Mercedes CL 600

Top-Konzert

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Luxus ist, was man nicht braucht. Beispielsweise ein teures Coupé. Der neue CL von Mercedes liefert Gegenargumente. Das Top-Modell zeigt, wie genüsslich Autofahren sein kann.

Frank Knothe hatte gute Zeiten. Seit 40 Jahren vollbringt der gebürtige Dresdener das Werk eines echten Schwaben: Er „schafft beim Daimler“. In dieser Zeit hat der Entwicklungs-Ingenieur, wenn es mal wieder um ein neues S-Klasse-Coupé ging, des öfteren die stereotype Order des Vorstands gehört: Baut das beste Luxus-Coupé der Welt.

Diese Aufgabe, so steht zu vermuten, kann den Schnauzer des nun in den Ruhestand gehenden Mercedes-Technikers nicht grau gemacht haben. Schließlich gibt es im Segment der exklusiven Coupés mit Preisschildern im schlanken sechsstelligen Bereich nur wenig Konkurrenz. Aber, und das ist die Kehrseite der Medaille, es sind äußerst hochkarätige Wettbewerber: BMW beispielsweise, Aston Martin, Ferrari und Jaguar nicht zu vergessen.

Die großen Mercedes-Coupés, deren Historie bis tief in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreicht, haben vor allem beim Wechsel zur letzten Generation ihren Charakter geändert. Zum Luxus kam Sportlichkeit, weil sich auch solche einer konservativ- begüterten Kundschaft zugedachten Autos dem Zeitgeist nicht entziehen können. Das Rezept für das Coupé der SKlasse, das jetzt in den Ausführungen CL 500 und CL 600 vor uns steht, ist einfach: Man lässt zwei Türen weg und kürzt den Radstand um acht Zentimeter. Diese Zahl hat Tradition und bleibt auch beim jüngsten Modellwechsel unangetastet. Acht Zentimeter können viel oder wenig sein. Wenig, wenn man den Innenraum betrachtet. Natürlich wird hier nicht die Raumfülle des Viertürers geboten, aber der CL schrumpft auch keineswegs zu dem, was der Auto-Fachmann gern euphemistisch als 2+2 bezeichnet.

Hinten sitzt man als Erwachsener ordentlich, da sorgt auch die Aussicht auf eine lange Fahrtstrecke nicht für ungute Gefühle. Auf der anderen Seite können acht Zentimeter den Charakter eines ganzen Autos verändern – wobei allerdings noch würzende Zutaten dazukommen müssen. Etwa ein neu konfiguriertes ABC-Fahrwerk (Activ Body Control), das unerwünschten Karosseriebewegungen eigene Kräfte entgegensetzt. ABC ist im Coupé eine Spur straffer abgestimmt als in der Limousine.

Ergebnis des neuen Fahrwerks-Cocktails: Als Fahrer hat man den Eindruck, ein deutlich kleineres und agileres Auto zu bewegen als die in weiten technischen Bereichen identische S-Klasse. Exakte Lenkreaktionen tragen dazu bei, vor allem aber das fast völlige Fehlen von Wank- oder Nickbewegungen.

Selbst bei höchst engagierter Kurvenfahrt oder vollem Bremsen liegt der CL so flach und sicher auf dem Boden wie das Brett, das in diesem Zusammenhang als eindrückliches Vergleichsobjekt ungeschlagen bleibt. Ähnliches freilich können andere, ganz auf Fahrdynamik abgestimmte Autos auch. Die Besonderheit des ABC-Fahrwerks im CL zeigt sich darin, dass die Ruhe der Karosse bei extremen Fahrmanövern nicht durch harte Federung und Dämpfung erkauft wird. Beide sind beim aktiven Fahrwerk variable Parameter, und sie passen sich den jeweiligen Gegebenheiten in einer Art und Weise an, die ihresgleichen sucht. Wer erstmals mit dem CL über eine bekannte Holperstrecke fährt, könnte glauben, die Straßenbauer seien über Nacht am Werk gewesen – so geschmeidig und souverän verarbeitet die Federung Unebenheiten aller bekannten Sorten.

In der Harmonie von Fahrdynamik und Federungskomfort ist der Mercedes CL jetzt der Herausforderer, den es zu schlagen gilt. Allein das wäre für die Daimler- Entwickler nicht genug. Das Coupé gilt generell als Vorreiter neuer technischer Entwicklungen.

Die Kundschaft braucht neue Reize, nur S-Klasse zweitürig mit optisch aufgewertetem und materialmäßig edlerem Innenraum genügt da nicht. Also feiern neue Assistenz-Systeme Premiere, die – Limousinenkäufer müssen nicht in Trauer verfallen – künftig natürlich auch beim Viertürer erhältlich sein werden. Eines ist die neue Parkführung (siehe Spotlight), die dem von manchen seit Fahrschulzeiten gefürchteten Manöver den Schrecken nimmt. Zweite Neuerung ist die Pre-Safe- Bremse. Sie muss extra bezahlt werden, wobei im Preis von 1891 Euro auch der auf Radar basierende Bremsassistent Plus, der die optimale Bremskraft bereitstellt, sowie der Abstandsregeltempomat Distronic Plus enthalten sind.

Die Pre-Safe-Bremse geht noch einen Schritt weiter als die bisherigen Systeme. Zwei Radar-Nahbereichssensoren mit einer Reichweite von 30 Metern im vorderen Stoßfänger werden von einem Fernradar (150 Meter Reichweite) in der Kühlermaske ergänzt.

Nähert sich der CL einem anderen Auto, so dass ein Auffahrunfall droht, gibt es zunächst eine optische Warnung im Armaturenbrett. Reagiert der Fahrer nicht und die Situation spitzt sich weiter zu, folgt ein kräftiger Warnton. Jetzt ist es höchste Zeit zu bremsen oder auszuweichen, der Unfall ist nur noch 1,6 Sekunden weit weg. Wer jetzt, aus welchen Gründen auch immer, nichts tut, bekommt vom Auto Hilfestellung. Es bremst automatisch mit bis zu 40 Prozent der möglichen Bremskraft. Jetzt bleibt dem Fahrer noch rund eine Sekunde Zeit, durch einen energischen Tritt aufs Bremspedal die Situation zu entschärfen. Wird selbst die Automatik-Bremse als letztes Warnsignal missachtet, kommt es zum Aufprall – aber eben mit bereits beträchtlich verringerter Geschwindigkeit.

Die Unfallschwere wird dadurch, so ergaben die Mercedes-Versuche, um bis zu 40 Prozent reduziert. Eine automatische Vollbremsung mit allem, was die Scheiben hergeben, erscheint den Technikern derzeit noch problematisch, aber man muss kein Prophet sein, um darin den nächsten Schritt in der Entwicklung zu sehen. Sicherheit also, die wieder einmal Maßstäbe setzt. Da wird der Antrieb, der wahlweise aus 5,5-Liter-V8 mit Siebengang-Automatik oder V12-Bi- Turbo mit Fünfgang-Automatik besteht, ein wenig an den Rand gedrängt.

Die sehr kultivierten und starken (V8) bis bärenstarken (V12) Motoren sorgen für jene gelassene, aus dem Vollen schöpfende Art der Fortbewegung, die das wahre Luxus-Automobil auszeichnet.

Ach ja, der bei neuen Autos fast schon obligatorische Satz darf nicht fehlen: Die Triebwerke sind stärker als ihre Vorgänger. Der V8, jetzt mit Vierventiltechnik, hat 82 PS zugelegt, der Zwölfzylinder 17, wobei sein Normverbrauch sogar um 0,4 Liter zurückging. Die guten Zeiten, die sind noch lange nicht vorbei.

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Technische Daten
Mercedes CL 600
Grundpreis 161.483 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5065 x 1871 x 1419 mm
KofferraumvolumenVDA 490 l
Hubraum / Motor 5513 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 380 kW / 517 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 14,3 l/100 km
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