Mercedes CLK 63 AMG

Aufputsch-Mittel

Foto: Dieter Rebmann 12 Bilder

Eine ganze Armada neuer Kraftwagen hat sich im Schwäbischen bei Mercedes-AMG formiert. Sportlichster aller Neuen ist der CLK 63 mit 6,2-Liter-V8, zumal als Cabrio: Er klingt böse und geht wie der Teufel. Fahrbericht.

Eine ganze Armada neuer Kraftwagen hat sich im Schwäbischen bei Mercedes-AMG formiert. Zwei Motoren spielen dabei die Hauptrolle: ein nagelneuer V8 für E-Klasse, CLK, CLS, R und ML 63 AMG (siehe Seite 172) sowie ein V12-Biturbo für S-Klasse, CL und SL. Der Achtzylinder-Motor ist eine komplette AMG-Entwicklung, die dem aktuellen Trend zum hoch drehenden Saugmotor folgt. 6,2 Liter Hubraum verteilt der bullige Vierventiler auf acht Zylinder – das sind 776 cm3 pro Topf.

Porsche ließ dagegen stets verlauten, 600 bis 630 cm3 seien vertretbar – mehr wäre grenzwertig. Ausgerechnet Ex-Porsche-Ingenieur Bernd Ramler war jedoch treibende Kraft hinter dem neuen AMGTriebwerk: „Wir haben keinerlei Probleme mit Wandstärken und dem Zylinderabstand von 106 Millimeter. Bei kleinvolumigen, sportlichen Hochdrehmotoren hat man immer das Problem mangelnden Drehmoments untenrum, aber bei unserem Baby ist bei jeder Drehzahl genug Kraft abrufbar.“

Besonders eindrücklich ist dies beim neuen CLK 63 AMG – zumal in der Cabrio-Version: Der Motor macht ihn zum echten Sportgerät mit riesiger Kraftreserve, dessen von Ansauganlage und Auspuff gemixter Sound sich vom dunkel-säuselnden Grollen – etwa im Stadtverkehr – über immer heller werdende Blechblasklänge bis hin zum Respekt einflößenden Kreischen unter Volllast steigert. Wegen der beengten Bauraumverhältnisse fand nur ein klein dimensionierter Abgasstrang Platz – die Maximalleistung des Triebwerks liegt deshalb bei „nur“ 481 PS.

Die anderen AMG-63-Modelle leisten dagegen deutlich über 500 PS; bis zu 560 wären – so Motorenguru Ramler – machbar.

Aber das ist ohnehin ein rein akademischer Wert. Zu keinem Zeitpunkt lässt sich ein Mangel an Power feststellen. Merkwürdig: Das Cabrio hat einen Doppelauspuff, im Coupé fand sich jedoch Platz für gleich vier Endrohre. Egal.

Denn die Art der Kraftentfaltung, die Gesamtperformance des Autos – das alles überzeugt. Äußerlich nur durch markantere Schürzen, Seitenschwellerverkleidungen und 18-Zöller von den Serienmodellen zu unterscheiden, wirkt der offene CLK zunächst wie das etwas aufgemotzte Spielzeug der Zahnarztgattin. Auch das Cockpit präsentiert sich zunächst zivil – wenngleich die prächtig ausgeformten Sport-Ledersitze schon mal den wahren Verwendungszweck des Fahrzeugs erahnen lassen.

Angelassen wird der kurzhubige Motor weiterhin per Schlüsseldreh. Da AMG keine Schaltgetriebe im Programm führt, ist hier serienmäßig die Siebenstufen-Automatik mit ihren drei Schaltmodi, anwählbar über einen Schalter in der Mittelkonsole. Im Comfort- und Sport-Betrieb kann jederzeit über die silberfarbenen Schaltpaddel am Lenkrad manuell eingegriffen werden – in der S-Stellung verkürzen sich die Schaltpausen um 30 Prozent. Noch mehr Spaß macht das Ganze im Manuell-Modus: Gegenüber der Komfort-Stellung sind um 50 Prozent kürzere Schaltzeiten möglich. Mit dieser Getriebeauslegung unterbleibt neuerdings das automatische Herunterschalten bei Volllast oder Kickdown, und bei Erreichen des Drehzahllimits von 7200 Touren wird nicht hochgeschaltet.

Nur beim Unterschreiten der Drehzahl-Untergrenze erfolgt automatisch der Wechsel in eine niedrigere Stufe. Wer sportliche Serpentinenfahrten mag, wird diese Auslegung schätzen.

Das Kombi-Instrument mit optimistischer 320- km/h-Skala zeigt die jeweilige Gangstufe und mahnt rot aufflammend zum Hochschalten. Der Motor dreht ruckfrei hoch. Was man spürt, ist nicht nur das Drehmoment (500 Nm bereits bei 2000/min), sondern die stetig zunehmende Kraft.

Die Drehfreude und das spontane Ansprechverhalten überraschen in einem Mercedes: Bei BMW und Audi wird man es mit Respekt zur Kenntnis nehmen. Anders als im ML passt dieser V8 zum CLK. Ein Sportwagen wie der M3 ist der offene CLK dennoch nicht, schon wegen seines beträchtlichen Leergewichts von 1875 Kilogramm. Andererseits lässt das Cabrio selbst auf schlechten Straßen keinerlei Verwindungen spüren.

Und das Sport-Fahrwerk ist straff, aber nicht gemein und hart. Großdimensionierte Bremsen an der Vorderachse garantieren eindrückliche Verzögerungswerte – verwendet werden mehrteilige Verbundbremsen mit besserer Wärmeableitung. Keramikbremsen sollen im CLK auch künftig nicht zum Einsatz kommen. Rennsporttauglich ist der Viersitzer allemal, wie das aktuelle Formel-1-Pace Car zeigt.

Gegen Aufpreis lässt AMG das bei 250 km/h abgeregelte Cabrio immerhin 280 km/h laufen – technisch möglich wäre Tempo 300. Aber für so hohe Geschwindigkeiten greift man doch besser zum Coupé.

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Technische Daten
Mercedes CLK 63 AMG Cabriolet
Grundpreis 96.896 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4652 x 1740 x 1400 mm
KofferraumvolumenVDA 390 l
Hubraum / Motor 6208 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 354 kW / 481 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 14,4 l/100 km
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