Mercedes G 320 CDI

Besser den G

Foto: Uli Jooß 20 Bilder

Altenteil? Gnadenbrot? Von wegen: Nach 28 Jahren macht Mercedes seinen Klassiker erneut fit für die Zukunft. Mit dem modernen Dreiliter-V6-Diesel wird der G 320 CDI sogar zum besten G-Modell aller Zeiten.

Seine kantige, von Zeitgeist und Windkanal ungebeugte Karosserie verspricht Robustheit und Charakterstärke und rettet damit die Mercedes-Tugenden der guten alten Zeit in eine neue, schnelllebigere Welt. Nur wer genau hinschaut, wird die Bi-Xenonscheinwerfer und Nebellampen mit Abbiegelicht sowie die neue Grafik der Rückleuchten bemerken. Mit seinem immensen Kletter-Potenzial dank permanentem Allradantrieb und voll sperrbarer Differenziale ist er noch immer bestens für unwegsames Gelände gerüstet, allein auf einen rundum überzeugenden Motor musste die Kundschaft bislang verzichten.

Bekannter aus dem Mercedes-Regal

Die beiden V8-Benziner in G 500 oder gar G 55 AMG haben Durst wie ein Kamel nach einer Nonstop-Sahara-Durchquerung. Und die Diesel sind entweder zu schlapp (2,7-Liter-Fünfzylinder im 270 CDI) oder warten mit dem Handling einer Öresund-Fähre auf (Vierliter-V8 im G 400 CDI). Beide ersetzt seit Kurzem der Dreiliter-V6 mit Rußpartikelfilter im G 320 CDI, der sich bereits in vielen anderen Mercedes-Typen seine Meriten erworben hat.

Völlig ungerührt schiebt der Drehmoment-Riese die Schrankwand auf Rädern noch mit Reisetempo 160 km/h über die Piste, zieht fleißig Mahagoni-Yachten oder Pferdeanhänger und bügelt im Verbund mit der formidablen Geländetauglichkeit des Allradlers selbst Geröllhalden zu Bundesstraßen. Doch während der Dreiliter-V6 in den Limousinen noch die Rolle der kultiviert nachdrücklichen Turbine spielt, wirkt er im G-Modell rau und urgewaltig.

Archaisches Fahrverhalten

Ein kerniges Laufgeräusch und leichte Vibrationen begleiten die Darbietung, bei höheren Geschwindigkeiten braust ein Sturmwind um die kantige Stahlhaut. Auch bei den Fahreigenschaften merkt man ihm an, dass er einst für Motoren mit kaum mehr als 100 PS entwickelt wurde. Denn neben enormen Schwankbewegungen stört besonders der unruhige Geradeauslauf, dem man mit der indirekten Lenkung und ihren zu geringen Rückstellkräften nur unvollkommen Paroli bieten kann. Ziemlich archaisch für einen als langer Viertürer mindestens 71.876 Euro teuren Offroader.

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