Mercedes CLK DTM AMG Cabrio

Macht-Asyl

Foto: Rossen Gargolov 17 Bilder

Eigentlich schon ausverkauft, bekommt die 582 PS starke Coupé-Basis des Mercedes CLK DTM AMG eine zweite Chance: als eines der schnellsten viersitzigen Cabrios der Welt.

V ersprochen ist versprochen. Nach 100 Exemplaren hieß es für den CLK DTM AMG Schluss, aus, basta. Mögen die Fans in ihren klimatisierten Garagen auch noch so tränenreich geklagt haben, das selbst auferlegte Produktionslimit blieb bestehen. Doch die AMG-Truppe fand eine Hintertür: Schließlich galt die Zusage nur für das Coupé, von einer Cabrioversion war nie die Rede. Kein Wunder, wer käme schon auf die Idee, einer DTM-Replica das Dach wegzuflexen? Also Blechdach runter, Stoffdach drauf, zwei Sitze hinten rein – fertig ist eines der schnellsten viersitzigen Cabrios der Welt.

Ob die wirklich danach gerufen hat, muss sich erst noch erweisen. Im Gegensatz zum ratzfatz ausverkauften Coupé sind noch offene Exemplare zu haben – Stückpreis 277 820 Euro, 40 000 Euro mehr als für die geschlossene Variante. Peanuts für die Stammklientel, die sich gleichmäßig über den Globus verteilt: Europäer, Amerikaner, Asiaten, Araber beweisen gleichermaßen ihr Faible für die Mercedes- Exoten aus Affalterbach.

Spätestens nachvollziehbar, wenn der Kompressor-V8 seinen ersten schweren Schwinger landet. Dann bekommen nicht nur Zugluftempfindliche feuchte Augen, bei AMG-Fans dürfte sogar etwas Wehmut dabei sein.

Schließlich nimmt der 5439-Kubikzentimeter-V8 langsam seinen Abschied, übergibt das Zepter an den neuen 63er, einen frei saugenden Vierventiler mit Hochdrehzahl-Kompetenz. Alles Firlefanz, lautmalt der Dreiventiler im CLK wummernd und schießt bei Gasstößen freudig davon. Wozu also die moderne Vierventiltechnik, wenn man einen bewährten Kompressormotor hat? Geänderte Kolben, schärfere Auslass-Nockenwellen, Fächerkrümmer plus modifizierte Auspuffanlage und ein gegenüber dem Basis-CLK 55 auf 0,85 bar erhöhter Ladedruck bringen selbst Anhänger der reinen Maschinenbaulehre ins Grübeln.

Sobald der Kompressor unter tinnitusartigem Pfeifen Extraluft in die Brennräume presst, wagt niemand mehr einzuwerfen, dass die Gaswechsel mit vier Ventilen pro Zylinder vielleicht noch besser klappen könnten. Wuchtig klatscht der V8 Leistung und Drehmoment via Fünfgangautomatik gen Hinterachse. Bereits bei niedrigen Drehzahlen roh brummend, braust er beim Tritt aufs Pedal derart auf, dass selbst die griffigen Dunlop Sportmaxx in 285/30 ZR 20 die weiße Fahne hissen. Auf gnädigen Wandlerschlupf dürfen sie nicht hoffen, die Überbrückungskupplung der Automatik schnappt unbarmherzig zu.

Mit schnellen Schaltvorgängen an den hart rastenden Lenkradpaddeln erinnert sie an ein konventionelles sequenzielles Getriebe, allerdings ohne das in Sportlerkreisen übliche Zwischengas-Posaunen. Im Übrigen glänzt der Posten Understatement beim schnellen Cabrio großzügig durch Abwesenheit. Von der Frontschürze über die ausgestellten Radhäuser im offensiven Tuningstil der Achtziger bis zum Heckdiffusor gibt der CLK konsequent den skalpierten Racer.

Dabei nutzt er die geschmackliche Ideallinie bis auf die Curbs aus, rodelt für manche sogar durchs stilistische Kiesbett. Anders beim Pit Stop an der Nachttanke. Für die Jungs mit den Hahnenkammfrisuren und den tätowierten Kleinwagen steht das Cabrio klar auf der Pole-Position. „Wie schnell?“ „300, aber abgeregelt.“ „Wie viel PS?“ „582, mindestens.“ „Krass“ - meint Murat. Seine Augen blitzen, während er mit den Fingerspitzen den aufgesetzten Heckspoiler liebkost.

Der ist wie die Motorhaube, die vorderen Kotflügel, Türen und hinteren Kotflügelverbreiterungen aus Kohlefaserlaminat. Ebenso die Karbon-Möblierung des Innenraums mit penibel ausgerichteter Faserstruktur. Von der Mittelkonsole über die Türverkleidungen bis zu den Alcantara-gepolsterten Sitzschalen vorn und hinten: alles passgenau, klapperfrei, individuell. Da sieht man es den vier kleinen Knöpfchen am struppigen Wildleder-Lenkrad gern nach, dass sie weder Boxenfunk noch Trinkflasche aktivieren, sondern nur Bordcomputer und Stereoanlage.

Zumal Motor- und Getriebeölthermometer den Unterschied zu den bürgerlichen CLK ebenso eindeutig dokumentieren wie die Tachoskala, die in 30er-Schritten der 360 entgegenstrebt. Durchaus schlüssig, denn kleinere Einheiten würden dem Piloten bei Nutzung des gebotenen Bewegungstalentes ohnehin entgehen. Etwa dann, wenn das straff abgestimmte Bilstein-Gewindefahrwerk mit seinen nahezu spielfreien Unibal-Gelenken gemeinsam mit der direkt arbeitenden Lenkung auf kurviger Piste den Unterschied zur Serie darlegt.

Kurvenverlauf scannen, anvisieren, spät bremsen, auf den Punkt einlenken und mit Macht herausbeschleunigen. Leichtem Untersteuern kommt man mit dosiertem Leistungseinsatz bei, das elektronische Stabilitätsprogramm lässt dabei genug Leine, das Lamellen-Sperrdifferenzial erhöht die Traktion. Unsensible machen dennoch Bekanntschaft mit einer rigorosen Elektronik, die unerwünschte Rotationen von Reifen und Auto verhindert. 800 Newtonmeter Drehmoment bei 3500 Umdrehungen verlangen nach Gefühl – oder einer unlimitierten Autobahn.

Nach rund vier Sekunden ist Tempo 100, nur neun Sekunden später 200 erreicht. Ohne den Einsatz des elektronischen Begrenzers würde der CLK sogar die 300er-Marke mit Wucht durchbrechen. Wirklich traurig dürfte darüber kaum jemand sein, denn dachfrei und mit versenkten Seitenscheiben wird die Sache schon bei zivilerem Tempo zur zugigen Angelegenheit. Jenseits der 250 km/h sollten Toupetträger mit dem Zweiseitenklebeband ihres Vertrauens arbeiten, von Baseballkappen kann man sich gleich verabschieden.

Doch selbst bei heraufgefahrenen Fenstern geht es hinter den Verkleidungskuppeln von Suzuki Hayabusa und Co turbulenzfreier zu. Aber wahrscheinlich ist es genau dieser tosende Orkan, den Tempogewohnte vom schnellen viersitzigen Cabrio verlangen. Mika Häkkinen und Juan Pablo Montoya fahren jedenfalls schon eines.

Technische Daten
Mercedes CLK DTM AMG
Grundpreis 236.060 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4650 x 1800 x 1360 mm
KofferraumvolumenVDA 395 l
Hubraum / Motor 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 428 kW / 582 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Verbrauch 13,6 l/100 km
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