Foto: Frank Herzog

Mitsubishi Lancer Evo VIII

Evo-Trip

Der sportlichste Lancer ist ein Lust-Beschleuniger – auf und neben der Straße. Keiner ist näher an einem Rallyeauto als er.

Schotter spritzt, knallt ins Fahrwerk. Scheinbar führungslos rutscht der Mitsubishi über alle vier Räder. Dann geht ein leichter Ruck durch die Karosserie – als würde sie sich am Kurvenausgang einhaken. Der Lancer faucht, hebt den Kopf und pflügt aus der Ecke. Mitsubishi Lancer Evolution VIII, kurz Evo, ist die mittlerweile achte Version einer Playstation für Erwachsene. Kein anderes Serienauto transformiert seinen Fahrer auf Feldwegen so unmittelbar in die Rallye- Welt. Kein anderes ist so nah am Rennwagen. Eigentlich fehlen nur noch die Sponsoraufkleber. Da wundert es nicht, dass der Mitsubishi Evo für Privatfahrer in der seriennahen Gruppe N der Rallye-WM das Basismodell schlechthin ist. Daran sollte sich auch bei der neuen Evolutionsstufe nichts ändern. Nummer acht hebt sich von ihrer Vorgängerin schon durch den Namen ab.

Mitsubishi Lancer Evo VIII kommt als Lancer

Bisher war der Evo in Deutschland nur als Grauimport erhältlich und hieß Carisma GT. Nun importiert ihn Mitsubishi offiziell als Lancer – so wie den zivilen Viertürer, von dem er abgeleitet ist. Im Zuge der Namensänderung erhielt er das aktuelle Mitsubishi- Gesicht mit dem Diamantzeichen, das nun selbstbewusster zwischen den Kühler- Nüstern thront. Die Luftein- und -auslässe wurden umgeformt, teilweise vergrößert. Ein neuer Unterboden soll den Abtrieb erhöhen, ebenso wie der monumentale Heckflügel. Er ist erstmals aus Carbon, im Gegensatz zu dem des Mitsubishi Evo VII jedoch nicht verstellbar.

Dafür bietet Mitsubishi für das Leitwerk eine weniger selbstbewusste Alternative an: ein verschämteres Flügelchen. Letzterer kennzeichnet die Komfortversion des Lancer. Ihre Recarositze sind Leder bezogen, die Instrumententafel in Carbon-Optik. Vor allem in Verbindung mit schwarzem Lack nimmt der zierlichere Flügel dem Evo ein wenig den Ruch des Bürgerschrecks. Das Beste daran: Der kleiner Spoiler und die Lederausstattung kosten nur 500 Euro Aufpreis. Ohnehin hat Mitsubishi knapp kalkuliert.

Mit 38 490 Euro ist der Mitsubishi Evo VIII eine Offerte, der Vorgänger kostete immerhin 43 600 Euro. Macht nach alter Rechnung eine Ersparnis von rund 10 000 Mark. Muss der Kunde deshalb auf irgendetwas verzichten? Beim Allradsystem nicht. Es umfasst eine mechanische Differenzialsperre an der Vorderachse, ein aktives Mittendifferenzial sowie an der Hinterachse eine Giermomentregelung. Diese übernahm beim Evo VII ein Kegelraddifferenzial. Jetzt kommt ein Planetenrad- Getriebe zum Einsatz, welches das Drehmoment flexibler als bisher zwischen linkem und rechtem Hinterrad verteilt. Der Fahrer kann diese Systeme sogar begrenzt beeinflussen: Mittels Schalter im Armaturenbrett lassen sich die Modi Asphalt (tarmac), Schotter (gravel) und Schnee (snow) vorwählen.

Die Fahreigenschaft des Mitsubishi Evo VIII heißt Dynamik

Doch im Wesentlichen arbeiten sie selbständig – immer auf der Suche nach einem Kompromiss aus maximaler Traktion und Fahrstabilität. Weil der Mitsubishi Evo VIII im Gegensatz zu anderen Allradfahrzeugen kompromisslos auf Fahrdynamik ausgelegt ist, fehlt ihm jede Untersteuerneigung. Auf Asphalt scheinen sich Kurven in unendlichem Tempo umrunden zu lassen. Selbst wer so schnell ist, dass es bereits Überwindung kostet, bringt den Lancer und seine Differenziale kaum ins Schleudern.

Auf Schotter lässt er sich dagegen schon zum Rutschen verleiten – sogar ohne an der Handbremse zu reißen: durch Lastwechsel. Man bremst die Kurve an, lenkt ein, lupft das Gaspedal. Das Heck schwenkt, der Drift lässt sich mit Vollgas verlängern – und dank der präzisen Lenkung sowie mit Hilfe der Differenziale ohne Flurschaden beenden. Beim Fahrspaß hat Mitsubishi nicht geknapst. Wohl aber an der Motorleistung. Statt wie bisher 280 PS leistet der Zweiliter-Turbo nur noch 265 PS. Auch das Drehmoment verringert sich von 383 auf 355 Nm.

Die Umstellung von Euro 2 auf Euro 3 raubte Kraft. Entwarnung dennoch: Auch wenn der Mitsubishi Evo VIII nun sechs statt knapp fünf Sekunden von null auf 100 km/h benötigt – beim Gasgeben vermisst man keines der 15 PS. Noch immer bietet der Evo ein konkurrenzloses Beschleunigungserlebnis fürs Geld. Dieses ist umso dramatischer, als der Zweiliter bei niedrigen Drehzahlen zunächst im Turboloch versackt, um dann bei rund 3000/min zischelnd zuzuschlagen. Ein Gefühl, als rissen weit über 300 PS an. Dazu passt das überarbeitete Getriebe. Es lässt sich nun endlich exakt und knackig schalten und ist vom ersten bis vierten Gang rallyemäßig kurz gestuft. Erst der fünfte ist lang übersetzt, um die Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h zu erreichen. Weil Mitsubishi aus Gewichts- und Platzgründen am Fünfganggetriebe festhält, ist die Übersetzung nicht optimal. So fehlt nach wie vor ein sechster Gang, der den exorbitanten Verbrauch senken könnte.

300 Mitsubishi Evo VIII ab März

Optimistisch gibt der Hersteller im Schnitt 10,9 Liter Super plus auf 100 Kilometer an – bei engagierter Fahrweise dürfte jedoch das Doppelte realistisch sein. Immerhin fasst der Tank jetzt 55 statt 48 Liter. Das erhöht den Aktionsradius zumindest um ein paar Kilometer. Der Mitsubishi Evo VIII nimmt sich viel, gibt aber ebenso viel an Lust und Laune zurück. Diesem fahrdynamischen Ausnahmetalent verzeiht man sogar die Turbo- Trinkgewohnheiten – ausreichendes Benzin-Budget vorausgesetzt. In Umweltbilanzen dürfte sich der Verbrauch ohnehin kaum niederschlagen – hier zu Lande sollen ab März jährlich gerade 300 Exemplare einen Käufer finden. 

Technische Daten

Mitsubishi Lancer Evolution VIII 2.0 16V
Grundpreis 38.490 €
Außenmaße 4490 x 1770 x 1450 mm
Kofferraumvolumen 430 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h
Verbrauch 10,9 l/100 km
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