Mercedes E 500 T

Innere Werte

Foto: Uli Jooß 12 Bilder

Bei der aktuellen E-Klasse, die sich nach rund einer Million verkauften Exemplaren in aufgefrischter Form präsentiert, bleiben die Änderungen an der Optik ziemlich dezent. Die Botschaft stellt ein klassisches Mercedes-Thema in den Vordergrund: Sicherheit über alles.

Wenn ein Mercedes die Hälfte seiner geplanten Lebensdauer erreicht hat, geht der „Mopf“ um. Unter der Regie dieses fleißigen Wesens, das mit vollem Namen Modellpflege heißt, dürfen sich die Entwickler Verbesserungen ausdenken, Mängel beseitigen und neue Ideen einbringen.

Stilistische, technische, ganz nach Geschmack – solange der vorgegebene Mopf-Finanzrahmen nicht überschritten wird. Bei der aktuellen E-Klasse, die sich nach rund einer Million verkauften Exemplaren in aufgefrischter Form präsentiert, bleiben die Änderungen an der Optik ziemlich dezent. Die neu gestalteten Scheinwerfer fallen auf, auch der wieder mehr im Stil eines klassischen Mercedes-Kühlers gestaltete Grill und beim Kombi die oberhalb der Heckklappe angeordnete dritte Bremsleuchte, die als die wohl längste der Welt gelten darf.

Das alles ist nicht weiter aufregend, verkündet gerade mal, dass hier die neue Ausführung unterwegs ist, ohne die bisherigen Versionen alt aussehen lassen. Das Gleiche gilt für den Innenraum, wo man ein neu im Stil von CLS und SL geformtes Lenkrad ergreift, im Übrigen aber alles andere vorfindet, wie man das gewohnt ist. Und das ist auch gut so: Die E-Klasse weckt damit ein höchst wohl tuendes Gefühl der Vertrautheit, sie stellt im besten Sinne des Wortes einen konservativen, auf jegliche Effekthascherei verzichtenden Mercedes dar.

Dazu trägt auch bei, dass neue Bedienungs- Modi vom Mopf-Etat nicht toleriert wurden. Kein Universalknopf also wie in der S-Klasse, sondern das klassische Comand-System, das fast schon ein bisschen altmodisch wirkt, aber im Bedientest von auto motor und sport (siehe Seite 72) mit die besten Noten einheimste.

Der Beschränkung auf wenige Designakzente ließ finanziellen Spielraum für technische Verbesserungen. Dass die einst hoch gelobte elektrohydraulische Bremse einer konventionellen Anlage zum Opfer fiel, wird publizistisch als Randerscheinung behandelt. Kein Wunder: Es war der Weg technikbesessener Ingenieure in eine der Sackgassen der Auto-Historie. Eine Firma, die auf dem Gebiet der Sicherheit mehr wegweisende Erfindungen gemacht hat als jede andere auf der Welt, hat hier Lehrgeld wie nie zuvor bezahlt.

Bei der Auffrischung der E-Klasse spielt nicht, wie heute vielfach üblich, die sportliche Dynamik die erste Geige. Sondern, ganz im Sinne der Stern- Tradition, die Sicherheit der Insassen. Pre-Safe ist Serienstandard, jenes aus der S-Klasse bekannte Gurt-straffen- Fenster-schließen-Sitze-in-optimale- Position-bringen-Schauspiel, mit dem das Verletzungsrisiko verringert werden soll. Pre-Safe wird in den unterschiedlichsten Situationen aktiv. Beim Unterschätzen einer Kurve etwa und daraus resultierendem starkem Untersteuern.

Oder wenn der Fahrer auf Schnee bereits im ABS-Bereich bremst und, ein Hindernis auf sich zukommen sehend, in Panik den Pedaldruck weiter erhöht. Das Auto bremst dann nicht besser, aber Pre-Safe mildert, in den Grenzen der Physik, die Folgen des drohenden Aufpralls. Dem gleichen Zweck dienen aktive Kopfstützen. Wenn der Hintermann trotz der per Blinken eine Notbremsung verkündenden Bremsleuchten ins E-Klasse- Heck rauscht, werden die Kopfstützen in wenigen Millisekunden nach vorn geschoben.

Das verringert das Risiko eines Schleudertraumas, das, so die Sicherheits-Päpste von Mercedes, zu den häufigsten Unfallverletzungen überhaupt gehört.

Alle bisher erwähnten Sicherheits- Features sind serienmäßig, nicht aber das Intelligent Light System. Das bekommen nur die Käufer des Topmodells E 63 AMG mitgeliefert, die anderen zahlen 1618 Euro bei Classic- und Elegance-Ausstattung, 481 Euro bei Avantgarde mit bereits serienmäßigem Bixenon-Licht. Wie sich das variable Licht (siehe Kasten rechts) in der Praxis bewährt, wird ein späterer Test zeigen.

Jedenfalls hat Mercedes damit wieder ein Signal gesetzt, denn ein vergleichbares System gibt es derzeit bei keinem anderen Auto. Angesichts der Sicherheits-Offensive mögen andere Neuheiten verblassen. Etwa die stärkeren Motoren, wobei der aus der S-Klasse bekannte 5,5- Liter-Achtzylinder des E 500 den größten Schritt nach vorn macht: 388 PS bedeuten ein Plus von 26 Prozent, mehr aber noch einen derart souveränen Antriebs-Luxus, dass sich mancher fragen wird, ob es denn überhaupt noch eine S-Klasse sein muss. Das kleinere Auto hat seine Vorzüge, vor allem, wenn es, wie die E-Klasse, handlicher gemacht wurde. Dafür sorgen in erster Linie eine um zehn Prozent direkter übersetzte Lenkung sowie eine Neuabstimmung des Fahrwerks zugunsten neutralen Eigenlenkverhaltens und verringerter Wankneigung.

So kommt zum Schluss also doch ein Schuss Fahrdynamik ins Spiel. Aber keine Sorge: Der Fahrkomfort blieb so wohl tuend wie eh und je.

Technische Daten
Mercedes E 500 T Elegance
Grundpreis 67.771 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4888 x 1822 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA 670 bis 1930 l
Hubraum / Motor 5461 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 285 kW / 388 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,7 l/100 km
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