Foto: Hans-Dieter Seufert

Morgan Plus 8

Acht und Nebel

Still und heimlich machte er sich aus dem Staub. Nach 35 Jahren wurde die Produktion der Inkarnation aller britischer Roadster-Tugenden eingestellt.

Der Morgan Plus 8 lehrte uns die Lust am Fahren ohne Filter, vom Fortschritt ungetrübt, pur. Und er lehrte uns Mores. Ein drehmomentstrotzender Achtzylinder in einem Dreißiger-Jahre-Chassis garantierte jenen Grad der Übermotorisierung, der harten Männern zu weichen Knien verhilft.

Man übte im Morgan des Widerspenstigen Zähmung. Das Auto bockte, sprang, prügelte und machte – untermalt von einem bösen Auspuffgrollen – auch sonst keinerlei Anstalten, sich einigermaßen gesittet zu benehmen.

Im Cockpit herrschte permanent Windstärke zwölf, die Sitze boten den Komfort von Gartenstühlen, Türgriffe gab es höchstens gegen Aufpreis. Und die Zielgenauigkeit beim Lenken erinnerte, wie Rennfahrer Hans-Joachim Stuck später einmal feststellte, „an eine Flinte mit verbogenem Lauf“.

1967: neues Herz, sonst alles beim Alten

Die zündende Idee, einen V8 in den leichten, seit Jahrzehnten gebauten Roadster zu verpflanzen, hatte Peter Morgan 1967. Der Vierzylindermotor des Triumph TR 4, der damals die Top-Motorisierung darstellte, war nicht mehr zu bekommen, alles andere zu schwer, zu schwach oder zu schwierig.

Rettung kam in Gestalt eines 3,5-Liter-V8-Motors, den Rover gerade eben mitsamt allen Rechten in den USA bei Buick eingekauft hatte. Das ebenso kompakte wie durchzugstarke Aluminium-Aggregat wog nicht mehr als der alte Vierzylinder, war aber um einiges kräftiger: Statt 105 PS walteten nun 160 PS, mehr als genug, wie sich herausstellte.

Der Rest blieb zur Erleichterung der Fangemeinde weitgehend, wie er war. Handgeformtes Blech auf abgelagertem Eschenholz auf traditionellem Leiterrahmen, dazu ein Fahrwerk, das aussah, als würde es aus der Bronzezeit stammen.

Der Morgan lebt weiter – mit V6 und 226 PS

Immerhin geht die Konstruktion der Morgan-Vorderachse auf das Jahr 1909 zurück. Alles zusammen wog nur 935 Kilogramm, was den Plus 8 von vorneherein rekordverdächtig machte: Kein Serienauto vermochte mit einer derart günstigen Relation von Hubraum und Gewicht zu glänzen. An alldem hat sich im Prinzip in den folgenden 35 Jahren nicht viel geändert. Der Plus 8 blieb der letzte Mohikaner, die Herausforderung für Gusseiserne.

Nun aber hat der Plus 8 das Ende der Straße erreicht. Sein Schicksal war besiegelt, als sich Motorenlieferant Land Rover entschloss, die V8-Produktion einzustellen. So wiederholt sich die Geschichte: 2003 ist wie 1967, ein neuer Motor muss her. Diesmal ist es ein V6, Marke Ford, aber mit 226 PS. Und auf jeden Fall besser als nichts.

Technische Daten

Morgan Roadster V6
Grundpreis 57.000 €
Außenmaße 4010 x 1720 x 1220 mm
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 166 kW / 226 PS bei 6150 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h
Verbrauch 9,8 l/100 km
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