Mini Cabrio

Englische Sturmspitze

Foto: Achim Hartmann

BMW lässt die Winde wehen: Die Oben-ohne-Version des Mini soll ab dem 3. Juli für weiteren Auftrieb im Verkauf sorgen. Die erste Bekanntschaft zeigt schon: Diese Rechnung mit dem bis zu 150 PS starken Mini Cabrio könnte aufgehen.

Was ist schon mini  am neuen  Mini? Das Auto?  Nicht wirklich.  Auch nicht der Preis, denn  der ist eher maxi. Aber sei’s  drum: Die Frage, ob dieses  Auto seinen Namen zu Recht  trägt, ist ähnlich relevant wie  der Wärmewert eines Minirocks.  Hauptsache, man fühlt  sich gut angezogen.  Genau das ist auch das  Erfolgsgeheimnis des RetroKleinwagens aus dem Haus  BMW. Er reizt die Sinne, vor  allem aber fehlt ihm das Odium  sozialer Minderwertigkeit –  Qualitäten, die ihm im Kleinwagensegment  einen Sonderstatus  sichern. Entsprechend schwer  ist er in Mode: In knapp drei  Jahren liefen im Mini-Werk in  Oxford bereits 400 000 Exemplare  vom Band.  Eine solide Basis auch für  eine Ausweitung des Mini-Appeals  mittels zusätzlicher Varianten.

Als Erstes zieht BMW  nun das Cabrio aus dem Vorrat  möglicher Mini-Derivate, eine  ebenso nahe liegende wie  erfolgversprechende Entscheidung.  Man rechnet mit einem  Anteil an der Gesamtproduktion  von 20 bis 25 Prozent.  Auf jeden Fall dürfte die  Aussicht, den anglo-germanischen  Wonneproppen demnächst  auch offen genießen zu  können (Markteinführung ist  am 3. Juli), die Auftragsbücher  deutlich anschwellen lassen.  Zwar kann das Mini Cabrio  nicht mit einem versenkbaren  Hardtop à la Opel Tigra  oder Peugeot 206 CC aufwarten,  aber dafür lockt es mit vier  Sitzplätzen und modulierbarer  Luftzufuhr.  Beschränkt sich der Bedarf  auf eine steife Brise, bietet die  trickreiche Konstruktion des  Stoffverdecks nämlich eine  Schiebedachfunktion (bis 120  km/h) – über den Köpfen der Frontpassagiere öffnet sich ein  bis zu 40 Zentimeter breiter  Luftspalt.

Den Wunsch nach  höheren Windstärken erfüllt das  Mini Cabrio vollautomatisch  per Knopfdruck (oder Fernbedienung),  wobei sich das Verdeck  in 15 Sekunden in einen etwas  unordentlich aussehenden  Haufen über dem Kofferraum  zusammenfaltet. Eine separate  Persenning ist nicht vorgesehen.  Vorteil dieser raumökonomischen  Konzeption: Im kurzen  Mini-Heck bleibt ein akzeptabler  Restkofferraum. Offen sind  es 120 Liter Ladevolumen, geschlossen  165 Liter (Limousine: 160 Liter), was aber nicht alles  sein muss. Wer die beiden  Rücksitzlehnen vorklappt, kann  bis zu 605 Liter reinpacken.  

Praktisch und eine nette  Reminiszenz an den Ur-Mini:  Beim Cabrio klappt die  Heckklappe beladungsfreundlich  nach unten und darf nebenbei  auch als Ladebord mit bis zu  80 Kilogramm belastet werden.  Außerdem kann der untere Verdeckrand  bei geschlossenem  Dach hochgeklappt werden,  was die Unterbringung sperriger  Sachen erleichtert.  Aus der Fahrerperspektive  betrachtet bleibt alles Mini.  Raumangebot, Sitze und das  für manchen Geschmack etwas  überstylte Cockpit gleichen der  Limousine. Das gilt auch für  das kleine Facelift (Frontschürze,  Scheinwerfer), das beiden  Varianten zugute kommt, sowie  die neue „Chronopack“-Option,  wo im Zentralinstrument die  Anzeigen für Tank, Öl- und  Wassertemperatur sowie Öldruck  zusammengefasst sind,  während sich Drehzahlmesser  und Tacho auf der Lenksäule  gruppieren.  Der Blick zurück fällt bei  geschlossenem Verdeck durch  beheizbares Glas. Aber wie es  geschlossene Cabrios an sich  haben, ist die Sicht nach hinten  stark eingeschränkt – ein Nachteil,  den BMW durch die serienmäßige  Zugabe der akustischen  Einparkhilfe lindert.

Gegen die räumliche Enge  ist freilich nichts zu machen.  Am besten nimmt man die im  Prospekt versprochene Viersitzigkeit  als Absichtserklärung –  in der Realität kann man die im  Fond zur Verfügung stehende  Beinfreiheit mit Zigarettenpapier  messen.  In geöffnetem Zustand erfreut  der Mini den Cabrio-Fan  dank seiner altmodisch steilen Frontscheibe durch reichlich  Fahrtwind im Cockpit, allerdings  behindert deren fette Umrahmung  die Aussicht. Nicht gerade  erbauend auch der äußere  Anblick: Ohne Zweifel gehört  der Mini zu jener Gattung von  Cabrios, die geschlossen besser  aussehen als offen.  Zwei mächtige, hinter den  Fondkopfstützen emporwuchernde  Überrollbügel mögen  der Unversehrtheit der Insassen  dienen, was den optischen Eindruck  des Oben-ohne-Mini betrifft,  bewirken sie hingegen das  Gegenteil.  

Gleichwohl hat das ausgeprägte  Sicherheitsgefühl, das  der offene Mini einflößt, natürlich auch sein Gutes. Überhaupt  halten sich die cabrio-typischen  Nachteile in erträglichen Grenzen:  Die Karosserie lässt es auf  schlechten Straßen mit einem  leichten Zittern bewenden, und  mit den dezenten Windgeräuschen  des geschlossenen Verdecks  kann man leben.  Klar, dass die Dachkonstruktion  mitsamt der notwendigen  Versteifungen im Karosseriegebälk  auf der Waage ihren Tribut  fordert: Das Cabrio ist laut  Werksangabe 100 Kilogramm  schwerer als die vergleichbare  Limousine. Das bleibt nicht ohne  Einfluss auf die Fahrleistungen.  Vorläufig nur mit 90 (Mini  One) und 115 PS (Mini Cooper)  lieferbar, setzt sich der Softtop-  Mini erkennbar träger in Bewegung  als sein herkömmlich  überdachtes Pendant. Eine  Cooper S-Variante, von 163 auf  170 PS geliftet, befindet sich  aber in Vorbereitung, lieferbar  ab August diesen Jahres.

 Unverändert die bekannte  und geschätzte Agilität auf kurvenreichen  Pisten, wo der Mini  zu Hause ist. Im Verbund mit  dem intensiveren Kontakt zur  Natur bietet das Cabrio hier jedoch  jene zusätzliche Dimension,  die dafür sorgt, dass nun  selbst bei verhaltener Gangart  Fahrfreude aufkommt. Mini-typisch  auch der Federungskomfort:  alles in allem bescheiden. Dass so viel frische Luft im  Auto nicht nur ein großes, sondern  auch ein teures Vergnügen  ist, gehört zu den Gesetzmäßigkeiten  des Automobilbaus,  die auch vom neuen Mini  Cabrio befolgt werden. Der  Aufpreis zur vergleichbaren  Limousine beträgt 3700 (Mini  One) und 3500 Euro (Mini  Cooper).  Im Klartext heißt das 18 300  und 20 000 Euro, zuzüglich 470  Euro für DSC (BMW-Kürzel  für ESP) – sicher nicht übertrieben  maxi, aber auch wahrlich  nicht mini.  

Technische Daten
Mini Cabrio Cooper Mini Cabrio One
Grundpreis 21.300 € 19.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3635 x 1688 x 1415 mm 3635 x 1688 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 165 bis 605 l 165 bis 605 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 193 km/h 175 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km 7,3 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee
Beliebte Artikel VW I.D. Sperrfrist 16.12.2018 00:00 Uhr MEZ Fahrbericht VW ID Neo (2020) Wir fuhren den elektrischen "Golf 9" Nio ES8 Fahrbericht 2018 Fahrbericht Nio ES8 (2018) E-SUV für Familie und Langstrecke
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Erste Soundprobe TVR Griffith TVR Griffith Verzögertes Comeback mit 507 PS
Allrad Mercedes GLE 2019 Weltpremiere Mercedes GLE (W167) Luxus-SUV ab 65.807 Euro Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Jochen Hörnle - Freifahrtschein Ausnahme in Großstädten Übergangsfrist für Diesel-Fahrverbot
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Vakantiepark Delfte Hout Campingplatz-Tipp Südholland Stadtcamping im Grünen