Mercedes GLK

Klein G-Tier

Foto: Hans-Dieter Seufert 8 Bilder

BMW X3 aufgepasst: Mercedes schickt mit dem GLK einen kompakten SUV ins Rennen um die Gunst der Käufer. Wie sehr mit ihm künftig zu rechnen ist, zeigt der erste Fahrbericht.

Spät kommt der Mercedes GLK, aber wohl nicht zu spät. Denn einerseits ist das Segment der kompakten Offroader mittlerweile gut besetzt. Andererseits ist dort von den Premium-Herstellern bislang nur BMW mit dem X3 vertreten. Toyota RAV4 und VW Tiguan spielen in einer niedrigeren Preisklasse und sind daher keine echten Konkurrenten. Der GLK hat dagegen das Zeug zum Rivalen.

Nicht zuletzt, weil zum Marktstart im Herbst ausschließlich Sechszylinder-Motoren angeboten werden. Unter 43.500 Euro ist der GLK vorläufig nicht zu haben, beim 220 CDI mit Vierzylinder-Diesel muss man sich noch bis zum Sommer 2009 gedulden. Mit gut 40.300 Euro ist man dann dabei.

Neun von zehn GLK werden nie ins Gelände fahren

Für die ersten Fahreindrücke stand ein GLK 350 mit 3,5-Liter-V6 zur Verfügung. Gegenüber dem Diesel hat er eine geringfügig größere Bodenfreiheit, nämlich 201 statt 187 Millimeter, denn die kompaktere Abgas-Anlage des Benziners ermöglicht 14 Millimeter zusätzliche Freigängigkeit. Aber sind die überhaupt nötig? Eher nicht, denn neun von zehn GLK werden wohl nie ins Gelände fahren.

Eigentlich schade, weil sich dort schnell zeigt, dass der kleine Allradler mehr mit dem urigen G-Modell gemeinsam hat als die kantige Form, die am Bug einen Böschungswinkel von 23 Grad, am Heck immerhin 25 Grad zulässt. Ausgerüstet mit AT-Bereifung arbeitet sich der GLK Steigungen hinauf und hinab, die man ihm kaum zugetraut hätte, und zwar ohne Reduktionsgetriebe oder mechanische Sperren im Antriebsstrang.

Kraxler-Attribute sind an Bord ohnehin dünn gesät. Nur wer das aufpreispflichtige Offroad-Paket bestellt, bekommt eine Bergabfahrhilfe und ein per Knopfdruck aktivierbares Geländeprogramm. Mit dem fährt der GLK weicher, das Gas spricht nicht ganz so spontan an. Zudem hält die Automatik die Gänge länger, und ABS und ESP greifen auf losem Grund anders ein. Auch ein Unterfahrschutz für den Motorraum gehört zum Paket.

Der serienmäßige Allrad-Antrieb, prinzipiell aus C- und S-Klasse bekannt, wird allerdings stets elektronisch überwacht und geregelt. Wobei die Kraftverteilung normalerweise 45 Prozent der Leistung an die Vorderräder, 55 Prozent an die Hinterhand leitet. Bei genauerem Studium der technischen Daten entdeckt man im Mittendifferenzial doch noch eine Kupplung, mit 50 Newtonmeter Sperrwirkung. Räder, die durchzudrehen drohen, werden automatisch abgebremst, so dass die Vortriebskraft nicht wirkungslos verpufft.

Selbst wenn nur ein Vorderrad und das diagonal gegenüberliegende Hinterrad Bodenkontakt haben, geht es ohne Stocken voran. In solchen Situationen zeigt sich zum einen, dass die Achsen des GLK kaum verschränken, was aber offensichtlich kein Nachteil ist. Zum anderen offenbart die selbsttragende Karosserie eine vorbildliche Steifigkeit. Knacken oder Knistern blieben auch im groben Gelände aus.

Der Umgang mit dem GLK gestaltet sich unproblematisch

Komfort bietet der GLK obendrein. Nicht allein, weil die Federung selbst üblen Pisten ihre Ruppigkeit nimmt, auch das Platzangebot ist gut. Vier Erwachsene – auf kürzeren Strecken dürfen es auch fünf sein – fühlen sich auf den Sitzen bequem untergebracht. Auch die Ergonomie für den Fahrer passt, die weiten Verstellbereiche von Lenkrad und Vordersitz ermöglichen unterschiedlichsten Staturen eine stimmige Position.

Insgesamt gestaltet sich der Umgang mit dem GLK unproblematisch, für die Bedienung ist kein tiefer Blick in die Betriebsanleitung notwendig. Wer allerdings alle Finessen des aufpreispflichtigen Comand-Systems nutzen möchte, kommt nicht ganz darum herum. Neben dem guten Komfort sorgt vor allem die Lenkung für Abgrenzung zum X3. Sie ist zwar präzise, aber nicht übertrieben spitz oder gar nervös.

Ob das gute Handling mit dem des BMW konkurrieren kann, wird erst ein Vergleich der beiden klären können. Für die Freunde kompakter Premium-SUV dürfte es eine spannende zweite Jahreshälfte werden, zumal dann mit Audi Q5 und Volvo XC 60 noch zwei weitere Konkurrenten in den Ring steigen.

Technische Daten
Mercedes GLK 350 4MATIC
Grundpreis 48.195 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4525 x 1840 x 1689 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1550 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch 10,5 l/100 km
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