Mini Cooper Works

Cooperlativ

Wie in alten Zeiten peppt John Cooper Works den Mini gehörig auf. Mit Tuningmaßnahmen an Motor und am Aussehen bringt es der Kleine jetzt auf 126 PS beziehungsweise maximal 200 PS. Ein Fahrbericht.

Mini wacht auf. Zu viele Kunden haben den müden Antritt ihres Cooper S moniert, schicken ihn zum Wecken zum Tuner. Damit soll nun Schluss sein: Beim Händler gibt es Cooper und Cooper S mit Leistungsspritzen – von keinem Geringeren als Michael, dem Sohn des legendären John Cooper, Erfinder des Rennflohs. Der ehemalige Rennfahrer machte in den Sechzigern den Ur-Mini zum Mini Cooper, dessen Ableger drei Mal die Monte gewannen. Schon damals wurden sie getunt, was der altertümliche Vierzylindermotor hergab. Beim aktuellen Mini steht der klangvolle Zusatz Cooper bis jetzt nur für Modellvarianten. Stärker zwar, aber letztlich sehr zivil. Mit dem ehemaligen Rennstall und jetzigen Tuningbetrieb haben die heutigen Autos nur den Namen gemein. Ab April ist wieder Cooper drin, wo Cooper draufsteht. Zumindest, wenn der Kunde tief in die Tasche greift und bei seinem Händler das Werkstuning von John Cooper Works bestellt. So nennt sich die Tuning-Schmiede von Michael Cooper nahe des südenglischen Little Hampton, der mit dem Hersteller zusammenarbeitet und seine Teile über die Mini-Händler vertreibt. Inklusive Einbau kosten elf Mehr-PS im Fall des Mini Cooper 3000 Euro, 37 PS Zuwachs wollen beim Cooper S mit 5000 Euro bezahlt werden. Die Frage ist: Was bekommt man für den stolzen Zuschlag außer dem Wissen, einen von John Coopers Sohn heiß gemachten Wagen zu pilotieren? Mag der Zugewinn von elf PS beim Cooper ähnlich bescheiden klingen wie die Verbesserung der Fahrleistungen (null auf 100 km/h in 8,9 statt 9,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 204 statt 200 km/h) – in der Praxis ist er es nicht. Gas-pedalbefehle beantwortet der Vierzylinder endlich, wie man es von einem Mini erwartet: spontan und zackig. In Verbindung mit dem kehlig anschwellenden Ansauggeräusch und dem voluminösen Auspuff-Brabbeln sorgt dieser Motivationsschub für eine Potenzierung der Fahrfreude.

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Fahrbericht Mini Cooper Works
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Vor allem im oberen Drehzahlbereich, wo die Nadel des Tourenzählers bislang fast feststeckte, regt sich nun unerwarteter Arbeitseifer. Doch warum sind die aufgeweckten Pferdchen so teuer? Um einen Saugmotor auf Trab zu bringen, reicht ein Chip mit geändertem Motor-Kennfeld nicht aus. Klassisches Feintuning ist vonnöten. Schließlich ist der zähe Brot-und-Butter-Vierzylinder, entwickelt von Chrysler, alles andere als ein Sportmotor. Mini-Eigner BMW hat ihn lediglich adaptiert. Und so stellte sich bislang beim Fahren des Mini das Verlangen nach einem leichtfüßigen BMW-Vierzylinder ein. Verglichen mit dem 1,6-Liter made by Chrysler ist selbst der Dreier-Einstiegsmotor ein Hochleistungs-Triebwerk. Die Schlappheit des Mini-Motors resultiert aus engen Atemwegen – Entdrosselung ist vonnöten. Durch Sportluftfilter darf die Maschine nach Works-Art freier ansaugen, eine neue Auspuffanlage stellt den Abgasen geringfügig weniger Staudruck in den Weg. So weit das kleine Tuner-Einmaleins. Ans Eingemachte geht jedoch der bearbeitete Zylinderkopf. Dieser ermöglicht einerseits eine höhere Kompression, was bei gleicher Menge an eingespritztem Benzin die Leistung erhöht. Andererseits sorgt der beschleunigte Gaswechsel für ein spontaneres Ansprechen und Hochdrehen des Motors – was bislang fehlte. Dramatischer fällt der Unterschied natürlich beim Cooper S aus. 200 PS leistet er mit Tuning-Kit und soll in 6,7 statt 7,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Diese Werte versprechen sportwagen-ähnliche Beschleunigung. Doch bis der Kit-Motor zuschnappt, braucht es ähnlich viel Geduld wie beim Serientriebwerk. Unter 4000/min ein Pinscher, erst danach ein Kampfhund, der zubeißt und dennoch pariert. Wie ein Asthmatiker nach einer Dosis Cortison atmet der umgebaute Cooper S befreit durch. Der müde Antritt, der enttäuschte Mini-Kunden bisher Hilfe suchend bei den Tunern vorstellig werden lässt, wirkt deutlich aufgeweckter.

Dazu heult der Kompressor fast wie ein gerade verzahntes Getriebe, und der Auspuff ballert beim Gaswegnehmen. Da kommt zumindest ein Hauch von Rennflair auf. Bleibt allerdings auch hier die Frage: Warum ist das Motor-Kit so teuer? Schließlich bieten deutsche Mini-Tuner ähnliche Mehrleistung für 1500 bis 2200 Euro an, hinzu kommen zwischen 800 und 1800 Euro für eine Sportauspuff-Anlage, falls gewünscht. Der Aufwand lässt die Kosten beim Works-Kit explodieren. Statt des Standard-Tuning-Kits – bestehend aus anderer Kompressorübersetzung sowie einem Motorchip – erhält der Kunde bei John Cooper Works einen Eaton-Kompressor und einen komplett neuen Zylinderkopf. Im Preis inklusive sind geänderte Motorsteuerung, Sportluftfilter und -auspuff sowie der Einbau, den der jeweilige Mini-Händler durchführt. Nicht hoch genug sollten Kunden die Werksgarantie zu schätzen wissen. Da das Works-Kit offiziell über die Mini-Händler verkauft wird, bleibt die Garantie in vollem Umfang erhalten. Zwar gewähren angesehene Tuner auf ihre Umbauten auch zwei Jahre Garantie; falls aber der Works-Motor kollabieren sollte, ist Mini der Ansprechpartner für Geschädigte – das Gezerre zwischen Tuner und Autowerk um Folgekosten entfällt. Ebenfalls praktisch: Auch Sportsitze und 18-Zoll-Räder bietet John Cooper Works über die deutschen Händler an. So lässt sich der Mini weiter individualisieren. Alles aus einer Hand, dazu das Wissen, einen echten Cooper zu bewegen – das könnte Mini-Fans schwach werden lassen. Michael Cooper ist vom Erfolg seiner Tuning-Idee überzeugt. In Deutschland, hinter England und den USA drittgrößter Mini-Abnehmer, will er jährlich 300 Kits verkaufen.

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