Nissan 350Z

Mit dem Nissan 350 Z knüpft Japans Nummer zwei an die Tradition der legendären Z-Sportwagen aus den siebziger Jahren an. auto motor und sport fuhr den Neuen in seinem Hauptverbreitungsgebiet: den USA.

Mitte August auf der kalifornischen Monterey-Halbinsel: Für die Liebhaber klassischer Automobile fallen an diesem Wochenende Weihnachten und Ostern zusammen.

Innerhalb von 72 Stunden stehen drei absolute Knüller auf dem Programm: der Concorso Italiano im Carmel Valley, ein Festival für Ferraristi, die historischen Rennen auf der Strecke von Laguna Seca und als krönender Abschluss der weltberühmte Concours d’Élégance in Pebble Beach. Die ganze Gegend vibriert. Der Küsten-Highway 1 und die bergigen Straßen rund um Monterey bilden die Bühne für das Schaulaufen der Klassiker aus USA, Italien, England und Deutschland. Corvette reiht sich an Corvette, Lamborghini-Pulks dröhnen downtown, Jaguar liefern sich Jagd-Szenen, und ältere Herren mimen im Porsche den jungen James Dean.

Plötzlich erregt auf dem Laufsteg der Pretiosen ein goldglänzender Nissan Aufsehen. Hälse recken sich, Vollbremsungen werden hingelegt. Mit hochgestrecktem Daumen kommen die Neugierigen näher, tätscheln die Karosserie, wollen mal Probe sitzen.

Eine durchtrainierte Mittfünfzigerin fällt beim Anblick des Nissan fast vom Mountainbike: „Hey, ist das der neue 350 Z? I love it.“ Sie outet sich als Porsche Boxster- Fahrerin. „Früher“, schwärmt sie, „hatte ich einen 240 Z, damals mein absoluter Traumwagen.“ Der neue Z könnte sie glatt wieder zum Umsteigen bewegen. Dafür ist neben dem Mythos der Vergangenheit (siehe Kasten Seite 54) in erster Linie das Styling verantwortlich. Unter Federführung des von Isuzu gekommenen Designchefs Shiro Nakamura, der am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena studiert hat und dem American Way deshalb sehr nahe steht, zeigen Nissan-Autos wieder mehr Charakter. Mit dem 350 Z gibt Nakamura den Sportwagenfans voll die Kante. Die mit 4,31 Meter Außenlänge sehr kompakt geratene Fließheck-Karosserie ragt trotz geduckter Haltung mit ihrem variantenreichen Wechselspiel von Ecken, Kanten, Falzen und Sicken aus der Masse hervor, wirkt spannungsgeladen und muskulös.

Ihre Proportionen profitieren von der langen, sanft nach vorn abfallenden Motorhaube, den knappen Überhängen und den stämmigen 18-Zoll-Alurädern. Durchsetzt ist das Ganze mit liebevoll inszenierten Details: Scheinwerfer, Türgriffe, Auspuffblenden, das Z-Logo und die in Wagenfarbe lackierten Bremssättel sind schmückende Ornamente.

Auch im Cockpit sieht alles sportlich und edel aus. Aluminiumlook soweit das Auge reicht, drei schön gezeichnete Rundinstrumente mit zentral angeordnetem Drehzahlmesser, drei Zusatzinstrumente inklusive Bordcomputer auf der Mittelkonsole, gelochte Pedale,

Drei-Speichen-Sportlenkrad – Herz, was willst du mehr?

Authentizität bespielsweise. Fast alles, was metallisch aussieht, entpuppt sich beim Anfassen als Plastik. Auch der Qualitätseindruck ist ein bisschen enttäuschend. Beim Testwagen war der Kippmechanismus der in die Mittelkonsole integrierten Kunststoffklappe, hinter der sich je nach Ausstattung ein Brillenfach oder das DVD-gestützte Navigationssystem befindet, bereits defekt.

Dass Nissan gespart hat, um einen attraktiven Preis realisieren zu können – in USA liegt der Z 350 abhängig vom Equipment zwischen rund

27 000 und 33 000 Dollar –, zeigt sich noch an anderen Stellen. Das Lenkrad beispielsweise kann nur in einer Ebene verstellt werden. Und im Motorraum lümmelt der in der Leistung auf 287 PS gesteigerte 3,5-Liter-V6 wie ein liegen gebliebener Bodenstaubsauger herum. Zum Aufstellen der Fronthaube gibt es nicht mal Gasdruckfedern.

Auch innen ist es mit der Funktionalität nicht weit her. Es gibt zu wenig Ablagen, an Stelle eines Handschuhfachs muss mit zwei Schlitzen in der Konsole hinter den Sitzen vorlieb genommen werden. Der Stauraum unter der Heckklappe wird durch eine Querstrebe eingeschränkt, reicht aber für Reisen zu zweit. Sehr störend, besonders im Stadtverkehr und beim Rangieren, ist die dürftige Sicht nach schräg hinten. Aber eigentlich ist so ein Sportwagen ja auch mehr zum Vorwärtsfahren gedacht. Und das erledigt der Nissan mit bemerkenswertem Drive. Der Z 350 macht solch eine Freude beim Fahren, dass er glatt als BMW durchgehen könnte.

Die Position in den Sportsitzen passt wie angegossen, die Passagiere kauern ganz knapp über der Fahrbahn, was den Geschwindigkeitseindruck plastisch unterstreicht. Der Sechszylinder, der sein maximales Drehmoment von 371 Nm erst bei 4800/min abgibt, ist zwar kein Reißer, hat aber einen sonoren Klang und sorgt für kontinuierlichen Schub an der Hinterachse. Der knuffige Knauf des Sechsganggetriebes – eine Fünfgang-Automatik ist auch lieferbar – spielt den Taktstock, mit dem sich der V6 prima dirigieren lässt. Denn die Übersetzung der einzelnen Gänge ist gut auf die Leistungscharakteristik abgestimmt.

Mit rund 1450 Kilogramm Leergewicht ist der Z 350 zwar kein Leichtathlet, aber die Fahrleistungen (Werksangaben) können sich sehen lassen: sechs Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h limitiert.

Nahezu uneingeschränkt Spaß bereitet das Fahrwerk mit Mehrlenker-Achsen vorn und hinten. Der 350 Z ist ein quirliger Kurvenfeger, der auf der Straße zu kleben scheint – mit zielgenauer Servolenkung, nahezu ausgewogener Gewichtsverteilung (53 zu 47 Prozent) und einem neutralen bis leicht übersteuernden Fahrverhalten. Wer es zu toll treibt, wird vom serienmäßigen ESP eingebremst. Weniger geschmeidig gibt sich die Federung: Querfugen kommen trocken wie Aufwärtshaken der Klitschko-Brüder durch. Aber noch nie hat ein Nissan soviel Fahrspaß bereitet.

Deutsche Interessenten müssen sich noch bis Herbst 2003 in Vorfreude üben. Nissan erwartet hier jährlich 2000 bis 4000 verkaufte Einheiten zu Preisen, die je nach Ausstattung zwischen 30 000 und 35 000 Euro liegen sollen.

Eine echte Alternative also zu Audi TT, Porsche Boxster und Mercedes SLK, auch wenn es den Nissan nicht offen gibt. Doch ein 350 Z Spyder ist bereits in Arbeit.

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