Nissan Navara, Exterieur Jeroen Van Nieuwenhove
Nissan Navara, Gletscher Island
Nissan Navara, Exterieur
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Nissan Navara, Exterieur 13 Bilder

Im Pick-up auf Erkundungstour

Mit dem Nissan Navara auf Island

Island ist ständig in Bewegung: Vulkane, Gletscher, Wind und Wetter haben eine raue, lebensfeindliche Natur geschaffen. Gerade richtig für den renovierten Nissan Navara.

Eyjafjallajökull ist einer dieser isländischen Zungenbrecher, dessen Aussprache 2010 Nachrichtensprecher auf der ganzen Welt zur Verzweiflung brachte. Der Vulkan legte damals mit seiner kilometerhohen Aschewolke zeitweise den europäischen Flugverkehr lahm. Seitdem ist es ruhig geworden um „Efi“, wie ihn die Amerikaner der Einfachheit halber nennen. Aber man weiß ja nie, ob das auch während unserer Tour hier so bleibt.

Der Ausbruch hat nicht nur die Landschaft verändert, sondern auch Island selbst. Nachdem die Aschewolke abgezogen war, boomte der Tourismus. Das ist selbst hier mitten im Nirgendwo am Fuße des Vulkans zu spüren, denn lange bleiben wir nicht allein. Ein riesiger Ford F-250 parkt neben unserem Navara. Seine Ballonreifen reichen bis zur Motorhaube des Nissan, und so stellt er den 5,30 Meter langen Pickup sprichwörtlich in den Schatten.

Heraus klettert Tourguide Ragnar, der eine britische Familie im Schlepptau hat. Er erzählt, dass hier auf der Nordseite von „Efi“ noch vor 30 Jahren eine riesige Gletscherzunge hinunterragte. Die globale Erwärmung schmolz das Eis in Jahrzehnten zu einem riesigen See, bis die Eruption das Wasser schließlich in einer Flutwelle abfließen ließ. Auf dem fein gemahlenen nachtschwarzen Kies des Seegrunds parken wir nun, fachsimpeln über die Fahrwerksmodifikationen an seinem Ford, die einem Totalumbau gleichkommen, und verabschieden uns dann mit einem kühlen „bless“.

Ohne Offroad-Talente geht’s nicht

Es braucht zwar nicht zwingend einen Monstertruck wie den von Ragnar, doch ganz ohne Offroad-Talente kommt man auf Island nicht weit. Mit seinem robusten Leiterrahmen, zuschaltbarem Allradantrieb samt Hinterachsdifferenzialsperre und rund 20 cm Bodenfreiheit sowie dreimal so viel Wattiefe bietet der Navara weit mehr als das Notwendigste – und daran hat sich beim Facelift nichts geändert.

Mit eingelegter Geländeuntersetzung und 450 Nm Drehmoment klettert er problemlos über den felsigen Untergrund, verwindet sich auch mit Schraubenfedern stark genug, dass stets mindestens drei Räder Bodenkontakt halten, um Vortrieb zu leisten. Die Kraft kommt unverändert von einem 2,3-Liter-Turbodiesel mit 190 PS, der nun dank SCR-Filter fast so sauber ist wie die Luft hier im Norden.

Nissan Navara, Gletscher Island
Jeroen Van Nieuwenhove

Kaltes, klares Gletscherwasser bahnt sich seinen Weg durch einen riesigen Eistunnel den Berg hinab, wächst schnell zu einem reißenden Strom und wechselt dabei ständig seinen Lauf. Es trägt Vulkangestein in allen Größen mit sich, weshalb es gilt, die Gletscherflüsse mit Vorsicht zu durchfahren. Untiefen sind nicht erkennbar, die Gefahr, dass sich der Untergrund auf einer Seite staut und der Nissan eine Rolle seitwärts hinlegt, wird gegenwärtig, als wir die Schlucht passieren, an deren Ende eine Mietgeländewagen kopfüber im Flussbett steckt.

Ob der Fahrer ein übermütiger „Game of Thrones“-Fan war, der unbedingt den Ort sehen wollte, an dem eine Folge der Fantasy-Serie entstanden ist? Wir wissen es nicht, aber die Warnung ist angekommen. Statt des direkten Wegs suchen wir eine flachere Stelle weiter flussaufwärts zum Kreuzen, bleiben aber stets auf dem Weg. Querfeldein-Offroaden ist hier strengstens verboten – wer erwischt wird, zahlt heftige Geldbußen. Manche sagen, damit die hier lebenden Elfen nicht gestört werden, aber tatsächlich ist die karge Vegetation so empfindlich, dass die Reifenspuren auf dem oft moosigen Untergrund lange sichtbar bleiben.

Ohnehin gibt es keinen Grund, die mit Befahrbarkeitshinweisen ausgewiesenen Pfade zu verlassen. Sie führen stets durch nahezu menschenleere unberührte Natur, die jetzt im Sommer in zahllosen Grüntönen erwacht. Auf einem kleinen Campingplatz schlage ich das Zelt auf, denn auch Wildcampen ist nicht erlaubt. Ich leihe mir ein Mountainbike und erkunde die Gegend nun mit Muskelkraft.

Nissan Navara, Exterieur
Jeroen Van Nieuwenhove

Das Tal ist einer der wenigen nahezu windstillen Orte auf der Insel. Es geht vorbei an unzähligen Wasserfällen, die mitten im Berg zu entspringen scheinen und sich mal tosend, mal verspielt von Stein zu Stein in die Tiefe stürzen. Und doch wirkt die Wildnis ohne hoch aufragende Vegetation extrem reduziert.

Es heißt, auf Island kann man an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben. Diese Erfahrung bleibt mir auf meinem Kurztrip glücklicherweise erspart. Heute scheint die Sonne den ganzen Tag: 24 Stunden lang. So nahe am Polarkreis unternimmt der Feuerball erst kurz vor Mitternacht den Versuch eines Untergangs, verschwindet kurz rotglühend hinter dem Gletscher, um wenige Augenblicke später an der gleichen Stelle wieder aufzugehen. Ein unfassbar schöner Anblick, den ich mit einer schlaflosen „Nacht“ bezahle. Wer es gewöhnt ist, im Dunkeln zu schlafen, muss entweder auf eine wenig kleidsame Nachtbrille zurückgreifen oder die Vorhänge besonders gut zuziehen. Ersteres ist nicht mein Ding, und Letzteres wird heute schwierig, denn die Zeltplane scheint mehr Licht durchzulassen als abzuhalten.

Golden Circle: Island an einem Tag

Am nächsten Morgen klingelt die Wecker-App bereits um fünf Uhr. Der Navara bahnt sich seinen Weg über die Mountain Road, die den letzten Teil ihres Namens – Straße – nicht wirklich verdient. Die grob geschotterte Piste wird immer wieder durch Bäche und Geröllfelder unterbrochen, ist bei Schnee und Eis nur auf eigenes Risiko befahrbar.

Dann treffen wir auf die Route 1, eine mehr als 1.300 Kilometer lange Hauptverkehrsstraße, die die Insel umrundet. Wer möglichst viel in kurzer Zeit sehen will, folgt ihr ein Stück weit auf dem „Golden Circle“, bestaunt heiße Quellen, sprudelnde Geysire, tosende Wasserfälle und kann im Winterhalbjahr sogar Nordlichter bestaunen. Allerdings teilt man sich diese Naturerlebnisse mit vielen anderen Touristen, die hier busweise verkehren.

Darauf habe ich keine Lust, biege lieber ab auf eine kleinere Küstenstraße, die deutlich leerer als die 1 ist. Der Navara gleitet entspannt mit Tempo 90 dahin. Dank Schraubenfedern ringsum fühlt sich der Nissan auf dem oft kilometerlang schnurgerade asphaltierten Geläuf durch erkaltete Lavafelder weniger nach Pickup und mehr nach SUV an. Alle paar Kilometer laden hier kleinere Naturwunder zum Verweilen ein. Einmal sind es Schwefelfelder, die die umliegenden Gesteine in Regenbogenfarben anmalen, dann dampfende Quellen, die entweder schon kilometerweit vorher zu sehen sind oder von den Isländern – versteckt unter schmucklose Industriebauten – zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden.

Schwarzer Sand vor weißem Vulkan

Nissan Navara, Exterieur
Jeroen Van Nieuwenhove

Der nächste Abzweig führt direkt zum Meer. Anhalten, Luft aus den Reifen lassen, bis der Druckmesser nur noch ein bar zeigt und ein Teil der Flanke die Lauffläche vergrößert. Eigentlich liegt nun ein kilometerlanger tiefschwarzer Sandstrand vor mir, nur sehen kann man so gut wie nichts davon. Der starke Wind tobt um den Pickup, wirbelt Wasser und Sand auf wie Nebel und begrenzt so die Sichtweite auf wenige Meter – ein geisterhaftes Szenario. Einzige Orientierungsmöglichkeit: das Navi.

Dessen Monitor fällt jetzt mit acht Zoll nicht nur etwas größer aus, er löst auch höher auf und bindet Internet und Smartphones ein. So finden wir zielsicher den Weg über den breiten Strand ans Wasser. Dann legt sich der Wind so plötzlich, wie er gekommen war, und die Sicht klart auf. Mit über 80 Sachen jagen wir den Strand entlang, schneiden die Brandung, dass das Salzwasser nur so spritzt. Eine Riesengaudi, wie man sie nur mit so einem Geländewagen erleben kann.

Plötzlich ragt ein Schiffswrack wie ein Dinosauriergerippe aus dem Boden. Ein altes Wikingerschiff, das noch aus der Zeit der Entdeckung der Insel im neunten Jahrhundert stammt? Wohl kaum. Erst jetzt bemerke ich die Vulkaninseln, die wenige Kilometer vor der Küste drohend aus dem Meer ragen. Hinter mir schläft Vulkan „Efi“ unter seiner schneebedeckten Kuppe, ein unfassbarer Anblick.

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