Mercedes Marco Polo und VW California

Rolling Homes

Foto: Achim Hartmann

Ob Alltag oder Urlaub - die beiden Freizeitmobile sind in jeder Beziehung bestens gerüstet. Der Mercedes Marco Polo und der VW California passieren den knirschenden Kies eines Golfhotel-Parkplatzes ebenso formvollendet wie den Schotterweg zum Baggersee.

Um dann relaxt zusammenzusitzen, zu kochen, zu essen und zu übernachten. Und wenn’s pressiert, mit 180 über die Bahn zu zwiebeln – oder problemlos in die Tiefgarage zu tauchen: Wo hoch bauende Wohnmobile anecken, etwa an Zwei-Meter-Sperrbarrieren, tanzen die Busse mit 1,99 Meter Höhe lässig Limbo.

Vor allem der VW spielt in Comfortline-Ausstattung mit hellem Holz-Dekor, Alu-Leisten und Ablageflächen aus mattiertem Glas den Styling-Papst. In ihrer grundsätzlichen Raumaufteilung mit einer zum Schlafen umklappbaren Zweierbank unten sowie einer rund 1,20 Meter breiten Liegefläche im aufgestellten Hubdach unterscheiden sich beide kaum. Allerdings basiert der Marco Polo auf dem mittellangen Viano, ist also mit 4,99 Meter zehn Zentimeter länger als der California.

Der kontert mit einem neuartigen Werkstoff für die Möbel: Sie bestehen aus einem Aluminium-Sandwich mit zwei dünnen Blechen außen und einer wellenförmigen Lage dazwischen. Diese Melange ist dünn, leicht, stabil und lässt sich problemlos zu Bögen verarbeiten, etwa bei der Küchenzeile.

Schicke VW-Küche

Die Küche enthält wie beim Marco Polo eine Kompressor-Kühlbox, einen zweiflammigen Gasherd sowie eine Spüle. Die VW-Gestalter ließen sich anscheinend von Geschirrdesigner Alessi inspirieren: Schick, aber es könnte einen Tick praktischer sein. Dagegen wirkt die Möblierung des Marco Polo – Sperrholz mit silbernen Kunststoff-Fronten samt Rollläden plus Holzdekor-Leiste – nicht besonders trendig. Aufteilung, Bedienung und Zugänglichkeit sind indes tadellos.

Neben der Fahrzeugbatterie besitzen die Mobile einen Zusatzakku, der sich im Stand um Kühlbox und Innenbeleuchtung kümmert sowie Frisch- und Abwassertanks mit rund 30 Liter Inhalt. Zudem gibt es einen 220-Volt-Stromanschluss mit Ladegerät, für kalte Tage eine dieselbetriebene, einstellbare Standheizung. Sie ist beim California Serie, beim Marco Polo für 1954 Euro Aufpreis zu haben.

Preise sind ein heikles Thema, jedenfalls für Cent-Rumdreher. In der Grundausstattung steht der Mercedes mit dem 150 PS starken Vierzylinder-CDI und Automatik mit 41.296 Euro in der Liste, der VW mit dem bärigen 174-PS-Fünfzylinder-Pumpe-Düse-TDI plus Sechsgangautomat mit 51.724 Euro. Dafür hat der VW Doppelverglasung im Fond, elektrische Hubdachbetätigung sowie ein famoses Bett samt Lattenrost an Bord.

Mercedes lässt sich Bett (522 Euro) und E-Betätigung (1270 Euro) extra honorieren. Ausstattungsbereinigt ist er damit aber immer noch günstiger als der VW.

Beide mit Pkw-artigem Fahrverhalten

Der California punktet mit seinem verhältnismäßig leisen und kultivierten Motor, während beim rau agierenden Mercedes-Vierzylinder eine gewisse Nutzfahrzeug-Affinität des Fahrers nicht schaden kann.

Die ist beim Manövrieren entbehrlich. Beide Mobile sind nicht länger als Oberklasse-Limousinen und wegen der kantigen Karosserien gut kalkulierbar. Auch die sonstigen Fahreigenschaften der Zweieinhalbtonner sind, selbst bei voller Beladung, Pkw-artig und sicher, stets unter dem Schutz des serienmäßigen ESP. Deutlich besser als beim Pkw ist die Übersicht nach vorn und zur Seite, die beide Camper buchstäblich über das Verkehrsgewühl erhebt.

Genau wie ihre Besitzer, bei denen sich angesichts der Multifunktionalität ihrer Beziehungs-Kisten ein sattes Gefühl der Erhabenheit einstellt.

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