Mercedes GLK und C-Klasse

Kleiner Benz-Verkehr

Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

Mit kantigem Design und nutzerfreundlicher Technik soll der Mercedes GLK leichtfüßig zwischen Prosecco-Schlürfern und Schotter-Wühlern wandeln. Wie gut der Kompakt-SUV auch als Alternative zum C-Klasse-Kombi taugt, klärt der Fahrbericht.

So, jetzt langt’s: Mercedes hat die Faxen dicke. Seit Jahren wedelt der zackige BMW X3 ganz vorn in den SUV-Charts herum, verdient richtig Geld, und nun schlägt auch noch VW mit dem Tiguan zu, während aus der Tiefe des Raumes bereits der Audi Q5 mit seinem Kühlermaul droht. Höchste Zeit also, mal einen ordentlichen Pflock in den Claim der Kompakt-Allradler einzuschlagen. Die passende Muse dazu findet sich schnell, wühlt doch das G-Modell seit fast 30 Jahren durch die Pampa und mitten in die Herzen der Offroad-Fans. Kantig, aufrecht, Fels statt Kiesel. Und nun sollen ein paar Tropfen des imaginären Männerschweißes auch vom kratzresistenten Nanolack des kantigdefinierten GLK perlen.

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Mindestens 40.000 Euro kostet der GLK

Mit permanentem Allradantrieb, bis zu 20 Zentimeter Bodenfreiheit, zwei Tonnen Anhängelast sowie einem gut nutzbaren Gepäckraum qualifiziert er sich ab Oktober 2008 als talentierter Begleiter für ein Leben zwischen Doppelgarage und Pferdestall. Ja, und wenn die boutiquenbummelnde Prosecco-Fraktion ebenfalls zugreift – umso besser. Schließlich spielt Baby-G wie BMW X3 und Audi Q5 mit seinen Sechszylindermotoren in der Premium-Liga. Unter gut 40.000 Euro für den ab Frühjahr 2009 erhältlichen neuen Vierzylinder-Diesel geht nichts, ein kleinvolumiger Benziner wie der 1.4 TSI des VW Tiguan brummt derzeit höchstens in der Planung.

Aber selbst mit Bewährtem unter der Haube zeigt der GLK Abwerbepotenzial, umschmeichelt auch Fans des C-Klasse-T-Modells. Den Mittelklasse-Kombi gibt es auf Wunsch ebenfalls mit Allradantrieb, jedoch ohne Schnäppchencharakter: Für einen 320 CDI 4matic sind rund 48.000 Euro fällig – mehr als für den GLK.

Auch bei der C-Klasse verzichten die Mercedes-Gestalter auf poppigen Firlefanz, fanden mit dem letzten Modellwechsel wieder zur Kante zurück. Allerdings weniger offensiv als beim GLK, dessen steile Frontscheibe (50 Grad) und der relativ kurze Armaturenträger nicht nur historische Vorbilder zitieren, sondern für ein luftiges Raumgefühl ohne zeitgenössische Blech-Blähungen sorgen.

Zwar ähneln Innenraum-Anmutung und Bedienkonzept denen der C-Klasse, doch die kleinteiligere Gestaltung mit unterschiedlichen Materialien, Farben und Formen wirkt rauer, kastiger. Laut Mercedes soll der GLK-Stil kurze, abgehackte Bewegungen symbolisieren, ähnlich wie ein Breakdancer. Na ja, da erscheint die angenehme Kopf- und Schulterfreiheit im Fond schon habhafter, denn die Gestalter widerstanden erfolgreich dem Trend zur abfallenden Dachlinie und einer weitgehend sinnfreien „coupéhaften Anmutung“.

Sehr gute Übersicht beim GLK

Weiterer Vorteil des Kubismus: die Abschätzbarkeit der Karosserie. Bei gerecktem Hals lassen sich die vorderen Ecken erahnen, nur hinten blocken die D-Säulen ein wenig den Blick ab. Von innen betrachtet fallen die nutzbaren Glasflächen nämlich kleiner aus, als es die aufgeklebten Scheiben von außen suggerieren. Trotzdem: Der GLK zählt mit seiner nicht zu hohen Gürtellinie zu den übersichtlicheren Vertretern des SUV-Genres. Hier kann er sich auch von der C-Klasse absetzen. Ob im Stadtverkehr oder auf gewundenen Landstraßen – die Extra-Zentimeter Augenhöhe verbessern den Überblick.

Zudem klappt der Einstieg beim höheren GLK etwas leichter. Wegen des weiten Verstellbereichs von Lenkrad und Sitzen fühlen sich Elfen wie Hünen in beiden gleichermaßen geborgen, die Verstellung läuft über vorbildliche Tasten in der Tür. Der unkomplizierte Eindruck setzt sich bis in die Tiefen des optionalen Infotainment-Systems fort, das mit einer hervorragenden Sprachsteuerung aufwartet. Der GLK punktet überdies mit einem serienmäßigen Knie-Airbag, während ein Presafe-Paket, das in brenzligen Situationen die Gurte strafft und die Sitze in Position bringt, sowie das intelligente Lichtsystem (ILS) für beide zu haben ist.

Ebenso zuvorkommend: die Federung des GLK, dessen Dämpfer technisch denen der C-Klasse entsprechen. Sie variieren ihre Wirkung situationsbedingt, schlucken kurze Unebenheiten sanft, greifen erst bei längeren Hüben bremsend ein. Im Ergebnis passieren GLK und C-Klasse selbst ungepflegte Pisten mit Flickstellen und Auswaschungen gelassen, ohne bei langen Wellen aus dem Tritt zu kommen. In Kombination mit der leichtgängigen, exakten Parameterlenkung (Serie bei Sechszylinder) fördert das eine flüssige Linie. Selbst wenn es zackigere Einlenk-Akrobaten und feurigere Scheitelpunkt-Jongleure im SUV-Lager gibt: Der knapp 1,9 Tonnen schwere GLK fährt entspannt schnell – ähnlich wie die fast 100 Kilogramm leichtere C-Klasse.

Siebengangautomatik schaltet sanft und punktgenau

Vor allem, wenn der Dreiliter-Diesel unter der Haube lauert. Im Leerlauf und bei Volllast akustisch als solcher erkennbar, beschränkt sich der V6 dazwischen aufs kultivierte Drehmomentspenden – im GLK mit 540 Newtonmetern nochmals nachdrücklicher als in der C-Klasse (510 Nm). Ab 1.500/min schiebt er wuchtig los, das Eintauchen des Drehzahlmessers in den roten Bereich wird ebenso überflüssig wie die Schaltwippen als Teil des „Sportpaket-Interieur“ für 1.011 Euro. Die serienmäßige Siebengangautomatik wechselt die Stufen so sanft und punktgenau, dass die Wippen mit ihren trägen Reaktionen höchstens als Gimmick taugen.

Mehr als ein Gimmick: das Offroad-Technik-Paket. Es enthält neben elektronischen Fahrhilfen unter anderem einen erweiterten Schutz des Unterbodens. Nur für den Fall, dass dem GLK bei der endgültigen Flucht vor C-Klasse und SUV-Meute doch mal die bis zu 20 Zentimeter Bodenfreiheit ausgehen sollten.

Technische Daten
Mercedes GLK 320 CDI Mercedes C 320 CDI 4Matic Elegance
Grundpreis 46.053 € 47.154 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4525 x 1840 x 1689 mm 4581 x 1770 x 1449 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1550 l 475 l
Hubraum / Motor 2987 cm³ / 6-Zylinder 2987 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 250 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km 7,7 l/100 km
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