Nissan Patrol GR

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert

Mit geglätteter, modernisierter Karosserie präsentiert sich der Nissan Patrol des Jahrgangs 1998 weniger martialisch als sein Vorgänger. Aber unter dem Blech blieb er ein Geländewagen von altem Schrot und Korn.

Die Botschaft der verbindlichen Umgangsformen, die viele neukonstruierte Geländewagen verbreiten, ist am Nissan Patrol spurlos vorbeigegangen. Die aktuelle Mode im Allradsegment, die eine Abkehr vom rustikalen Offroader zum allradgetriebenen Softie als zeitgemäßes 4T4-Strickmuster vorgibt, steht, so jedenfalls will es das Nissan-Marketing wissen, in diametralem Gegensatz zu dem, was treue Patrol-Kunden von ihrem Gefährt erwarten: Männer sind es meist, in den mittleren Jahren und mit überdurchschnittlichem Einkommen gesegnet.

Sie schleppen Boote und Pferdeanhänger, oder sie gehören zu denen, die beruflich auf Baustellen im Dreck wühlen müssen. Kurz: Sie wollen einen unverfälschten Geländewagen, auch wenn damit ein gewisser Verzicht auf Komfort verbunden ist. Die jüngste Ausführung des Patrol folgt deshalb wieder dem klassischen Konstruktionsprinzip der Traktionsgemeinschaft.

Die Karosserie, in einer zweiund einer viertürigen Variante auf längerem Radstand ab März lieferbar, sitzt auf einem robusten Leiterrahmen, die Räder hängen vorn wie hinten an starren Achsen, die im Gelände den Vorzug der konstanten Bodenfreiheit beim Einfedern ausspielen können. Längs- und Querstreben bändigen das Eigenleben der umfangreichen ungefederten Massen, auch Schraubenfedern dürfen als kleines Zugeständnis an die Moderne gelten. Sie bemühen sich im langen Modell mit gewissem Erfolg um Federungskomfort, aber sie versetzen den kurzen Patrol selbst auf gut ausgebauten Straßen in ständige Vertikalbewegungen, die den Komfort sehr beeinträchtigen. 

Auch der Geradeauslauf ist bei der Variante mit langen Radstand spürbar besser, wenngleich die starre Vorderachse und die indifferent wirkende Lenkung auch hier eine mit herkömmlichen Autos vergleichbare Präzision des Fahrverhaltens verhindern. Ebenfalls von traditioneller Bauart ist der Allradantrieb. Die Vorderachse wird, ebenso wie die kurze Geländeübersetzung, die auch an extremen Gefällen für sicheres Fußgängertempo sorgt, mit einem Hebel auf der Mittelkonsole zugeschaltet. Es herrscht starrer Durchtrieb zwischen den Achsen, weshalb der Vierradmodus nur auf losem Untergrund verwendet werden darf.

Im Gelände, das zeigte bereits die erste Bekanntschaft, vermag der Patrol weit mehr zu überzeugen als auf der Straße. Mit 100prozentiger Sperre an der Hinterachse und der bisher erstmals eingesetzten Neuerung eines elektrisch abschaltbaren Querstabilisators, der eine vergrößerte Achsverschränkung erlaubt, vermag ihn kaum ein Hindernis aufzuhalten. Unverständlicherweise bleiben diese beiden Goodies den auf Ausstattungsluxus getrimmten Versionen Comfort und Luxury vorbehalten. 

Die Basisversion, eigentliches Arbeitstier der Modellpalette, muß sich mit 42 Prozent-Sperre begnügen. Abseits der Straße zeigt sich auch der Sechszylinder-Turbodiesel mit 2,8 Liter Hubraum, der vom Vorgänger übernommen wurde, aber jetzt mit Ladeluftkühler auf 130 PS kommt, von seiner besten Seite. Sein üppiges Drehmoment sorgt für kraftvollen Durchzug. Auf Autobahnen und Landstraßen wäre der Fahrer des in der Basisausführung 2145 Kilogramm schweren Patrol für ein paar Pferdestärken mehr dankbar.

Zugunsten des Diesels, dessen Laufkultur die kernige Ausstrahlung des Patrol unterstreicht, kann immerhin gesagt werden, daß er mit akzeptabler Wirtschaftlichkeit (durchschnittlicher Normverbrauch 11,2 L/100 km) arbeitet und, weil schadstoffarm nach EG 3 vom Fiskus nicht in extremer Weise zur Kasse gebeten wird (37,10 Mark pro 100 Kubikzentimeter Hubraum). Eine Benzin-Alternative bietet Nissan vorerst nicht. Der geplante 4,5 Liter-Ottomotor mit 200 PS hat noch Schwierigkeiten, die Abgashürden zu überspringen.  

Zur Startseite
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Erlkönig Land Rover Discovery Sport Land Rover Discovery Sport (2019) Künftig auch als Hybrid-SUV BMW Niere groß Retusche BMW-Nieren XXL Guck mal BMW, es geht noch breiter
Promobil
Gebrauchtcheck: Hymer Camp Alkovenmobil Hymer Camp im Gebrauchtcheck Der jahrelange Bestseller Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?