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Mercedes F700

Zukunftsreisend

Foto: Hersteller 8 Bilder

Sind künftige Verbrauchsziele der Tod großer Limousinen? Ein solches Szenario kann eine Marke wie Mercedes nicht ruhen lassen. Das Forschungsauto F 700 sucht nach Antworten auf kommende Herausforderungen.

14.07.2008 Klaus-Ulrich Blumenstock

Kleinwagenhersteller werden sich die Hände reiben: Seit die Politik die Autobauer an die CO2-Kandare nehmen will, haben sie einen Wettbewerbsvorteil. Hersteller großer Luxusautos hingegen kämpfen um so heftiger mit den Gesetzen der Physik, denn Größe und Gewicht gehen auf den Verbrauch. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, allenfalls optimieren.

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Die Aufgabenstellung für den F 700 war also klar: Das Gute im Format einer S-Klasse erhalten, aber möglichst mit dem Verbrauch eines Kleinwagens. 5,3 Liter auf 100 Kilometer – diese aufsehenerregende Botschaft trug der ziemlich exotisch gezeichnete F 700 von der letzten IAA in die Welt. Wie sich ein solches Auto fährt, dieses Erlebnis hatte Mercedes Außenstehenden bisher vorenthalten.

Vier Steuergeräte dirigieren unter der Haube

Aus gutem Grund: Die Übergänge zwischen den Betriebszuständen waren anfangs noch nicht so, wie sich das die Techniker vorgestellt hatten. „So wollten wir das Konzept der Öffentlichkeit nicht präsentieren“, sagt Herbert Kohler, der leitende Antriebsforscher. Er meint damit jenes Diesotto-Motorenkonzept, das auf kleinen Hubraum plus Aufladung sowie zusätzliche Technik baut. Allein vier Steuergeräte braucht es, um das High-Tech-Konzert zu dirigieren. Da verwundert es kaum, dass die Forscher einige Zeit fürs Feintuning benötigten

Größe und Innenraum weisen den F 700 keineswegs als S-Klasse im Öko-Büßergewand aus. Passt dazu aber ein nur 1,8 Liter schmächtiger Motor? Akustisch wohl kaum, denn er klingt eben wie ein klassischer Vierzylinder, und zwar wie einer der kernigeren Art. Wird der Motor gefordert, entsteht ein zwiespältiger Eindruck. Man spürt, was die Ohren kaum glauben wollen: Zum Spurt auf 100 km/h vergehen kaum mehr als sieben Sekunden – wie von hubraumgrößeren Aggregaten gewohnt.

Dass die Techniker noch am Sound-Design arbeiten müssen, um den 238 PS auch einen erwachsenen Klang beizubringen, ist ihnen indes schon klar. Viel entscheidender ist, wie sich das Diesotto-Konzept auf die Fahrbarkeit auswirkt. Spitzfindiges Suchen nach der Nahtstelle vom konventionellen Zündkerzen-Betrieb zur kontrollierten Selbstzündung bleibt erfolglos. Da sind selbst die Schaltvorgänge der bekanntermaßen sanft agierenden Siebenstufen-Automatik deutlicher zu spüren.

Hybridtechnik im F 700

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der F 700 mit einem zwischen Motor und Getriebe eingefügten Elektroaggregat zum Hybrid wird. Es ist allerdings nicht allein die Leistung von 25 kW (34 PS), die ein solches Aggregat beim Beschleunigen hinzufügt und so ein maximales Drehmoment von 400 Nm ermöglicht. Es bietet auch die Möglichkeit, Ungleichförmigkeiten im Antriebsstrang zu dämpfen, und das kommt dem F 700 zugute. Hybridtypische Vorzüge wie das elektrische Boosten und das Rückführen der Bewegungsenergie zur 120-Volt-Batterie im Heck unterstützen die Effizienz.

Der Fahrer spürt davon praktisch nichts, aber es hilft dem Verbrauch. Bei der Frage, wie sich im Vergleich mit einer S-Klasse die Kraftstoffeinsparung zusammensetzt, schätzt Entwickler Günter Karl den Anteil des Diesotto auf etwa die Hälfte. Der Rest geht auf das Konto des Hybridsystems und weiteren technischen Feinschliffs wie Start-Stopp-Funktion, Leichbau oder Aerodynamik.

Lasertechnik für den Komfort

Dass der Luxusanspruch unter dem hehren Verbrauchsziel nicht leiden muss, soll neben der komfortablen Innenausstattung auch das adaptive Pre-Scan-Fahrwerk zeigen, eine Weiterentwicklung der Adaptive Cruise Control (ACC). Mit Lasersensoren, die den Straßenzustand abtasten, können Federung und Dämpfung auf kommende Unebenheiten eingestellt werden – mit verblüffendem Komfortgewinn.

Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten trägt das System den F 700 förmlich über Schwellen und Schlaglöcher. Nicht nur den CO2-Vorgaben der EU kommt Mercedes also ein gutes Stück näher, sondern auch ein kleines bisschen dem Ideal des fliegenden Teppichs.

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