Mercedes SLR McLaren Roadster

Fast Mood

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Als schnellstes und teuerstes Serien-Cabrio der Welt bricht der Mercedes SLR McLaren Roadster alle Rekorde. Der 626 PS starke Zweisitzer ist laut und schrill, beherrscht jedoch auch die ganz entspannte Gangart.

Nach dem ersten Rundgang um den Mercedes SLR McLaren Roadster stellt sich die Frage: Ist das nicht zu viel des Guten? Die extralange Motorhaube, die dramatischen Entlüftungsschlitze an den Seiten mit chromglänzenden Querfinnen, die nach vorne springende Hakennase und schließlich die auffallenden Schwenktüren – und das bei einem Roadster.

Immerhin: Das 626 PS starke und geschlossen 332 km/h schnelle Cabrio sieht besser aus als das Coupé, dessen Technik unverändert übernommen wurde. Die etwas merkwürdig nach hinten verlängerte Dachpartie des Coupés ist entfallen, die Proportionen wirken stimmiger. Der Fahrer schlüpft unter der hochragenden Tür hindurch in die mit Leder gepolsterte Kohlefaser-Sitzschale und muss dabei eine gut 25 Zentimeter breite und etwa 40 Zentimeter hohe Einstiegsschwelle überwinden.

Die Schwenktüren sind also nicht nur ein optischer Gag, sondern im Hinblick auf ihre extreme Dicke und die breiten Schweller sogar recht praktisch – falls sich der 493 850 Euro teure Roadster überhaupt jemals in eine Parklücke quetschen muss. Die Schwenktür lässt sich bequem an einer Griffschlaufe herunterziehen und fällt schmatzend ins Schloss.

Erster Eindruck: nett hier und richtig kuschelig. Man sitzt wie in einem SLK, nur viel tiefer. Den linken Arm lässig auf die hohe Türkante legen? Lieber nicht. Es wirkt peinlich und ist unbequem. Dann das Armaturenbrett: Zwei große Anzeigeninstrumente genügen, davor ein knuffiges Lederlenkrad. Kein Firlefanz, alles basic, aber dafür beste Materialien und bestes Finish: Leder, Aluminium. Gut so.

Der Starterknopf befindet sich wie im Coupé unter einer Metallklappe des rot illuminierten Automatik-Wählhebels. Der Daumen schnippt die Klappe nach oben und drückt auf den Anlasser. Sofort erwacht der Kompressor-V8 mit einem wütenden Grollen und brabbelt dann brav vor sich hin. Das Lenkrad und die Sitzschale, die elektrisch in der Höhe und in Längsrichtung verstellbar ist, massieren dabei mit feinen Vibrationen Hände und Hintern.

Rennatmosphäre kommt auf. Entsprechend behutsam fällt der erste Tritt aufs Gaspedal aus. Der SLR rollt sachte an und blubbert dabei so harmlos wie der altersschwache Pickup eines mexikanischen Melonen-Farmers. Schnell gewöhnt man sich an Lenkung, Gas- und Bremspedal, die allesamt mit Nachdruck bedient werden wollen.

Wie im Dodge Viper dirigiert der SLR-Pilot den langen Vorderwagen in die gewünschte Richtung. Er sitzt kurz vor der Hinterachse und genießt dadurch die totale Kontrolle über die lange Wagenfront. In der Stadt ein atemberaubendes, einzigartiges Gefühl, als ob man in einem Vierspänner unterwegs wäre.

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SLR Roadster - Ist ein Traum wahr geworden?
Mein letztes Hemd würde ich für den Roadster opfern.
Nichts besonderes - ein Supersportwagen ohne Dach.
Überflüssig - ein Auto das keiner braucht.

Der Blick nach vorne ist trotz der tiefen Sitzposition akzeptabel. Dank der Haubenausbuchtung für die Hakennase ist das vordere Ende sogar ganz gut einzuschätzen. Staunende Blicke von Passanten und Autofahrern verfolgen den grünen, dunkel grollenden SLR. Sie weiden sich voller Neugier an der expressiven Optik, erwarten wohl irgendwelche Wundertaten oder wenigstens Tom Cruise am Lenkrad.


Sogar eine Ente überholt jetzt mit demonstrativ jaulen- dem Zweizylinder. Gelassen bleiben. Noch gelassener als der 5,5-Liter-V8. Maximal 2000/min genügen. Einfach herrlich, wie der Ballermann über die dicken Doppel-Sidepipes mit seinem Fahrer spricht. Wir werden langsam echte Partner.

Raus aus der Stadt. Auf einer völlig einsamen, gut einsehbaren Landstraße bleiben wir kurz stehen. Was jetzt kommt, mag kindisch wirken, aber von null auf 100 km/h in 3,8 Sekunden – wie fühlt sich das an? Probieren wir es aus: Vollgas. Von wegen Melonen-Farmer. Sofort verwandelt sich das friedliche Brabbeln in ein apokalyptisches Wummern, gepaart mit dem metallisch harten Sirren des Kompressors.

Der bis 7000/min drehende AMG-Motor presst seinen Fahrer in den Schalensitz, nimmt ihm den Atem. Das Kohlefaser-Chassis wirkt dabei wie der Resonanzkörper eines Steinway- Flügels und liefert über Lenkrad, Gaspedal und Sitz eine körperlich spürbare Live-Übertragung der rotierenden Kurbelwelle. Fahren mit allen Sinnen.

Aber das extrem teure und harte Monocoque, an das der Achtzylinder und die Vorderradaufhängung über einen Hilfsrahmen aus Aluminium angeschraubt sind, sorgt nicht nur für good vibrations, sondern auch für eine Verwindungsfestigkeit, die von anderen Cabrios derzeit wohl kaum zu übertreffen sein dürfte.


Jetzt federn wir über eine kleine, wellige Passstraße und lassen uns bergauf von Kehre zu Kehre katapultieren. Beim Anbremsen quietscht gelegentlich ein Reifen, dann wird die markante Nase mitsamt Motor und Fahrer in die Kurve hineingezwungen. Weder ein ängstlich zitternder Innenspiegel noch eine unter voller Bremslast teigig wirkende Lenkung stören die Harmonie von Mensch und Maschine während des kurzen, von ESP und Keramikbremsen wohlbehüteten Bergsprints.

Zuletzt ist es freilich das hübsche Faltdach mit heizbarer Glasheckscheibe, das einem den grünen Bomber ans Herz wachsen lässt. Es sieht gut aus, ist klug durchdacht und erhöht das Wagengewicht dank seiner Stoff-Konstruktion gegenüber dem Coupé um nur 57 Kilogramm auf das Niveau eines BMW 330i Cabrios.

Zudem soll es bei 250 km/h nicht lauter sein als das geschlossene Blech-Hardtop des SL und sich auch bei Spitzentempo 332 km/h nicht ausbeulen. Der Trick dabei: Die sich z-förmig zusammenfaltende Konstruktion besteht zum Großteil aus einer mit Stoff bezogenen Aluminiumplatte, die sich im geöffneten Zustand auf den Verdeckkasten legt und damit zugleich als Persenning dient.

Allerdings öffnet und schließt das Dach zwar elektrisch, es muss jedoch von Hand an der Windschutzscheibe gelöst und wieder arretiert werden. Trotz dessen und der zusätzlichen Pfunde hat der SLR erst als Roadster zu sich selbst und seiner Traumfigur gefunden. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der Fahrer eine hat.

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Technische Daten
Mercedes SLR McLaren Roadster
Grundpreis 493.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4656 x 1908 x 1281 mm
KofferraumvolumenVDA 204 l
Hubraum / Motor 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 460 kW / 626 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 332 km/h
Verbrauch 14,5 l/100 km
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