Mercedes C-Klasse

Feder-Führung

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Ein Mercedes darf nirgendwo durchschnittlich sein. Und er muss, so das Glaubensbekenntnis des Hauses, im Fahrkomfort die Maßstäbe setzen. Genau dieses Ziel hat die neue C-Klasse im Visier.

Neuheiten streichen die Autohersteller gern groß heraus. Aber ein Detail der neuen C-Klasse versteckt sich schamhaft in der Preisliste: Ascher, Aufpreis 29,75 Euro. Kleinvieh macht auch Mist. Ob mit oder ohne Aschenbecher: Die C-Klasse tritt an mit dem Anspruch, im Komfort, dem traditionellen Herrschaftsgebiet der Marke Mercedes, wieder neue Maßstäbe zu setzen.

Die Dynamik der Fahreigenschaften durfte dabei natürlich nicht leiden. Aber in einer Zeit, in der Agilität und Sportlichkeit zu Göttern des Automobilbaus wurden, erscheint die Rückbesinnung auf klassische Werte ebenso bemerkenswert wie vielversprechend. Reinsetzen und sich wohlfühlen. Das beschreibt die erste Komfort-Stufe, bevor überhaupt der Motor läuft.

Und schon da fällt es schwer, irgend was zum Meckern zu finden: sehr gute Sitzposition, bequeme Sitze sowie ein betont aufgeräumt wirkendes Armaturen- brett. Dazu trägt vor allem bei, dass der Bildschirm des optionalen Navigationsund Unterhaltungssystems nur dann aus seiner Ruhestellung surrt, wenn er wirklich gebraucht wird.

Der Umgang mit den verschiedenen Einstell-Ebenen hat hier einen höchst beachtlichen Reifegrad erreicht. Auf den ersten Blick ähnelt das System dem der S-Klasse. Aber es gibt zusätzlich wieder einige ganz konventionelle Knöpfe, mit denen die Hauptmenüs, Navigation, Radio oder Telefon direkt angesteuert werden. Das Ganze erscheint so klar verständlich, dass man sich tatsächlich einen Blick in die Bedienungsanleitung sparen kann, was bei einem Automobil des 21. Jahrhunderts schon einen ungewöhnlichen Umstand darstellt.

Noch leichter geht es mit der Sprachsteuerung. Die Crux derartiger Systeme, den Fahrer mit „Wie bitte?“, „Bitte wiederholen“ und schließlich „Abbruch“ zum Glühen zu bringen wie eine überbelastete Bremsscheibe, ist bei der C-Klasse Vergangenheit. Die freundliche Damenstimme reagiert mit höchster Treffsicherheit auf gesprochene Befehle. Selbst wenn man hinterlistig derart vor sich hin nuschelt, dass sogar der Beifahrer fragend die Brauen nach oben zieht.

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Ein Rückschritt

Dass die C-Klasse wieder einmal etwas größer geworden ist, wissen auto motor und sport-Leser längst. Vor allem der Zuwachs an Innenbreite macht sich in einem luftigeren Raumgefühl bemerkbar. Im Fond herrscht keinerlei räumliche Enge, was aber nicht so weit geht, dass man die größere E-Klasse ab sofort als obsolet betrachten könnte.


Die ersten Fahreindrücke heben die gute Laune weiter. Hier ist es gelungen, das typische Mercedes-Gefühl eines großen soliden Wagens mit einer ausgeprägten Behändigkeit zu verbinden. Nichts wirkt nervös, aber die Reaktionen auf Lenkbewegungen erfolgen mit hoher Präzision.

Wer es wissen will, kann den Mercedes mit beachtlichem Übermut in die Kurven werfen – er wird dabei nicht mehr registrieren als ein vorzüglich ausgewogenes, neutrales Eigenlenkverhalten und ein bestimmt, aber nicht dominant eingreifendes ESP-System. Gut, werden Sie sagen, sichere Fahreigenschaften bieten andere auch. Es ist die Kombination mit ausgezeichnetem Federungskomfort, die der C-Klasse eine Position in der ersten Startreihe der so genannten Premium-Automobile sichert.

Bodenwellen aller Art schluckt das Fahrwerk einfach weg, und was auf sehr schlechten Straßen letztendlich noch im Hintern spürbar wird, hat auf dem Weg dahin jede Lästigkeit eingebüßt. Das Geheimnis steckt in der Stoßdämpfertechnik. Agility Control heißt das offiziell, und es wäre bestimmt amüsant zu hören, was der schwäbische Bandarbeiter daraus macht.

Hauptsache aber: Die Anpassung der Dämpferkräfte an die jeweilige Fahrsituation funktioniert höchst überzeugend. Und im Gegensatz zum Aschenbecher ist sie serienmäßig. Nicht aber das Advanced Agility-Paket.

Da hat der Fahrer dann einen zusätzlichen Schalter für Sport und Komfort. auto motor und sport wird die beiden Fahrwerksvarianten noch in einem tiefergehenden Test einander gegenüberstellen, wagt aber dennoch jetzt schon eine Prognose: Wer beim Serienfahrwerk bleibt, hat an der richtigen Stelle gespart. Denn Advanced macht die Limousine im Komfort-Modus schon zu schaukelig, und die Sport-Auslegung kratzt ausgerechnet am herausragendsten Merkmal des neuen Autos, dem Federungsverhalten.

Was noch? Eine Fülle von Extras natürlich, viele davon bisher nur in den Luxuskategorien von Mercedes zu haben. Presafe beispielsweise, das die Unfallfolgen mildern kann. Oder das bereits aus der E-Klasse bekannte intelligente Licht, zu dessen Menü-Angebot Landstraßen-, Autobahn- und Nebellicht, aktives Kurvenlicht sowie Abbiegelicht gehören.

Das Motorenangebot umfasst zunächst einmal acht Triebwerke, wobei die Vierzylinder-Kompressormotoren nicht nur stärker, sondern auch sparsamer geworden sind. Gleiche Tendenz bei den Vierzylinder-Dieseln: mehr Leistung, weniger Verbrauch. Zu allen Motoren (mit Ausnahme des C 350, der die Siebengang-Automatik bietet), gehört serienmäßig das Sechsgang-Schaltgetriebe, dessen Schaltpräzision spürbar verbessert werden konnte.

Der Stern leuchtet also wieder hell in einem Segment, das man trotz ausgesprochen stattlicher Preise noch immer als Mittelklasse bezeichnet. Obwohl er beim Modell Avantgarde (siehe Spotlight) noch nicht einmal mehr oben auf der Motorhaube thront.

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Technische Daten
Mercedes C 350 Elegance
Grundpreis 46.499 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4581 x 1770 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA 475 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,9 l/100 km
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