Mercedes R-Klasse

Kleines R

Foto: Uli Jooß 6 Bilder

Die R-Klasse kommt, aber was ist sie? Ein Geländewagen im Designer-Anzug oder ein Sportvan? Der Fahrbericht mit dem sechssitzigen kurzen R gibt die Antworten.

Amerika, du hast es besser. Nicht nur, dass die Mercedes R-Klasse hier bereits seit Anfang Oktober zu haben ist, nein, hier versteht man auch den Gattungsbegriff des Allrad-Autos: Grand Sports Tourer.

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In der Alten Welt muss man den natürlich erklären. Schon auf den ersten Blick ist diese R-Klasse, das Schwestermodell des ML, keiner bekannten Kategorie zuzuordnen. Grand – also groß – ist sie zweifellos, denn bereits die Ausführung mit kurzem Radstand (2980 Millimeter) ist 70 Millimeter länger als das T-Modell der E-Klasse und erstreckt sich über 4922 Millimeter.

Wenn das nicht reichen sollte, gibt es außerdem noch einen Nachschlag von 235 Millimeter Länge, der dann aus der R-Klasse einen Grand Sports Tourer XL mit mehr Kofferraum macht. Ab Februar 2006 sind der große und der kleine R in Deutschland zu haben.

Der hier vorgestellte R 320 CDI kostet dann 52 200 Euro, die Langversion ist 1740 Euro teurer. Neben dem V6-Diesel sind zwei Benziner mit 3,5 Liter Hubraum und 272 PS respektive fünf Liter und 306 PS im Angebot.

Für Europa hat Mercedes die R-Klasse neu abgestimmt. Die softe Marshmallow- Federung und indirekte Lenkung der US-Modelle fürs Geradeaus-Cruising hätten einfach nicht ins kurvige Euroland gepasst. Entsprechend wurden Dämpfer, Stabilisatoren, Software der Luftfederung, Reifen und Lenkung geändert. Mehr Agilität und Fahrdynamik waren das Ziel, schließlich soll die R-Klasse ja ein Sports Tourer sein.

So viel darf nach den ersten Kilometern mit der europäischen R-Klasse verraten werden: Die Fahrwerkstechniker verstehen ihren Job. Für ein Auto seiner Größe lässt sich der kleine R erfreulich handlich bewegen. Die Abstammung vom ML, der alle wesentlichen Technik-Komponenten mit der RKlasse teilt, ist zwar nicht zu leugnen, aber so wie sich die R-Klasse über die Landstraße treiben lässt, erinnert sie eher an eine stämmige Limousine denn an einen Sport Utility.

Die Lenkung arbeitet zielgenau, und in engen Kurven halten sich die Aufbaubewegungen im Rahmen dessen, was man bei einem kommod abgestimmten Allrad-Kombi erwarten darf. Denn trotz straffender Fahrwerksänderungen kann der Federungskomfort immer noch überzeugen, und die RKlasse wird ihrem Tourer-Anspruch gerecht. Wer noch sanfter gleiten möchte, muss im Mercedes-Programm zur S-Klasse greifen. Die wunderbar weich schaltende Siebenstufen-Automatik passt sehr gut zu diesem Auftritt. Kaum merklich werden die Gänge sortiert, die zarte Anfahrschwäche des Dreiliter-V6 egalisiert der Wandler fast vollständig. Der Motor arbeitet akustisch unauffällig und hat mit dem leer 2,1 Tonnen schweren Sechssitzer wenig Mühe.

Kein Wunder, kann der Fahrer doch über 510 Newtonmeter Drehmoment verfügen. Die fallen über einen permanenten Allrad-Antrieb her, der keinerlei Sperrdifferenziale oder Reduktionsgetriebe bereithält. Allerdings lässt sich auf sehr schlechten Wegen die Bodenfreiheit von 16 auf 21 Zentimeter erhöhen, wenn die aufpreispflichtige Luftfederung geordert wird. Dennoch, ein Geländewagen will die R-Klasse nicht sein – ein Van aber auch nicht.

Der sechssitzige Sports Tourer soll immerhin die besten Eigenschaften dieser Konzepte vereinen. Tatsächlich lassen sich die Einzelsitze vielfältig klappen und umlegen, um auch sperriges Gepäck zu transportieren.

Variabel wie ein Van also? Nicht ganz, denn um die Sitze der zweiten Reihe zusammenzufalten, muss die dazwischenliegende Staubox entfernt werden. Da bieten manche Vans pfiffigere Lösungen. Man könnte auch die Zahl der Sitze kritisieren, bringen doch bereits viele Kompaktvans sieben Passagiere unter. Aber nur in der R-Klasse sind Raumangebot und Bestuhlung komplett erwachsenentauglich, außerdem kann jeder Mitfahrer seine Rückenlehne individuell einstellen. Eine gute Voraussetzung für lange Touren.

Das Gepäck schickt man dann am besten mit der Bahn voraus, verstaut es in einem Anhänger oder in einer Dachbox, denn Kofferraum bleibt bei voller Bestuhlung in der kurzen R-Klasse kaum noch: 244 Liter. Der Grand Sports Tourer hat eben auch den einen oder anderen Van-Nachteil geerbt.

Allerdings werden sich die Käufer wohl nicht wegen der Transport-Kapazität für die R-Klasse entscheiden. Sie, so glaubt Mercedes, wollen ein Statement setzen und die Ersten sein, die ein Auto einer ganz neuen Gattung fahren.

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Technische Daten
Mercedes R 320 CDI
Grundpreis 53.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4922 x 1922 x 1659 mm
KofferraumvolumenVDA 244 bis 1950 l
Hubraum / Motor 2987 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h
Verbrauch 9,3 l/100 km
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