Mercedes F-Cell

A-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb

Foto: Hartmann, Seufert, Jeske 8 Bilder

Daimler hat mit der Brennstoffzelle das Antriebskonzept der Zukunft im Auge. Start soll 2010 sein. auto motor und sport fuhr es schon heute.

Wie wird das Auto der Zukunft aussehen? Wie wird es angetrieben, welche Kraftstoffe werden wir tanken? „Prognosen“, wusste schon Mark Twain, „sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Und so kommt es, dass sich Planer in der Autoindustrie heute kaum darauf festlegen wollen, wie der Individualverkehr in zehn oder 20 Jahren aussehen wird. Zu unterschiedlich sind Konzepte, Zielvorstellungen und der Stand verschiedener Techniken. Klar ist in Zeiten intensiver Klimadiskussion nur, dass die Hersteller unter dem verschärften Druck stehen, die klimarelevanten Emissionen der Autos weiter zu reduzieren. Dass sie diese Zielsetzung ganz unterschiedlich interpretieren, zeigte sich kürzlich auf dem World Mobility Forum der Motor Presse Stuttgart.

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Die Palette der dort ausgestellten umweltfreundlichen Exponate reichte von der vergleichsweise einfachen Eco-Optimierung über Hybridmodelle und gasbetriebene Alternativ-Varianten bis zum Brennstoffzellen- Konzept, das Mercedes in einer A-Klasse präsentierte. Das Schönste dabei: Dieser lange als futuristisch geltende Antrieb ist heute nicht nur greifbar, sondern sogar fahrbar. Und zwar in der Karosserie einer A-Klasse der vorigen Modellgeneration.

Zukunft trifft Vergangenheit

Zukunft trifft Vergangenheit sozusagen. Selbstverständlich ist diese Nachricht keineswegs. Denn mit Prognosen zum Start der Brennstoffzelle machte Mercedes schon leidvolle Erfahrungen. Bereits 1997 hatte man ihn für das Jahr 2004 angekündigt. Doch der Abstand zur Zukunft, so kolportierten Spötter seither, bleibt bislang immer der gleiche. Christian Mohrdieck, Leiter der Brennstoffzellen- und Batterieentwicklung bei Daimler, kann das so natürlich nicht gelten lassen. Zwar räumt er anfangs zu optimistische Einschätzungen ein, der in der A-Klasse repräsentierte Entwicklungsstand habe sich aber in einer 60 Autos großen Testflotte seit gut drei Jahren bewährt. „Ohne gravierende Probleme“, wie er betont.

Die Brennstoffzelle als Herz des Antriebssystems habe ihre Bewährungsprobe in der Praxis bisher mit Bravour absolviert. Einsteigen also zur Probefahrt. Unübersehbar kündet der Schriftzug F-Cell vom Antriebsprinzip.

Der Start erinnert ein wenig an die Zeiten der Diesel-Gedenkminute. Sobald der „Zündschlüssel“ in Startposition bewegt wird, erwachen dezent summende Hilfsaggregate zum Leben. Einige Sekunden später schnellt ein Zeiger im Instrumentenbord in Bereitschaftsstellung – das Startsignal für freie Fahrt. Spontan reagiert der Elektromotor dann auf den Druck des Fahrpedals. Wie erwartet setzt der kräftige Schub – typisch für Elektromotoren – sofort und mit Nachdruck ein. Angesichts scheinbar nur spärlicher 65 kW (87 PS) heißt es da Abschied von gewohnten Erfahrungen nehmen. Maximal 210 Nm Drehmoment, praktisch aus dem Stand – dafür müsste ein Verbrennungsmotor rund zwei Liter Hubraum aufbringen. 

Der Straßenbahn-Sound bleibt erfreulicherweise aus, der Elektromotor arbeitet fast geräuschlos. Dafür aber meldet sich die Förderpumpe akustisch zu Wort, die den Wasserstoff zur Brennstoffzelle fördert. Mit an- und abschwellendem Singsang reagiert sie auf die Befehle des Fahrpedals, während der Motor die erwünschte Kontinuität produziert. Das alles erinnert ein wenig an die Anfänge der stufenlosen Automatik, als akustischer und gefühlter Eindruck mitunter auseinanderklafften. Auf ein Getriebe kann die A-Klasse F-Cell aber verzichten. Der Elektromotor beschleunigt den kleinen Mercedes ohne Zugkraftpausen und erreicht bei 140 km/h den Gipfel seiner Möglichkeiten. Mitschwimmen auf der Autobahn ist damit genauso problemlos möglich wie im Stadtverkehr.

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