Mercedes E 320 Bluetec

Blue-Probe

Foto: Daimler-Chrysler 7 Bilder

Das Blut, das in der Abgas-Vene des E 320 Bluetec fließt, heißt Ammoniak und reduziert Stickoxide auf das strenge US-Niveau. Mercedes führt den saubersten Diesel der Welt zuerst in den USA ein, 2008 auch in Europa.

Portier Dan vom Wynn in Las Vegas lauscht, tritt näher, fragt ungläubig: „A Diesel? I can’t hear it!“

Das Anlassen als akustisches Aha-Erlebnis hatten die Deutschen in den frühen Neunzigern. Den Amerikanern steht es jetzt mit dem E 320 Bluetec bevor – laut Mercedes der sauberste Diesel der Welt. Und er lässt sogar deutsche Ohren spitzen. So leise schnurrt der Dreiliter-V6- CDI nicht einmal in der geräuschverwöhnten alten Welt. Jetzt klingt er wie ein rau laufender V6-Benziner.

Für die US-Version gaben sich die Akustikbauer besondere Mühe und stopften ergänzendes Dämm-Material in den Motorraum. Zusätzlich schluckt eine Katalysator- Batterie (siehe Spotlight S. 60) nicht nur Abgase, sondern auch Lärm. Schließlich muss Mercedes die Diesel- Diaspora USA vom Vorurteil aus der Selbstzünder-Steinzeit bekehren: Für Amerikaner ist ein Diesel lahm, laut und stinkt. Nun soll der Appendix Bluetec dem ehemaligen Nagler einen frischen Namen verleihen. Der Bluetec-Saubermann mit der weißen Stickoxid-Weste soll in den USA für ein reines Abgas-Gewissen sorgen.

Und gleichzeitig den Schreck über den immer europäischer werdenden Benzinpreis überwinden helfen. Mercedes tritt als Schock-Absorber auf und startet den Sympathie-Feldzug für den Dieselmotor zu einer Zeit, da die Ohren fürs geldbeutelschonende Energiesparen offen stehen. Weniger als sieben Liter soll der 51 550 Dollar teure E 320 Bluetec im Schnitt auf 100 Kilometer verbrauchen – das verfeuert mancher Bigblock in der Warmlauf-Phase. Bislang bewarb Mercedes den CDI in den USA nicht als Benziner-Alternative, da er vor künftigen Abgasvorschriften kapitulierte. Das ändert sich mit Bluetec. Zusätzlich zu Oxidationskatalysator, Partikelfilter sowie Stickoxid- Speicherkat folgt der SCR-Kat für die selektive katalytische Reduktion.

Damit unterbietet Mercedes die BIN 8, nicht jedoch die strengere BIN-5-Norm von Kalifornien, Maine, Massachusetts, New York und Vermont. Dort wird Bluetec erst mit Einführung der nächsten Ausbaustufe geduldet: der Harnstoff-Einspritzung (siehe dazu Interview mit Daimler-Chrysler- Entwicklungsvorstand Thomas Weber, S. 168).

Aus einem rund 20 Liter großen Zusatztank wird die Adblue genannte Flüssigkeit vor dem SCR-Kat in den Abgas-Strang eingespritzt, was den DeNOX-Speicherkat ersetzt. Zukunftsmusik, da amerikanische Tankstellen noch keine Harnstoff-Lösung flächendeckend bereitstellen.

Sie stellen zunächst einmal auf schwefelarmen Diesel um, was die Einführung von Bluetec erst ermöglicht. Mit einem Auto-Marathon startete Mercedes im vergangenen Frühjahr die Werbekampagne für den sauberen Diesel: Im texanischen Laredo rauschte ein E 320 CDI 100 000 Meilen lang mit einer Durchschnitts- Geschwindigkeit von über 224 km/h dahin. Ein Tempo, das in den USA jenseits einer Rennstrecke die Eintrittskarte ins Gefängnis löst – und das der E 320 Bluetec noch im Teillast-Bereich erzielt.

Einen Hauch Leistung kostet der zusätzliche Katalysator als Abgas-Bremser dennoch. 210 PS und 526 Nm Drehmoment weist das Mercedes-Datenblatt aus, doch der eigene Gasfuß erspürt ein größeres Defizit: Der Sechszylinder spricht verzögert an, wehrt sich mit seiner Trägheit gegen spontanes Überholen und lässt den Nm-Bullen nur zögerlich von der Kette. In den tempokastrierten Staaten ist das unerheblich, gondelt man doch die meiste Zeit mit leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl und 55 Meilen pro Stunde dahin. Fahren im sanften Fluss, ohne Tempo-Änderung und ohne einen störenden Laut aus dem Motorraum. Anders als die sportlichen Sprintwerte von unter sieben Sekunden auf 97 km/h suggerieren, ist der E 320 Bluetec ein Executive-Liner – ein passendes Verkehrsmittel für die entspannte Reise über lange Strecken.

So komfortabel und leise, dass sich das eigentliche Fahren schnell in selbstverständlicher Beiläufigkeit verliert und das Wachbleiben zur einzigen Anstrengung wird. Vom Ratter-Stinker zum Umwelt- Engel – diese Image-Performance des Diesels muss der amerikanische Autofahrer erst verkraften. Das klappte nicht einmal in Europa über Nacht. Da kann Mercedes nur hoffen, dass bekehrte Multiplikatoren wie Portier Dan viele Gäste an ihrer neuen Erkenntnis teilhaben lassen. Und sich die frohe Botschaft von Bluetec schnell verbreitet.

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