Nissan Juke-R und Nismo im Fahrbericht

Godzillas Enkel kommen nach Europa

Nissan Juke-R, Nissan Juke Nismo, Frontansicht Foto: Hersteller 16 Bilder

Nissan Skyline GT-R alias Godzilla ist Kult. Jetzt vererbt er seine Gene. Wer keine 500.000 Euro für den Juke-R mit 550 PS übrig hat, den tröstet nun das erste Nismo-Modell für den europäischen Markt – der Juke Nismo für 26.400 Euro.

Wer seinen Namen nicht auf der Forbes-Liste, sondern unter einem Bausparvertrag findet, kann die Preise in der PS-Welt kaum noch realisieren. Eine bildliche Hilfe gefällig? 500.000 Euro in 20 Euro-Banknoten ergeben 25.000 Scheine. Jeder ist 13,3 Zentimeter lang. 500.000 Euro in 20-Euro-Scheinen reichen also für eine 3.325 Meter lange Linie.

Rennstrecke Parcmoto Castelloli bei Barcelona, der Preis des heutigen Exoten könnte neben der 2.963 Meter langen Rennpiste locker auch die Boxengasse mit Zwanzigern tapezieren: Gestatten, Nissan Juke-R für 500.000 Euro.

Mini-Godzilla Nissan Juke-R

Mit Unterstützung des Nissan Technical Centre Europe transplantierten die britischen Rennwagenbauer von RML die Gene des Allrad-Schrecks GT-R in den Kompakt-Crossover. In nur 22 Wochen zimmerten die Spezialisten nicht nur den 3,8-Liter-V6-Biturbo und das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe sowie die GTR-Bremsen in den Mini-Godzilla. Auch die GT-R-Achskonstruktion musste auf den Juke angepasst werden.

Eigentlich sollte die im Rahmen des 24h-Rennens von Dubai 2012 vorgestellte Studie Nissan Juke-R ein Einzelstück bleiben. Doch in den Emiraten sitzen Moneten locker wie Monopoly-Geld. Drei ernst zu nehmende Interessenten bissen an – die verrückte Idee wurde zur Kleinserie.

Prototyp Nissan Juke Nismo RC 55 Sek.

Das ursprüngliche Nissan Juke-R-Triebwerk mit 485 PS aus der ersten R35 GT-R-Generation erschien den Machern wohl etwas zu schmächtig. RML hiefte daher jüngst den 550-PS-Biturbo des 2013er Jahrgangs in den Motorraum, dessen Spritzwand nach hinten versetzt werden musste, um Platz für das Kraftwerk zu schaffen.

Nissan Juke mit Testosteron-Überdosis

Auch an der Karosserie zeigt die Testosteron-Überdosis Wirkung. Der Nissan Juke-R wächst dank Widebodykit 15 Zentimeter in die Breite. Kreisförmige Lufteinlässe, Kohlefaser-Teile, ein Diffusor, abflussrohrdicke Auspuffschächte und ein zweiteiliger Dachspoiler vollenden das mattschwarze Muskeltier.
 
Startknopf drücken, das Nissan GT-R-typische Rappeln im Antriebsstrang hat auch der Juke-R in seine Startchoreographie übernommen. Vollgas aus der Boxengasse. Die satte Traktion kommt ebenfalls bekannt vor. 3,0 Sekunden soll der Sprint auf Tempo 100 dauern. Im leergeräumten Innenraum mit Überrollkäfig hört man dabei nur ein leichtes Turbo-Zischen, während draußen ein Biturbo-Orkan fauchend losbricht.

Zappelig wie ein Nissan GT-R auf Ecstasy

Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 275 km/h liegen. Unser Testexemplar wirft schon bei Japan-konformen 180 km/h den Elektronik-Anker. Vielleicht besser – der Nissan Juke-R ist mit 25 Zentimeter kürzerem Radstand so zappelig wie ein GT-R auf Ecstasy. Das gutmütig-neutrale Fahrverhalten seines Herzspenders ist verflogen. Leichtes Untersteuern am Kurveneingang wechselt beim kleinsten Zucken vom Gaspedal in ein Lastwechsel-Auskeilen. Ohne zackige Gegenlenk-Impulse geht‘s nicht. Auch beim Anbremsen tanzt der Japaner mit dem Heck wie seine Landsleute in einer Karaokebar. „Du kannst ihn gut stabilisieren, wenn du mit links bremst und dabei leicht auf dem Gas bist“, tönt es vom Beifahrersitz. Nissan-Werkspilot Michael Krumm gibt Tipps, wie das Ladedruck-Biest gezähmt wird.

Juke-Fans, die nicht den Gegenwert eines Einfamilienhauses für das 550-PS-Allradmonster hinblättern wollen, tröstet Nismo in Deutschland mit dem Nissan Juke Nismo zum Einstandspreis von 26.400 Euro. Nismo? Ja, die in Japan von Tuning-Fans gehuldigte Nissan-Sportdependance geht nun erstmals offiziell auch in Europa an den Start. Nismo (Nissan Motorsports International), das begann in Japan 1964 mit Rennsporteinsätzen des legendären Skyline 2000 GT und entwickelte sich bis heute zu einer Erfolgsgeschichte (mehr über Nissans Motorsport-Aktivitäten).
 
Parallel zu den Rennsporteinsätzen vertrieb Nismo schon bald Tuning-Teile für Nissan-Serienmodelle. Beginnend mit dem Nismo 270R wurden ab 1994 auch modifizierte Komplettfahrzeuge angeboten. Es folgten scharfgemachte Skyline GT-R-Versionen der Baureihen R33 und R34 sowie getunte 350Z- und 370Z-Modelle.

Japan-GTI mit Tiguan-ähnlicher Sitzposition

Warum Nismo den Europa-Start nun mit einem hochbeinigen Crossover vollzieht, ist unverständlich. Das von Nissan-Modellen wie Tiida und Almera hier zu Lande geprägte Biedermann-Image unterhalb von 370Z und GT-R soll nun ausgerechnet ein Japan-GTI mit Tiguan-ähnlicher Sitzposition aufpolieren.

Das wird schwierig, denn der Schwerpunkt lag eher auf Optik- als Performance-Änderungen. Die gleichmäßige Leistungsentfaltung des 200-PSVierzylinders erinnert an das bisherige Juke-Topmodell, dessen 1,6-Liter-Turbo schon 190 PS bietet. Eine rund 220 PS starke Variante soll Ende 2013 kommen. Bis dahin bleiben die Fahrleistungen auf dem Niveau der 190-PS-Version. Die Lenkung agiert überraschend direkt, während sich das manuelle Sechsganggetriebe präzise schalten lässt. Das straffere Sportfahrwerk nervt nicht mit extremer Härte, lässt aber trotz alltagstauglicher Abstimmung in zügigen Landstraßenkurven nicht zu viel Seitenneigung zu.

Dennoch schafft es der Nissan Juke Nismo nur ins Kurzzeitgedächtnis. Auf samstagabendlichen Tuning-Treffen wird er nicht den Hauptdarsteller spielen: Zu wenig Kultgerät für die junge Generation Playstation, die sonst die kompromisslosen Nismo-Sportler auf der Konsole vergöttern. Auch Nismo-Präsident Miyatani ist erstaunlich ehrlich. Die Frage nach seinem Lieblingsmodell beantwortet er offen: „Skyline R34 GT-R“.

Nismo-Überflieger à la Godzilla

Vielleicht hätte sich ein Nismo-Überflieger à la Godzilla anders als der Juke schneller in die Fanherzen gefaucht. Auf den Trichter sind sie bei Nissan und Nismo jetzt auch gekommen. Ab Sommer 2013 geht eine Nismo-Variante des Nissan 370Z mit 344 PS, Aero-Paket und fettem Heckflügel bei uns an den Start. Na bitte, es geht doch!

An die 2009 präsentierte Straßenversion erinnern optisch allerdings nur noch die Scheinwerfer des 17 Zentimeter breiteren Rennwagens. Unter der dreiteiligen Karosserie mit einem aus dem Cockpit verstellbaren Heckflügel findet sich ein Kohlefaser-Monocoque. Das Gewicht des Nissan Leaf sinkt von 1.520 auf nur noch 938 Kilo. Der Wechselstrom-Synchronmotor leistet wie in der Serienversion unverändert 109 PS und 280 Nm, wurde aber für eine verbesserte Balance von der Front in die Fahrzeugmitte verlagert.

Mit leisem Sirren, aber knackigem Antritt rennt der Hecktriebler los (Straßenauto mit Frontantrieb). Der Sprint des Nissan Leaf Nismo RC auf 100 km/h soll 6,85 s dauern (Vmax: 150 km/h). Dank Rennsportfahrwerk lenkt der E-Rennwagen sehr direkt ein. Fahrspaß, der allerdings E-typisch nach rund 20 Minuten im Renntempo aus Kapazitätsgründen der Lithium-Ionen-Batterie schon wieder endet.

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Technische Daten
Nissan Juke-R Nismo
Grundpreis 500.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4135 x 1910 x 1665 mm
Hubraum / Motor 3799 cm³ / 6-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
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