Mercedes GL

G wie Goliath

Foto: Achim Hartmann 16 Bilder

So viel Mercedes war bisher Sache der Nutzfahrzeug-Abteilung. Mit dem in erster Linie für die USA gedachten GL beglückt Mercedes die Amerikaner erstmals mit einem „Premium Fullsize Sport Utility Vehicle“.

Das große G, einst erfunden für einen längst legendären Geländewagen, führt beim jüngsten Mercedes auf eine falsche Spur. Der GL, der sein Debüt ganz gezielt auf der Auto Show in der amerikanischen Motor-City Detroit gab, hat mit dem G-Modell nicht viel mehr gemeinsam als vier angetriebene Räder. Ein Nachfolger für den kantigen Offroad- Burschen will er nicht sein. Der alte G wird weitergebaut bis mindestens 2009.

Entwarnung für die treue Fan- Gemeinde des naturreinen Geländewagens. Der GL braucht andere Freunde, und es ist auch klar, wo die zu finden sind. 80 Prozent der Produktion sind vorgesehen für das gelobte Land der Stars und der Sterne und der großen Autos. Wo zierliche Ladies oft die dicksten Trucks fahren, und wo es für alles und jedes eine passende Abkürzung gibt. SUV beispielsweise, Sport Utility Vehicle oder sportliches Nutzfahrzeug.

Darunter versteht der Amerikaner Autos, die praktisch alles können. Die ganze Familie plus Hund und Schlauchboot und Grill komfortabel über Highway, Stock und Stein ins Wochenende befördern. Das ist nützlich, und der Sport kommt auch nicht zu kurz. Der Mercedes GL ist ein SUV, wie er klassischer nicht sein könnte. Korrekt gesagt ein Fullsize-SUV. So wie die Großen der Branche – beispielsweise der Cadillac Escalade, der Lincoln Navigator oder auch der japanische Infiniti QX 56. Womit schon die wichtigsten Konkurrenten genannt wären. Der GL begegnet ihnen auf Augenhöhe.

Er präsentiert sich als erster Mercedes, der im Truck-Land nicht unterernährt wirkt. Sondern verdammt cool. Meint jedenfalls die kleine Lady auf dem Wal-Mart-Parkplatz. Die begleitende M-Klasse degradiert er zum zwergwüchsigen Kümmerling, wozu nicht nur die gewaltigen Abmessungen beitragen, sondern auch die in weiten Teilen differente Karosserie.

Da gibt es Ecken und Kanten statt geschmeidiger Rundungen und eine klassische Seitenansicht ohne modisch geschwungene C-Säule. Der GL ist über fünf Meter ernsthaftes Auto. Mächtig macho. Wer nicht gleich an europäische Straßen und Parkhäuser denkt, wird ihn auch mächtig praktisch finden.

In seinen Laderaum (300 bis 2300 Liter) passt je nach Lage der Sitze alles, was der moderne Mensch (lies: Amerikaner) in der Freizeit so brauchen könnte – ausgenommen vielleicht ein Atomstromgenerator. Oder eben jede Menge Menschen – sieben, um ganz genau zu sein. Die dritte Sitzreihe (optional in Europa, serienmäßig in den USA) lässt sich dabei per Knopfdruck elektrisch falten.

Das macht den Kids tierisch Spaß, weshalb ein erzieherischer Hinweis auf die begrenzte Kapazität von Autobatterien angeraten erscheint. Was das Sitzen selbst angeht: Im GL gibt es keine Strafbank. Er ist so groß, dass man von ganz vorn bis ganz hinten gut sitzt und auch mit der Kopffreiheit keine Schwierigkeiten bekommt. Die Klimaanlage fördert Wohlbehagen in den Fond durch Ausströmer im Wagenhimmel. Da gehören sie hin, weil sie wenig Zug machen und der Nachwuchs nicht nörgeln muss. Abgelenkt wird er durch spannendes DVD-Angebot auf Bildschirmen in den Kopfstützen (serienmäßig in den USA, Option in Europa). Moment mal.

Das sieht ja ganz danach aus, als würde das 80-Prozent- Gros der US-Kundschaft besser behandelt als die 20 Prozent aufrechter Europäer, die sich den amerikanischsten aller Mercedesse in die hoffentlich passend geschnittene Garage zu stellen bereit sind. Stimmt so aber nicht.

Die Amis bekommen die netten Spielereien, die Europäer die feine Technik, die ihnen offroad oder am Stammtisch unaufhaltsame Durchzugskraft sichert. Beispielsweise Verteilergetriebe mit Geländeübersetzung.

100-Prozent-Sperre im Zentraldifferenzial. 100-Prozent- Sperre in der Hinterachse. Der Euro- GL will Geländewagen sein. Der Ami- GL ein Luxus-Cruiser. Anpassungen an die jeweils andere Fraktion sind möglich und erwünscht, weil sie extra Geld in die Firmenkasse spülen. Nicht alles geht. Das Fahrwerk der US-Version ist weicher abgestimmt, allerdings, wie der erste Fahrkontakt zeigt, nicht schwammig, sondern eben mit klarer Betonung des Komforts. Unter besonderer Berücksichtigung der Germanen soll in den ECE-Varianten der Furor dynamicus wirken in Form strafferer Abstimmung der serienmäßigen Luftfederung.

Da darf, mit Verlaub, um Augenmaß gebeten werden, denn das Letzte, was solch ein Brocken braucht, ist sportlicher Habitus. Allein ein neuer V8-Motor bringt schon Dynamik genug. Er sitzt im GL 450, ist fast 4,7 Liter groß und sorgt bei höchster Laufkultur für sehr wackere Fahrleistungen. Zusammen mit der bekannten Siebengang-Automatik eine weit gehend perfekte Antriebseinheit, auch wenn in der Alten Welt die beiden Diesel-Versionen (siehe Tabelle) den Käuferwünschen wohl eher entsprechen werden. In Amerika startet der GL im Sommer, in Europa im September.

Dann kann es losgehen auf die große Reise mit dem großen Tourer. Großer Tourer? Dafür müssen Sie nicht mehr auf R schalten.

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Technische Daten
Mercedes GL 450
Grundpreis 83.538 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5088 x 1920 x 1840 mm
KofferraumvolumenVDA 620 bis 2300 l
Hubraum / Motor 4663 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 250 kW / 340 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Verbrauch 13,1 l/100 km
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