MG ZT

Sport-Abzeichen

MG pflegt mit der Verwandlung des Rover 75 in den ZT ein Stück Automobil-Tradition.

Die gute Nachricht zuerst: Den ausladenden Flügel auf dem Heck des MG kann man, aber man muss ihn nicht nehmen. Auf dem deutschen Markt, wo die Auslieferung im Oktober anlaufen wird,  soll er als Option angeboten werden.

Eine kluge Entscheidung. Denn abgesehen vom aufdringlichen Spoilerwerk strahlt das Topmodell der neuen MG-Reihe jene distinguierte Sportlichkeit aus, die sich in der gehobenen Mittelklasse gehört. Die tiefgezogene Bugschürze mit dem Drahtgeflecht, die 18 Zoll großen Räder und der Verzicht auf Chrom lassen den Typ namens ZT erheblich kraftvoller erscheinen als das Auto, auf dem er basiert. Und das ist, wie sich unschwer erkennen lässt, der Rover 75.

Mit dessen Verwandlung in eine Sportlimousine hofft die MG Rover Group nun Kunden anzusprechen, auf die Rover zu Zeiten der BMW-Herrschaft verzichten musste. Sportliche Autos waren damals ausschließlich für BMW reserviert – eine Einschränkung, die nach Ansicht des MG Rover-Chefs Kevin Howe den Abverkauf beeinträchtigte. Er geht davon aus, dass künftig 25 Prozent der Stückzahlen dieser Baureihe auf das Konto des MG ZT gehen.

Da treffe es sich gut, dass das Potenzial dieses in großen Teilen von BMW entwickelten Fronttrieblers bislang keineswegs ausgereizt wurde. Mit seiner steifen Karosserie und dem erstklassigen Fahrwerk sei er zu Höherem geboren.

Um die Reserven aufzuspüren, griff man bei MG Rover auf bewährte Rezepte zurück. Straffere Federn und Dämpfer, härtere Gummilager, kräftigere Querstabilisatoren, eine direktere Lenkung sowie verstärkte Bremsen dienen der sportlicheren Fahrdynamik. Serienmäßig rollt der MG ZT auf Reifen der Dimension 225/45 R 18. Auf elektronische Unterstützung in Form von ASR oder ESP muss der Kunde indes verzichten.

Für die entsprechende Vorwärtsdynamik sorgt ein leistungsgesteigerter 2,5-Liter-V6-Motor. Statt auf 177 PS wie im Rover 75 bringt er es in Folge einer verbesserten Atmung nun auf 190 PS. Zugleich stieg das Drehmoment um fünf Nm auf 245 Nm an.

Besonderen Wert legte man auf einen adäquaten Geräuscheindruck: Ab 4.500/min bläst der Auspuff unter Umgehung des hinteren Schalldämpfers ins Freie.

Schließlich blieb auch der Innenraum nicht unberührt. Wo im Rover Walnussholz glänzt, schimmert im MG "Rhodium-Silber". Die Vordersitze verfügen über bunte Polstereinlagen und präsentieren sich in Anbetracht erhöhter Fliehkräfte seitlich stärker aufgepolstert.

Beim ersten Probegalopp zeigte die neue MG-Limousine denn auch das angestrebte sportliche Talent. Der Versuchung, aus dem guten Rover-Stück einen harten Bolzen zu machen, hat man gottlob widerstanden. Stattdessen gefällt das gestraffte Fahrwerk durch deutlich verbesserte Lenkpräzision kombiniert mit erhöhter Fahrstabilität.

Untersteuern wird nur noch im hoch angesiedelten Grenzbereich ein Thema. Zugleich ist der verbliebene Federungskomfort noch gut genug, um auch auf schlechten Straßen keine größeren Strapazen zu verursachen.

Der Fluch der guten Tat: Angesichts der beachtlichen Qualitäten des Fahrwerks wirkt das Leistungsangebot des V6-Motors ein wenig kümmerlich. Unter 3.500/min ist nicht viel zu holen. Wer es eilig hat, muss ihn jubeln lassen, was nicht so recht zum gepflegten Charakter des Rover-Derivats passen will.

Erschwerend kommt hinzu, dass man dem MG zur Steigerung des Temperaments eine kürzere Antriebsübersetzung verpasste. So wirkt der ZT schon bei Tempo 170 etwas gestresst (5.000/min im fünften Gang), während er bei Höchstgeschwindigkeit (227 km/h) die Drehzahlgrenze von 6.700/min erreicht – kein Problem im Vereinigten Königreich, wo nur 112 km/h erlaubt sind, doch auf deutschen Autobahnen ein Handikap.

Ungeachtet dieses Mangels dürfte der neue MG ZT auch in Deutschland durchaus seine Kunden finden. Immerhin bekommt man für 61.500 Mark eine gut aussehende, hochwertige und ordentlich ausgestattete Sportlimousine, wie sie nicht an jeder Straßenecke steht. Von den berühmten zwei Buchstaben im achteckigen Emblem ganz zu schweigen. Sollte es indessen etwas mehr MG sein dürfen, dann lohnt es sich, noch ein paar Monate zu warten. Anfang des nächsten Jahres kommt die Kombiversion (ZT-T), kurz darauf zwei Monsterversionen (ZT Core und Ultimate).

Spätestens dann werden sich auch etwaige Leistungssorgen in Luft auflösen. Core und Ultimate verfügen über längs eingebaute 4,6-Liter-V8-Motoren von Ford/USA sowie Hinterradantrieb. Leistung: 260 PS und 385 PS, letztere unter Mitwirkung eines Kompressors.

Technische Daten
MG ZT 2.5
Grundpreis 32.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4747 x 1778 x 1417 mm
KofferraumvolumenVDA 432 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 9,9 l/100 km
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