Mitsubishi Colt

Ein Colt für alle Fälle

Foto: Frank Herzog 5 Bilder

Mit einem rundum neuen, frischen Konzept legt die sechste Generation des kleinen Mitsubishi einen zackigen Neustart in der Kompaktwagenklasse hin. Er ist das Schwestermodell zum Smart Forfour.

Erinnern Sie sich noch an Colt Seavers? Der ging in einer trashigen Achtziger-Jahre-Fernsehserie als Nebenerwerbs-Kopfgeldjäger auf Jagd nach Kautionsflüchtlingen. Für diesen Einsatzzweck ist sein automobiler Namensvetter aus Japan zunächst nicht gedacht. Er geht als erstes neuentwickeltes Modell seit der Allianz mit Daimler- Chrysler mit einem soliden technischen Background an den Start. Oder besser: auf Eroberungskurs im Kleinwagensegment. Dort soll er der etablierten Clique um Peugeot 206, Honda Jazz und Mazda 2 Interessenten abjagen. Der 3,87 Meter lange und 1,55 Meter hohe Fünftürer sortiert sich mit seinem One-Box-Design irgendwo zwischen Steilheck und Kastenwagen ein. Inklusive eines talentierten Auftritts im Genre Raumangebot und Variabilität. Vorn geht es auf ausreichend bequemen, im Rückenbereich jedoch schmal geschnittenen Sitzen bei üppiger Kopffreiheit luftig zu. Hinten kommen Passagiere unter 1,80 Meter gut zurecht, für Größere wird es knapp.

Sein wahres Talent offenbart der Colt nach Betätigung diverser Hebel und Riegel an den Sitzmöbeln. So ist serienmäßig nicht nur die Beifahrerlehne klappbar, sondern die asymmetrisch geteilte Rücksitzbank in ihren zwei Teilen separat um 15 Zentimeter verschiebbar, klappbar, faltbar oder gar getrennt herauszunehmen. Angesichts seines nutzbaren Ladevolumens schmeichelt der Colt nicht nur Mitreisenden, sondern auch Gelegenheitsspediteuren. Eine große Frontscheibe sowie steil stehende Wände sorgen im Innern für ein grosszügiges Raumgefühl, lediglich die A-Säule schränkt die Sicht nach schräg vorn etwas ein. Große Außenspiegel sowie ein cleveres Scheibenwischerkonzept mit unterschiedlich langen Blättern wetzen diese kleine Scharte jedoch gekonnt aus.

Ebenso wie das appetitlich arrangierte Interieur: Das Designteam um Chef Olivier Boulay steckte die klar gezeichneten Rundinstrumente in italophil anmutende Höhlen und überzog die Oberflächen von Armaturenträger und Türverkleidungen mit dunklem Softlack in Quadrattextur. Eindeutige Bedienbarkeit von den Fensterhebern bis hin zur optionalen Stereoanlage sowie eine Vielzahl von Ablagen gefallen ebenso wie das gekühlte Separee im Handschuhfach für 1,5-Liter-Flaschen.

Gimmick am Rande: Die – wie Kinderspielzeug rastenden – Rändelräder zur Klimaregelung sowie der untere Teil der Mittelkonsole bestehen aus halbtransparentem Kunststoff, der im Dunkeln hinterleuchtet schummrig schimmert. Nette Idee, selbst wenn das verwendete Material fatal an Eimerplastik erinnert. Das Fünfganggetriebe ist ebenso leichtgängig wie exakt schaltbar, und zwar bei allen drei Benzinmotoren.

Die bei Mitsubishi in Japan entwickelten und in Thüringen in einem Joint-Venture mit Daimler-Chrysler gefertigten Aggregate verfügen jeweils über Aluminiumblöcke, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile mit variabler Steuerung sowie Ansaugrohre und Zylinderkopfdeckel aus Kunststoff. An der Basis arbeitet ein 1,1-Liter-Dreizylinder. Er spendet dezent knurrend Leistung, wirkt subjektiv stämmiger, als es seine 75 PS und 100 Newtonmeter Drehmoment vermuten lassen. Harmonisch-elastisch im Teillastbereich, bewältigt er selbst autobahnübliche Vollgasetappen ohne nervenden Radau bei Topspeed 160.

Schneller rennt der Colt mit dem 95 PS starken 1,3- Liter. Gleichförmig und wie die Geschwister mit verzögerter Gasannahme startend, kommt bei 4000/min Leben in die Vierzylinder- Bude. Prädikat: unauffällig-kultivierter Begleiter ohne Allüren. Wer mehr verlangt, sollte zum 1,5-Liter greifen. Dumpferer, erwachsener Klang mit heiserem Timbre begleitet hier den Aufstieg aus dem Drehzahlkeller. Ab 4000 Touren kommt ein Hauch Dramatik ins Spiel, begeben sich die Vorderräder noch im zweiten Gang scharrend auf Gripsuche, schmuggeln sich zart-zerrende Antriebseinflüsse bis ins Lenkrad. 109 PS beflügeln Heißsporne oder machen einfach nur gelassen, etwa beim aktiven Mitschwimmen auf der linken Autobahnspur.

Egal mit welchem Motor, wahres Colt- Revier sind Stadt und Land. Zwar ist das Fahrwerk komfortabler, schluckfreudiger und die elektrisch unterstützte Lenkung erwachsener abgestimmt als beim technisch eng verwandten Smart Forfour, dennoch ist auch der wendige Mitsubishi kein Kurvenverächter. Er passiert sie mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten sowie unkritischer Seitenneigung. Ab der Version 1.3 Invite aufwärts ist ein elektronisches Stabilitätsprogramm erhältlich. Es kostet inklusive Kopfairbags vorn und hinten 800 Euro extra, ABS und Seitenairbags sind dafür bereits bei der 1,1-Liter- Basis für 11 990 Euro Serie, ebenso wie elektrische Fensterheber vorn. Auf die Jagd nach Käufergunst geht der Colt ab Juni mit den 1,3- und 1,5-Liter-Benzinern. Der 1,1-Liter kommt im September etwa zeitgleich mit dem 95-PS-Diesel, der 68-PS-Selbstzünder etwas später.   

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Technische Daten
Mitsubishi Colt 1.1 Inform
Grundpreis 12.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3870 x 1695 x 1550 mm
KofferraumvolumenVDA 220 bis 1070 l
Hubraum / Motor 1124 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h
Verbrauch 5,5 l/100 km
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