Mercedes C-Klasse

Steuer-Mann

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

auto motor und sport auf Erprobungsfahrt mit der neuen Mercedes C-Klasse und ihrem Entwicklungschef Michael Krämer.

Fünf Fragen muss Mercedes C-Klasse-Entwicklungschef Michael Krämer der weiblichen Stimme aus dem Navigationssystem beantworten, dann weiß der dunkle C 350 genau, was sein Fahrer will – nach Hause. „Klappt doch prima, obwohl ich mit diesem Auto noch nie gesprochen habe.“ Krämer ist zufrieden: Die Weltpremiere der neuen C-Klasse liegt gerade hinter ihm und die Ausfahrt mit dem Werkswagen auf seiner Lieblingsstrecke noch vor ihm. Unliebsame Überraschungen nach nunmehr 24 Millionen absolvierten Testkilometern sollten nicht mehr zu erwarten sein.

Es geht los: Die C-Klasse springt per Knopfdruck an, denn Keyless-Go gehört genauso zur schönen neuen Welt wie die 3-D-Kartendarstellung des Navigationssystems. Ein leichter Gasstoß, und die Limousine nimmt Fahrt auf. Vorbei an Tor 16 der Sindelfinger Entwicklungsabteilung Richtung Vaihingen/ Enz auf Landstraßen, auf denen Krämer nicht nur das Können der Autos checkt, sondern auch die Arbeit seiner Ingenieure. Als Beifahrer fühlt man sich auf Anhieb wohl: Moderner Wohnungsbau geht auch an Mercedes nicht vorbei, und so ist der Achtziger-Jahre-Schick des angestaubten W203 der kühlen, klar gegliederten Architekten-Atmosphäre des Nachfolgers gewichen, der mit seiner Instrumenten-Typografie im Cockpit genauso den Zeichen der Zeit folgt wie mit den dezent-edlen Chromeinfassungen von Tacho, Drehzahlmesser und Tankanzeige.

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Außerdem gibt es mehr Platz als im Vorgänger: Zusammen mit der größeren Spurweite ist der vordere Schulterraum um 40 Millimeter gewachsen, Fahrer und Beifahrer sitzen also nicht mehr so nah nebeneinander. Hinten gibt es zehn Millimeter mehr Kniefreiheit und endlich ausreichend Platz, um die Füße unter die Sitze zu schieben. Und während sich Sturm Kyrill draußen langsam zu Orkanstärke aufschwingt, wird es innen mollig warm.

Frostige Erinnerungen an den Vorgänger, der nie richtig einheizte, wird es so nicht geben: „Wir haben jetzt eine ganz neue Klimaanlage mit geschlossenem Regelkreis, die sich besser einstellen lässt, leiser arbeitet und wirksamer kühlt oder wärmt“, sagt Krämer. Und wer die optionale Thermotronic wählt, bekommt eine Drei-Zonen-Anlage, bei der sich auch die Fondpassagiere die Luft individuell zufächeln lassen können.

Die Bedienelemente liegen gut in der Hand. „In der Entwicklung haben wir ein großes Brett mit über 100 verschiedenen Schaltern aufgehängt und daran immer wieder ausprobiert, welche wir intuitiv als am angenehmsten empfun- den haben“, erzählt Krämer. Aber was ist heute überhaupt noch typisch für die klassische Mercedes-Qualität? „Immer noch das Türschließgeräusch. Es muss auch heute so klingen wie bei den alten Modellen mit Zapfenschlössern“, so Krämer und wirft bei einer Pause die Portale zum Beweis immer wieder zu.

Der Avantgarde-Fahrer muss künftig ohne Stern auf der Haube zurechtkommen („Die Idee mit den unterschiedlichen Gesichtern für Elegance und Avantgarde stammt von Zetsche“) und darf sich trotzdem über eine gute Übersicht nach vorne freuen: Um die neuen Anforderungen des Fußgängerschutzes zu erfüllen, ist die Haube nun höher als bislang, damit der Abstand zum Motor darunter größer wird. „Dazwischen ist alles weich und nachgiebig“, beschreibt Krämer die neue Konstruktion, die Höchstwertungen bei den Crashtests in Europa und den USA einbringen soll.

Und das alles bei deutlich reduzierter Produktionszeit. 930 Minuten hat es gedauert, die alte C-Klasse zu montieren, nur noch 578 Minuten brauchen die Arbeiter an den Bändern in Sindelfingen und Bremen bei der Neuauflage, um die Einzelteile zusammenzusetzen. Dabei rollt mit ihrer technischen Basis ein Modell für die Zukunft an:

Die nächste E-Klasse (ab 2009) ist besonders im Bereich der Spritzwand und der Anordnung von Klimaanlage, Elektronik und Motor eng mit dem kleineren Bruder verwandt, und auch die Achsen weisen viele Gleichteile auf. Die C-Klasse soll somit Oberklasse- Komfort bieten, doch wer möchte, kann sich aus der Aufpreisliste auch eine Portion Sportlichkeit erkaufen – wie in diesem Testwagen C 350 Avantgarde.

Kein Zähnerüttler, aber ein straffer Bursche, der dem Fahrer nichts verschweigt. „Ich hasse Querfugen“, so Krämer. „Ich bin oft von meiner Hausstrecke zurückgekommen und habe die straffe Abstimmung moniert. Aber jetzt haben wir einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort gefunden.“ Dazu passt der herzhafte Sound der doppelflutigen Auspuffanlage, der trotz gut gedämmter Karosserie bei höheren Drehzahlen nicht an den Ohren der Passagiere vorbeigeht.

Wer es lieber sänftenmäßig mag, sei getröstet: Das Sportfahrwerk ist ein Kann, aber kein Muss, und das neue Mehrlenkerfahrwerk mit situationsabhängiger Stoßdämpferregelung soll nicht nur sanft mit den Passagieren umgehen, sondern mit der Parameterlenkung inklusive variabler Mittenzentrierung auch für überaus agile Fahreigenschaften sorgen.

Durch den Einsatz hochfester Stähle und Aluminium besonders im Vorderbau sowie neuen Techniken beim Schweißen ist das Gewicht der Rohkarosse um acht Kilogramm gesunken. Das Leergewicht liegt auf dem Niveau des Vorgängers, der Verbrauch der Vierzylinder um sechs Prozent darunter. Das reicht nicht, um anspruchsvolle CO2-Ziele zu erfüllen, aber „auf diesem Gebiet haben wir noch viel vor“, sagt Krämer.

Im Klartext: Benzindirekteinspritzer, Start-Stopp-Funktionen und ein Modell mit Erdgasantrieb werden folgen. Und ab Herbst für die C-Klasse- Diesel erstmals auch der Allradantrieb 4matic, den Mercedes nicht mehr mit Magna Steyr, sondern in Eigenregie entwickelt hat. Für Krämer geht die Erprobungsfahrt rund um Stuttgart zu Ende. Motor aus, der Bildschirm des Navigationssystems fährt wieder ein. Testet er die Neuentwicklungen seiner Abteilung eigentlich auf jeder Heimfahrt? „Nicht, wenn mich der Chef vorher gepiesackt hat.“

Technische Daten
Mercedes C 350 Avantgarde
Grundpreis 46.499 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4581 x 1770 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA 475 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,9 l/100 km
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