Mercedes R-Klasse

R-Regung

Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Mit der neuen R-Klasse will Mercedes mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie hat sechs Sitze wie ein Van, Allradantrieb wie die M-Klasse und soll sich fahren wie eine sportliche Limousine. Ein Wunder auf Rädern?

Angenommen, man findet Geländewagen (modern: SUV) mit ihrem Outdoor-Image unpassend, zu provokativ. Ein normaler Kombi ist zu langweilig, die Vans, auch MPV, zu sehr Familienkutsche – was nehmen?

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Berechtigte Frage, denn zumindest in den höheren Sphären des Auto-Universums reduzierte sich das Angebot an Alternativen bisher auf Null. Entsprechende Großraumautos mit Premiumstempel mussten erst erfunden werden. Nun meldet Mercedes Vollzug: Die neue R-Klasse stößt zielgenau in die vakante Nische zwischen SUV und MPV – nicht Macho, nicht Mutti, aber mit Allradantrieb und mit bis zu sechs Sitzplätzen.

Zur speziellen Mischung gehört auch ein entsprechendes Styling. Fließende Linien sind angesagt, das R-Modell gleicht einer Riesen-B-Klasse. Riesig fürwahr. In den Dimensionen nähert sich das Multitalent, das obendrein auch noch „dynamischen Fahrspaß“ (Werbetext) bieten soll, einem Vergnügungsdampfer.

Mit 5,16 Meter Länge reicht das Auto fast an eine S-Klasse in Langversion heran, ist aber 18 Zentimeter höher und fünf Zentimeter breiter. Wer nicht so viel Zeit für die Parkplatzsuche aufbringen kann, braucht indessen nicht zu verzagen. In Europa wird es den Sechssitzer auch in einer um 23,5 Zentimeter verkürzten Variante geben (ab Anfang 2006).

Zunächst aber hat der amerikanische Markt Vorrang, weshalb es sich bei der hier gezeigten Ausführung auch um die US-Version handelt. Dabei sind die Unterschiede zum Euro-R keineswegs nur oberflächlicher Natur: Da der Amerikaner dazu tendiert, lange Strecken gemächlich geradeaus zu fahren, bekommt er ein weicher abgestimmtes Fahrwerk mit indirekterer Lenkung und andere Reifen.

Bezüglich seiner Herkunft ist freilich auch das Europa-Modell ein Amerikaner. Gebaut wird die R-Klasse im Mercedes-Werk in Tuscaloosa, wo sie sich das Band mit der M-Klasse teilt. Entsprechend groß ist die technische Verwandtschaft. M und R verfügen über das gleiche Fahrwerk, den gleichen Antriebsstrang und mithin den gleichen Allradantrieb.

Serienmäßig gibt es Luftfedern hinten, auf Wunsch die Rundum- Luftfederung. Bei Bedarf lässt sich die Karosserie dann um 50 Millimeter anheben, während sie ab 120 km/h selbsttätig um 20 Millimeter absinkt. Drei Motoren stehen zur Auswahl.

Als Diesel gibt es den Dreiliter-V6 (R 320 CDI), der mit 224 PS und 510 Nm innerhalb der Palette zwar die geringste Leistung, aber das höchste Drehmoment bietet. Die Benzinerfraktion besteht aus dem 3,5-Liter-V6 (272 PS, 350 Nm) und dem Fünfliter-V8 (306 PS, 460 Nm), letzterer noch in der bisherigen Ausführung. Der neue Vierventil-V8 mit 388 PS bleibt vorläufig der neuen S-Klasse vorbehalten.

Alle Motoren arbeiten mit der Siebengangautomatik zusammen. Wie bei der M-Klasse befindet sich der Wählhebel an der Lenksäule. Für manuelles Schalten stehen Tasten am Lenkrad zur Verfügung. Anklänge an den ML finden sich auch im Cockpit, wenngleich verfeinert mit einer Prise Noblesse.

Die Frage, ob es wirklich derartiger Ausmaße bedarf, um sechs Menschen komfortabel unterzubringen, beantwortet sich aber logischerweise erst, wenn man auf den hinteren Rängen Platz nimmt. In der mittleren Sitzreihe zumindest scheint die Sache klar: So viel lichten Raum kann keine Limousine bieten. Man thront auf bequemen, längsverstellbaren Einzelsitzen, getrennt durch eine leicht herausnehmbare Ablagebox. Beide Plätze lassen sich individuell klimatisieren, zur Unterhaltung stehen ein DVD-/CD-Spieler und Bildschirme in den Kopfstützen der Vordersitze bereit (gegen Aufpreis).

Ein Wermutstropfen für die ganz Verwöhnten: Den vollen SKlasse- Luxus gibt es nicht. Wer etwa die belüfteten Polster mit elektrischer Verstellung nicht missen möchte, hat Pech. Zweiter Klasse reisen unterdessen die Passagiere fünf und sechs. Platz und Komfort auf den beiden Einzelsitzen in der dritten Reihe sind vergleichsweise bescheiden, eher für Halbwüchsige angemessen. Immerhin befindet sich auf Wunsch auch dort eine separate Klimaregelung.

Typisch Van: Fürs Gepäck muss bei voller Besetzung ein Anhänger her, denn das Kofferraumvolumen schrumpft auf 314 Liter. Andererseits erfreut die R-Klasse durch ihre Anpassungsfähigkeit.

Alle vier Rücksitze kann man flach legen, worauf eine ebene Ladefläche entsteht. Das maximale Ladevolumen erreicht so 2385 Liter. Angenehm: Die Sitzmechanismen lassen sich notfalls auch mit einem Kleinkind unter dem Arm bedienen, abgesehen von den Kopfstützen, die vor dem Vorklappen der Mittelsitze entfernt werden müssen.

Wie fährt sich das Raumschiff, dem Mercedes den Begriff „Grand Sports Tourer“ zuordnet? Grand ja, Tourer auch, nur mit dem Sports ist es nicht weit her. In Kurven wälzt sich die weiche US-Version wie ein Schoner in schwerer See, während sie mit ausladenden Steuerbewegungen auf Kurs gehalten werden will. Gut zu hören, dass die straffere Europa- Ausführung deutlich agiler sein soll.

Schade wäre es allerdings, wenn darunter der Komfort leiden würde, denn der ist mit das Beste an dieser R-Klasse. Das US-Auto, ein R 500, demonstrierte zugleich, dass Leistung immer relativ zu sehen ist. Wenn 306 PS auf 2,24 Tonnen treffen (Werksangabe), ist das Ergebnis erfreulich, aber nicht überwältigend. Immerhin soll das PS-Angebot genügen, um nach sieben Sekunden Tempo 100 und maximal 245 km/h erreichen zu können. Dabei fällt der kultivierte Dreiventil-V8 nach wie vor angenehm auf, mag er auch nicht mehr ganz aktuell sein. Verbrauchsrekorde indes sollte man nicht erwarten: 13,3 L/100 km nach EU-Norm.

Preislage? Deutlich weniger als die S-Klasse, lautet die Ansage. Tatsächlich wird der R preislich mehr E als S sein, wenn er in seiner verkürzten Form auf den Markt kommt. Als Orientierungshilfe kann die E-Klasse als T-Modell mit 4-Matic dienen – im Klartext: ab 50 000 Euro.

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