Einlegen der Fahrstufe D rollt er mit dem von Tesla entwickelten Antriebsstrang lautlos davon. Oder er stürmt regelrecht los, je nach gewähltem Fahrmodus. Standardmäßig startet er in E (Economy). Dabei ist die Leistung des 132 kW (180 PS) starken E-Motors, der wie die konventionellen Verbrenner vorn unter der Haube steckt, auf 98 kW begrenzt – womit der leer 1.725 Kilogramm schwere Viertürer subjektiv immer noch sehr flott antritt. Für höchste Effizienz sinkt die Leistung per Tastendruck in Economy Plus auf 65 kW und die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h statt der sonst möglichen 160 km/h.

In beiden Fällen kann der Fahrer per Kickdown jedoch stets auch die Maximalleistung abrufen, die im Modus Sport uneingeschränkt zur Verfügung steht – dank entsprechend geänderter Kennlinie reagiert die Mercedes B-Klasse nun noch spontaner auf den Gasfuß. Tempo 100 sind laut Werksangabe in 7,9 Sekunden erreicht – der B 220 CDI mit 177 PS benötigt dafür 8,3 Sekunden. Damit erfüllt die Elektro-B-Klasse durchaus dynamische Ansprüche, denen auch das Handling kaum nachsteht. Auf kurvigen und bergigen Strecken fällt der Fahrspaß nicht kleiner aus als beim lautlosen Dahingleiten in der Stadt, Rollgeräusche dringen hier wie dort nur sehr gedämpft zu den Insassen vor.

Beim Bremsen holt sich die B-Klasse Energie zurück

Der Energiefluss lässt sich über das nun acht Zoll große Mitteldisplay des neuen Multimediasystems beobachten, während neben der Leistungsanforderung auch Restreichweite und Batteriekapazität über die Instrumente mit neu gestalteten Zifferblätter angezeigt werden. Beides kann der Fahrer gezielt durch Rückgewinnen von Bremsenergie per Rekuperation erhöhen, vor allem, wenn als Sonderausstattung die radargestützte Ausführung an Bord ist. Der dazu nötige Sensor gehört dagegen bei jeder neuen B-Klasse zum Serienumfang. Damit warnt er den Fahrer nicht mehr nur wie bisher, wenn er aus Unaufmerksamkeit dem davor fahrenden Fahrzeug zu nahe kommt. Jetzt bremst die B-Klasse im Notfall auch selbstständig und kann bei geringen Differenzgeschwindigkeiten so einen Auffahrunfall sogar ganz vermeiden. Das gelingt bei niedrigem Tempo auch vor stehenden Hindernissen.

Doch zurück zum Energie gewinnen. Im standardmäßigen Auto-Modus nutzt der Electric Drive die Informationen des Radarsensors und erhöht im Schubbetrieb selbstständig die Verzögerung ohne zusätzliches Treten des Bremspedals, wenn sich die B-Klasse einem langsamer vorrausfahrenden Fahrzeug nähert. Oder das System verzichtet darauf und lässt die B-Klasse im Segelmodus ohne Verzögerung rollen, wenn der Radarsensor freie Fahrt signalisiert. Über Wippen am Lenkrad kann der Fahrer auch manuell in drei Stufen zwischen Segeln und maximaler Rekuperationsverzögerung wechseln – die fällt im Übrigen nur so stark aus, dass der rückwärtige Verkehr noch nicht mit aufleuchtenden Bremslichtern gewarnt werden muss.

Wer sich nicht auf mehr Reichweiten per Energierückgewinnung verlassen will, kann auf eine weitere Sonderausstattung zurückgreifen. Durch Drücken der Range-Plus-Taste vor dem Laden der Batterie gibt der unveränderte Akku eine größere Ladekapazität frei, was die Reichweite um bis zu 30 Kilometer erhöht. Obwohl häufiges Nutzen dieser Funktion die Lebensdauer der Batterie vermindern kann, bleibt die Garantie – acht Jahre oder 100.000 Kilometer – unverändert. Was die Elektro-B-Klasse kosten wird? Mit 39.151 Euro startet die Preisliste. Die Auslieferung soll noch dieses Jahr starten.

Technische Daten
Mercedes B-Klasse Electric Drive
Grundpreis 39.151 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4359 x 1786 x 1557 mm
KofferraumvolumenVDA 501 bis 1456 l
Leistung 132 kW / 180 PS bei 9900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
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