Mini Cooper

Foto: Hans-Dieter Seufert

Nicht Nutzwert, sondern Fahrspaß stand an vorderster Stelle des Mini-Lastenheftes. auto motor und sport fuhr den 115 PS starken Mini Cooper. Stellt die deutsche Interpretation des englischen Kultobjekts mit modernster Technik eine gelungene Retrospektive dar?

Sir Alec Issigonis, der legendäre Schöpfer des Ur-Mini, muss sich nicht im Grabe umdrehen. Ebensowenig John Cooper, dessen Mini-Sportvarianten als rasende Kohlekisten in den sechziger Jahren Motorsport-Geschichte schrieben. Denn was BMW mit der Renaissance des zum Kultobjekt arrivierten, britischen Kleinwagens geschafft hat, trifft den Geist des Mini, ohne seine bekannten Nachteile zu übernehmen.

Geben wir es doch zu: Der Original-Mini war nie ein wirklich gutes Auto. Keine Federung, kein Platz, keine passive Sicherheit und Motoren aus der Steinzeit des Automobilbaus. Dafür hatte er sehr viel von dem, was über all diese Mängel hinwegsehen ließ: jugendlichen Charme und sportliches Charisma. Als Sympathieträger hat er den Niedergang der maroden britischen Automobilindustrie unbeschadet überstanden.

BMW setzt ihm mit dem neuen Mini ein würdiges Denkmal. Nun mag man beklagen, dass er nicht mehr gar so kurz ist wie seine Vorbild und an dessen Raumökonomie nicht heranreicht. Da ist was Wahres dran. Aber jetzt kann man vorne selbst als groß gewachsener Mensch ohne angezogene Beine bequem sitzen, das Lenkrad steht nicht mehr so flach wie in einem Frontlenker-Lieferwagen, und in den Kofferraum (160 Liter Volumen) passen zwei Bierkisten, ohne dass der Deckel offen bleiben muss. Und außerdem sind 3,62 Meter ja auch nicht gerade eine Furcht erregende Länge.

Gar nicht zu reden von den recht komfortablen Rücksitzen und der Heckklappe, mit der sich der Stauraum (670 Liter) bei umgeklappten Rücksitzlehnen optimal nutzen lässt. Allerdings: Bei der Rückfahrt von der Disco sollten die Vordersitze kleineren Personen vorbehalten bleiben, damit hinten Knie und Füsse der Rücksitzpassagiere Platz finden. Denn mit dem Knieraum ist es trotz des beachtlichen Radstands (2.467 Millimeter) nicht weit her im neuen Mini, auch ist der Fond auf zwei Personen beschränkt.

Das ist vernünftig, zumal der Mini als Zielgruppe allein stehende Yuppies, alternativ die Zweierbeziehung Dinks (double income no kids) anpeilt. In wohlhabenden Familien kann er auch als Zweit- oder Drittwagen reüssieren.

Und was ist mit den acht Ballantines-Flaschen, die sich einst in jeder Tür des Originals bruchsicher verstauen ließen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Zeiten haben sich geändert. Angesichts der 0,5-Promille-Grenze dürfte heute ein Flachmann reichen, dafür ist Platz. Im Übrigen stehen breite Ablagen unter dem Armaturenbrett und Cupholder für zeitgemäßere Getränke, etwa Red Bull, zur Verfügung.

Ansonsten findet das Auge im Interieur Erfreuliches, wie beispielsweise das große Zentralinstrument in der Mitte, fast so schön wie einst im Original. Beim Cooper ergänzt ein direkt hinter dem Lenkrad platzierter Drehzahlmesser das Überwachungsarsenal. Wer immer noch orientierungslos herumirrt, kann sogar eine GPS-Navigation mit großem Bildschirm in der Mitte ordern, wie es überhaupt von der automatischen Stabilitäts- und Traktionskontrolle ASC+T bis zum Xenon-Licht fast alles gegen Aufpreis gibt, was sich der User eines kleinen Premium-Gefährts so wünscht.

Denn Premium ist der neue, in England gebaute Mini. Das werden die BMW-Oberen nicht müde zu propagieren. Deshalb hat man sich mit der Verarbeitung auch viel Mühe gegeben, teure, rahmenlose Seitenfenster installiert, die sich bei Türbetätigung automatisch absenken, und eine Karosseriesteifigkeit erzielt, die Klappern verhindert und präzises Fahren begünstigt.

Dafür sorgt auch die vom Dreier entlehnte Mehrlenker-Hinterachse, eigentlich purer Luxus für so einen leichten Fronttriebler, mit verantwortlich auch für den Raummangel im Heckbereich. Aber sie funktioniert exzellent, lässt den Mini wieselflink, ohne spürbare Seitenneigung und dank leichten Lastwechselreaktionen gut kontrollierbar um die Ecken sprinten.

Unterstützt wird das Gokart-ähnliche Kurvenverhalten durch eine fast stoßfrei arbeitende, direkte Lenkung, die jeden Befehl am griffigen Lederlenkrad unmittelbar in Richtungsänderung umsetzt.

Der dabei unvermeidliche Fahrspaß ist beachtlich, zumal er nicht durch einen Mangel an Komfort erkauft wird. So ist die eigentliche Überraschung des kleinen BMW-Ablegers die passable Federung, die erst bei gröberen Unebenheiten die Grenzen ihres Schluckvermögens anzeigt. Das nicht zuletzt auch durch die aufwendige Sicherheitsausstattung relativ hohe Gewicht (1.125 Kilogramm) des Mini ist dabei sicher hilfreich.

Überraschend kultiviert ist auch der im Cooper 115 PS leistende Vierventilmotor. Er hängt gut am Gas, tritt schon bei 2.000 Umdrehungen kräftig an und lässt sich mühelos bis zum Drehzahlbegrenzer (6.700/min) hochjubeln, was allerdings mit Geräusch verbunden ist. Die spätestens dann angesagten Gangwechsel gehen leicht und präzise von der Hand.

Auf Wunsch (Aufpreis 2.738 Mark) gibt es dennoch ein stufenloses Automatikgetriebe (CVT), das zusätzlich im Steptronic-Modus vom Lenkrad aus alternativ sechs programmierte Fahrstufen bereithält. Das funktioniert ganz gut, dämpft aber etwas den ingesamt sportlichen Charakter des neuen Mini.

Die Fahrleistungen des kleinen Flitzers sind jedenfalls mit Schaltgetriebe beachtlich. Rund 200 km/h werden als Spitze versprochen. Für die Lebendigkeit im unteren Geschwindigkeitsbereich sorgt eine Beschleunigung von 9,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Wer noch mehr haben will, muss auf den erst im nächsten Sommer verfügbaren Cooper S mit 163 PS warten.

Doch Mini-Lifestyle lässt sich auch mit weniger Leistung erleben. Zeitgleich mit dem Cooper (32.076 Mark) kommt ab September dieses Jahres der Mini One (28.360 Mark) mit 90 PS zu den Händlern. Das ist etwa die Leistung, mit der Timo Mäkinen 1.965 die Rallye Monte Carlo gewinnen konnte.

Heute ist es ein guter Einstieg für den Kleinsten aus dem Hause BMW. So ändern sich die Zeiten.

Technische Daten
Mini Cooper
Grundpreis 16.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3626 x 1688 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 670 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Verbrauch 6,7 l/100 km
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