Mercedes CL 600

Traditionell krönt ein großes Coupé das Modellprogramm von Mercedes. Der neue CL 600 soll jedoch mehr als seine Vorgänger neben purem Luxus auch sportliche Qualitäten bieten.

Ein Jahr nach dem erfolgreichen Debüt der S-Klasse von Mercedes hat das Warten auf das von der Limousine abgeleitete Coupé ein Ende. Gemäß einer langen Tradition, die 1952 mit dem Mercedes 300 S Coupé begann, nimmt mit dem neuen Mercedes CL 600 wieder ein luxuriöser Zweitürer die Spitzenstellung im Mercedes-Modellprogramm ein.

Zumindest so lange, bis der Supersportwagen SLR (siehe Seite 14) in vier Jahren die Mercedes-Krone vom CL einfordern wird. Das Erscheinungsbild des CL ist geprägt von seiner lang gestreckten Silhouette mit der sich bogenförmig aufspannenden Dachlinie. Der Übergang von der C-Säule zum Heck erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, als würde es sich um ein Cabrio mit aufgesetztem Hardtop handeln. Die rahmenlosen Seitenscheiben und das Fehlen der B-Säulen tragen ebenfalls dazu bei, dass das Oberklasse- Coupé optisch beinahe grazil anmutet. Markentypische, aber stilistisch eigenständig ausgeführte Elemente wie das Vieraugengesicht, der an den SL erinnernde Kühlergrill und die weit in die Seitenansicht herumgezogenen, markanten Rückleuchten betonen die Familienzugehörigkeit.

Auch im Innenraum erinnert alles an Mercedes. Die Instrumente, die Schalter, das Multifunktionslenkrad und das Multimedia-System Comand sind aus der S-Limousine bekannt, beim CL allerdings in einer mit Leder bezogenen Armaturentafel und einer holzgetäfelten Mittelkonsole untergebracht. Himmel und Dachsäulen des CL 600 sind mit Alcantara bespannt. Speziell für das Coupé wurden die ebenfalls in Leder gehüllten Integralsitze entwickelt, die alle Komponenten des Gurtsystems beinhalten.

Das High-Tech-Gestühl bietet hervorragenden Sitzkomfort durch vielfältige Verstellmöglichkeiten und die auf Wunsch lieferbare Sitzbelüftung. Verspannungen soll auf langen Reisen die beim CL 600 serienmäßige Multikonturlehne vorbeugen, welche die Rückenmuskulatur auf Knopfdruck per Luftkissen massiert.

Die hinteren Sitze bieten auch Erwachsenen ausreichend Platz und lassen somit Urlaubstouren mit vier Personen keineswegs zu Tortouren werden. Anders als sein bis zu 340 Kilogramm schwererer Vorgänger C 140, von dem seit 1992 insgesamt 25 800 Exemplare verkauft wurden, soll das neue Coupé (C 215) zusätzlich zum Luxus eines großen Mercedes die Dynamik eines veritablen Sportwagens bieten.

So hofft Mercedes, mit dem verführerischen Augenaufschlag des CLGesichts auch Porsche 911- Kunden gewinnen zu können. Zusammen mit den Liebhabern edler Sport-Coupés, die von Jaguar, Aston Martin oder Ferrari erobert werden sollen, will Mercedes seinen weltweiten Marktanteil in diesem kleinen, aber feinen Segment auf 30 Prozent verdoppeln.

Das entspricht einer Stückzahl von 9000 Einheiten. Geplant ist, bis zum neuerlichen Modellwechsel insgesamt 50 000 CL zu verkaufen. Deutschland stellt mit 4000 Oberklasse-Coupés jährlich den wichtigsten Markt dar, gefolgt von den USA mit 2000 bis 3000 Autos und Japan mit 600. Rund 25 Prozent aller CL sollen den neuen 5,8-Liter- Zwölfzylinder unter der langen Aluminium-Motorhaube haben. Als CL 600 mit 367 PS kostet das große Mercedes-Coupé 224 228 Mark.

Für den CL 500 mit dem aus dem S 500 bekannten, 306 PS starken Fünfliter- Achtzylinder werden 175 392 Mark fällig. Nicht nur preislich, auch technisch markieren die CL-Modelle die Spitze. Als wichtigste Neuerung bieten sie serienmäßig das aktive Fahrwerk Active Body Control (siehe Hefte 10/99 und 17/99). ABC soll die Schwingungen der Karosserie bis zu einer Frequenz von fünf Hertz verringern.

Ebenso soll das System das Eintauchen des Aufbaus beim Bremsen und die Seitenneigung bei Kurvenfahrt auf ein Minimum reduzieren und so die Fahrstabilität erhöhen.

Das Ergebnis dieser Bemühungen um die Synthese von Komfort, Sportlichkeit und Handlichkeit kann sich sehen lassen. Auf ersten Testfahrten brachten selbst sehr zügig angegangene Serpentinen in den französischen Seealpen den rund zwei Tonnen schweren Zweitürer nicht aus der Ruhe. An das Fehlen der sonst üblichen Wankbewegungen des Aufbaus muss man sich allerdings erst gewöhnen.

Und im Langsamfahrkomfort müssen geringe Einbußen im Vergleich zur luftgefederten SKlasse- Limousine hingenommen werden. Keine Abstriche sind dagegen beim Antriebskomfort zu machen. Hier markiert der im Leerlauf kaum wahrnehmbare Zwölfzylinder mit seinem vibrationsfreien Lauf die Spitze. Mit sanfter Gewalt schiebt er aus allen Drehzahlen gleichermaßen kräftig an. Nicht einmal das Ab- oder Zuschalten der linken Zylinderreihe bemerkt der Fahrer. Die beim V12 serienmäßige Zylinderabschaltung (ZAS) legt bei Teillast unter 3000/min sechs Zylinder lahm, um Benzin zu sparen. Zumindest im ECE-Verbrauch macht sich das bemerkbar: Mit 13,4 L/100 km konsumiert er genau so viel wie der CL 500. Allerdings unterscheiden sich Acht- und Zwölfzylinder in den Fahrleistungen ebenfalls nicht nennenswert – weder im subjektiven Eindruck, noch in den Werksangaben. Nur der Ton des Achtzylinders klingt besonders bei höheren Drehzahlen etwas eindringlicher als der des V12.

Mit dem neuen CL ist Mercedes der Spagat zwischen Komfort-Limousine und Sport- Coupé besser gelungen als jemals zuvor.

Technische Daten

Mercedes CL 600
Grundpreis 120.408 €
Außenmaße 4993 x 1857 x 1398 mm
Kofferraumvolumen 450 l
Hubraum / Motor 5786 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 270 kW / 367 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 13,3 l/100 km
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