Mini Clubman

The Doors

Foto: Rossen Gargolov 22 Bilder

Es ist eröffnet: Der neue Mini Clubman rockt mit kultigen Türen und einer Menge Laderaum jetzt auch bei den Fans, die den Mini bisher für hübsch, aber unpraktisch hielten. Eine erste Fahrt in der Cooper S-Version.

Süß, schnuckelig und knuffig – verbale Streicheleinheiten holte sich der Mini bei seinen Fans schon zuhauf, und selbst BMW hätte nicht gedacht, dass dem Benjamin die Herzen der Massen derart zufliegen würden. Ob Ur- oder New Mini – beide brauchten nur sechs Jahre, um sich über eine Million Mal zu verkaufen. Dabei ist das knuddelige Wägelchen aus Oxford auch in seiner Neuauflage alles andere als ein Pragmatiker. Der Zwergen-Kofferraum, das Liliputaner- Platzangebot und der verquere Fond- Einstieg wurden ihm von Testern wie Besitzern gleichermaßen um die Ohren gehauen. Und so mancher potenzielle Mini-Kunde antwortete auf die Frage, ob er sich einen kaufen würde, seufzend in Radio-Eriwan-Manier: im Prin zip ja, wenn mehr reinpassen würde. An diese Zauderer will BMW jetzt ran. Dafür kramte man wieder in der Produkthistorie und holte gleich zwei Sechziger- Jahre-Vorbilder heraus: Morris Mini Traveller und Austin Mini Countryman, beide mit längerem Radstand und mehr Kofferraum. Ende der Sechziger gab es den Kombi dann auch als Langschnauzer namens Clubman. Genau so nennt sich jetzt die neue Variante mit acht Zentimeter mehr Radstand, 24 Zentimeter mehr Karosserielänge und 75 Kilogramm höherem Gewicht als die Basis. Immerhin größer als ein VW Polo, aber kleiner als ein Renault Clio. Die neuen Dimensionen versetzen ihn endgültig in die normale Kleinwagenklasse und kratzen damit am Nimbus des Unvergleichlichen. Optisch weicht der ultraknappe Abschluss des Standard-Mini beim Clubman einem kleinen Bicolor-Bürzelchen. Die Münder der Fans sind ob des auffälligen Anblicks sicherlich schon prophylaktisch gerundet für ein langgezogenes coool und süüß. Doch das automobile Schoßhündchen ist erwachsener geworden und vollführt blickfangende Klapp-Kunststücke. Am steilen Ende öffnet sich die so genannte Splitdoor mit zwei nach außen schwingenden Türen wie ein Kirchenportal. Sieht gut aus, schadet nicht und gibt den Blick frei auf ein ordentliches 260-Liter-Gepäckabteil. Mit einem kurzen Zug an zwei Klappgriffen in den Rückteilen der nach Wunsch zwei- oder dreisitzigen Fondbank (Lehnenneigung verstellbar) liegen die Sitze auch schon flach und ebnen den Boden ladefreundlich ein. Vorausgesetzt, es wurden vorher noch 180 Euro in den faltbaren Zwischenboden investiert, unter dem sich dann eine Art 50-Liter- Geheimfach bildet. Während die Hecktüren mit sattem Geräusch wieder zufallen, wartet seitlich, aber nur rechts, bereits das nächste Highlight: die – Rolls-Royce lässt grüßen – gegenläufig öffnende Clubtür. Schön für Kontinental-Europäer, denn die einseitige Pforte gewährt im Rechtsverkehr vom Bürgersteig her Einlass, wogegen Briten die hintere Tür zur Straße hin schwingen müssen.

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Ja, Design hat seinen Preis.
Der Preis ist angemessen.
Zu wenig Auto für zu viel Geld.
Extravaganz hat keinen Preis.

Das wäre unter Sir Alec Issigonis sicher nicht passiert. Doch die eigenwillige, kultige Konstruktion passt zum Mini. Nüchtern betrachtet steigen Passagiere aber in viertürige Kleinwagen bequemer ein. Einmal drin im Fond des langen Kleinen, fühlt sich selbst der 1,89 Meter große Autor nicht mehr wie auf einem Ryanair-Flug nach Stansted.

Acht Zentimeter mehr Beinfreiheit lösen endlich die Knie aus den vordersitzgepolsterten Bandscheiben des Fahrers, und durch die gezogenen Seitenscheiben rauscht die Landschaft im 16:9-Format vorbei. Auf Englisch cosy, also gemütlich, geht es im Fond zu. Trotzdem, sorry Mini-Pressetexter: Das ist keine Lounge. Der Rest ist Kennern bekannt.

Das Barbie- und Ken-Armaturenbrett mit dem Giganto-Tacho und der Kuchengrafik-Tankuhr. Wer einen balkenfreien Blick auf die Ampel erhaschen will, muss wie üblich den Kopf querlegen. Fährt sich der Supersize-Mini auch wie gewohnt? Sogar etwas besser. Auf der Autobahn beruhigt der längere Radstand seine nervöse Vorderhand, und auf Kurvenspielplätzen tollt der mit dickeren Stabilisatoren und auf das höhere Gewicht angepasster Feder-Dämpfer-Kennlinie ausgestattete Clubman genauso ausgelassen und beschwingt wie der kleine Bruder herum.

Sensible Piloten spüren, wie seine rund vier Prozent höhere Hecklast seinem Po beim Lastwechsel einen kleinen animierenden Kick versetzt, doch ESP ist hier erstmals serienmäßig zur Stelle. Gleichzeitig schält der Asphalt beim Beschleunigen aber auch einen Tick mehr Gummi von den scharrenden Vorderrädern.

Besonders, wenn unter der Haube der prächtige, zusammen mit Peugeot entwickelte 1,6- Liter-Turbo mit Direkteinspritzung und Twinscroll- Lader schon aus dem Drehzahlkeller heraus kräftig anschiebt – genüsslich pfeifend und rumorend. Für nur 160 Euro sorgt das Sperrdifferenzial für noch mehr Druck, aber auch starken Zug in der Lenkung.

Kein Kreuzchen verdient das optionale Sport-Fahrwerk, das schon bei Fahrbahnmarkierungen übel aufstößt. Günstige Preise und eine gute Ausstattung waren ebenfalls noch nie eine Mini-Stärke. Die Einstiegs- Version Cooper steht ab dem 10. November für 19 900 Euro bei den Händlern – ohne Klimaanlage. Der Preis dafür, dass der kleine Spaßmacher endlich vernünftiger geworden ist.

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