Mercedes SLK 350

Blechdach auf - Sonne rein

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der SLK ist erwachsen geworden: Die neue Generation des Coupé-Cabrios mit elektrohydraulischem Blech-Klappdach präsentiert sich größer und hochwertiger. Die Version mit 272 PS jedenfalls lässt viel Gutes erwarten.

Bei Mercedes weiß man eben, was Cabriofahrer brauchen. Einfach nur frische Luft ins Cockpit lassen, das kann jeder. Aber die Insassen zugleich in Watte packen, sie vor all den Zumutungen schützen, die ein Cabrio seinem Benutzer normalerweise aufzwingt, das kann niemand so gut wie die Ingenieure von Mercedes. Man erinnere sich an 1989, als der neue SL, Vorgänger des aktuellen, die Welt mit einer zirkusreifen Vorstellung verblüffte: Öffnen und Schließen, inklusive Ver- und Entriegeln sowie Verstauen des Verdecks unter einem Deckel, alles vollautomatisch per Knopfdruck. Und dazu noch (ebenfalls ganz neu) ein Windschott für die Frisur – damit war Mercedes der Zeit um Jahre voraus. Dann 1996 der SLK, das Auto mit dem festen Dach im Kofferraum, Coupé und Cabrio in einem – heute macht es fast jeder, damals machte der Trick den kompakten Mercedes-Zweisitzer zum Shootingstar. 308 000 Stück wurden bis heute verkauft, über 30 Prozent davon an Frauen. Nun zeigt der neue SLK, dass die Cabrio-Tüftler von Mercedes die Hände keineswegs in den Schoß gelegt haben. Schwer zu glauben, aber das jüngste Cabrio aus dem Mercedes-Stall beweist: Es geht noch besser.

Das neue Zauberwort heißt Airscarf, zu deutsch Luftschal. In den Lehnen untergebrachte Keramikelemente werden elektrisch beheizt, die Wärme mittels Gebläse über Luftschlitze unten an den Kopfstützen in den Innenraum befördert, wo sie die Hälse der Insassen umschmeichelt. Das Ganze funktioniert dreistufig und wirkt ganz im Sinne der Erfinder. So lässt es sich selbst bei fünf Grad schadlos offen fahren, wie sich im Praxistest anlässlich der ersten Ausfahrt herausstellte. Der einzige Nachteil: Die Wohltat kostet – wie sollte es anders sein – 458 Euro extra. Freilich verrät schon die erste Bekanntschaft mit dem Schmuse- Roadster, dass man sich auch ohne Luftschal für ihn erwärmen kann, denn die Schwachpunkte des alten SLK wurden systematisch abgearbeitet. Die neue Karosserie geriet nicht nur größer (72 Millimeter mehr Länge, 65 Millimeter mehr Breite, 30 Millimeter mehr Radstand), sondern auch spürbar geräumiger. Das Ganze sieht auf der Straße besser aus, als es die ersten Bilder vermuten ließen, denn die Proportionen stimmen. Und der vom SLR übernommene Formel 1-Zinken? Halb so schlimm.

Anders als befürchtet, erinnert er keineswegs an eine Pappnase, sondern fügt sich harmonisch ein. Schön auch: Der SLK bleibt schlank, das schwungvollere Blechkleid sitzt straff wie die Shorts von Kylie Minogue. Besonders willkommen: Ein neuer Dachmechanismus nach SL-Muster gestattet es, das Urlaubsziel künftig auch offen anzusteuern. Unter dem gefalteten Hardtop kann nun ein stattlicher Koffer verstaut werden (Ladevolumen 208 Liter, geschlossen 300 Liter). Lichtblicke auch bei den notorischen SLK-Schwächen Sitzkomfort und QualitaÅNtsgefühl: Die alten Schwingsitze ersetzen komfortabel gepolsterte Schalen aus GFK und Magnesium, außerdem erwartet die Insassen ein Gediegenheitsniveau, das nun auch den pingeligen Kunden zufrieden stellen dürfte. Kunststoffe, die hochwertig wirken, smarte Details und tadellose Passungen zeugen vom Ehrgeiz, diesmal alles besser und auch ein bisschen netter zu machen. Im Verbund mit der um 46 Prozent höheren Torsionssteifigkeit der Karosserie verströmt der SLK sogar wieder etwas vom markentypischen Tresor-Charakter vergangener Tage, bleibt aber im Gewicht auf dem Teppich.

Je nach Motorisierung werden 1390 bis 1540 Kilogramm genannt. Dass beim Vorgänger auch fahrdynamisch nicht alles bestens war, gesteht man bei Mercedes inzwischen freimütig ein. Als Wurzel des Übels machten Techniker die so genannte Kugelumlauflenkung aus, ein Relikt aus der Vergangenheit, das zuletzt nur noch im SLK überlebte und präzises Lenken erschwerte. Lenkradbewegungen werden deshalb nun mittels Ritzel und Zahnstange übertragen. Weitere Fahrwerksmaßnahmen (neue Vorderachse, breitere Spur) flankieren den Fortschritt. Dessen Tragweite erschließt sich dem Fahrer bereits bei den ersten Lenkmanövern. Während der Vorgänger stets etwas unvermittelt den Kurs zu wechseln pflegte, folgt der neue SLK ebenso linear wie minutiös den Vorgaben, lässt sich auch bei hohem Kurventempo zentimetergenau platzieren.

Überhaupt frappiert der Mercedes-Roadster bei sportlichem Gebrauch mit Handlingqualitäten, die unter seinesgleichen keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Das Beste daran: Der Komfort kommt keineswegs zu kurz. Wer in Anbetracht der dynamischen Vorzüge auf schlechteren Straßen heftige Turbulenzen erwartet, wird angenehm enttäuscht. Daran vermag Gott sei dank auch das gegen Aufpreis (238 Euro) lieferbare Sportfahrwerk inklusive tiefergelegter Karosserie (zehn Millimeter) nichts zu ändern. Dampf kommt beim neuen SLK in drei unterschiedlichen Stärken: milde 163 PS in Form des SLK 200 mit 1,8-Liter- Kompressormotor, 272 PS beim SLK 350 mit 3,5-Liter-V6 und 360 PS, wenn man sich für das Topmodell SLK 55 AMG mit 5,4-Liter-V8 entscheidet.

Beim ersten Kennenlernen konzentrierte sich das Aufgebot freilich auf den SLK 350. Aus gutem Grund, handelt es sich bei dessen Vierventil-Sechszylinder doch um eine komplette Neuentwicklung. Zweifellos passt das mit allen Attributen des modernen Motorbaus ausgestattete Triebwerk (siehe Heft 1/2004) auch vorzüglich ins sportlichere Bild, das der Neue abgibt – nicht zuletzt akustisch. Mercedes lässt den neuen V6 röhren, als gelte es, Joe Cocker den Rang abzulaufen. Auch Drehmoment (350 Nm bei 2400/min) und Ansprechverhalten können überzeugen und reichen aus, die Traktionsreserven problemlos auszuschöpfen. Auf weniger griffigen Belägen ist die Antriebsschlupfregelung im Dauerstress. An den Reifen wird diesmal nicht gespart: 17-Zoll- Räder mit üppigem Format (225/45 R 17 vorn und 245/40 R 17 hinten) gehören beim SLK 350 zur Serienausstattung (SLK 200: 16 Zoll). Für weitere Aufbereitung der erheblichen Kräfte, die hier frei werden, stehen wahlweise die neue, geschmeidige Siebengangautomatik (2169 Euro) oder das ebenfalls neue Sechsgang- Schaltgetriebe (serienmäßig) zur Verfügung.

Sportfahrer kommen eher mit dem Handschalter auf ihre Kosten, zumal die Schaltung nun mit zuvor bei Mercedes nicht gekannter Leichtigkeit und Präzision durch die Gänge flutscht. Dass es den Interessenten selbst beim Blick auf die Preise nicht kalt über den Rücken läuft, gehört ebenfalls zu den Überraschungen des neuen SLK. 43 384 Euro berechtigen zum Erwerb eines SLK 350, aber schon für 33 524 Euro darf es ein SLK 200 sein. Und ob mit oder ohne Luftschal: Die Konkurrenz zumindest muss sich schon mal warm anziehen. 

Technische Daten
Mercedes SLK 350
Grundpreis 46.232 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4082 x 1788 x 1298 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 10,6 l/100 km
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